Er ist der ehemalige Frontman der 2010 aufgelösten Band Reamonn, Raymond Mi-chael "Rea" Garvey, und er kommt mit seiner eigenen Band am 18. Juli in ein echtes Kleinod nördlich von Bamberg. Das malerisch gelegene Schloss von Eyrichshof bildet den wunderschönen Rahmen für eine Reihe von Open Airs, die der Veranstaltungsservice Bamberg den ganzen Juli 2015 hindurch dort veranstaltet, darunter auch das Konzert mit dem irischen Sänger, Songschreiber und Gitarristen. Der am 3. Mai 1973 im irischen Städtchen Tralee, in County Kerry, geborene Musiker wuchs dort mit sieben Schwestern auf, verließ aber 1998 seine Heimat, um nach Deutschland zu gehen und hier sein Glück zu finden.

Kennst Du das im Norden von Bamberg, Richtung Ebern gelegene Schloss Eyrichshof?
Rea Garvey: Das Schloss kenne ich zwar noch nicht, habe aber gehört, wie schön es dort sein soll, und ich bin gespannt auf diese besondere Kulisse für unseren Auftritt. Aber Bamberg kenne ich sehr gut! Ich war öfters da, weil Uwe Bossert, Gitarrist von Reamonn, aus Bamberg stammt, und wir durch die Altstadt gezogen sind, als es die Band noch gab. Auch den Live-Club haben wir immer gerne besucht.

Hast Du noch Kontakt zu Deiner ehemaligen Band Reamonn?
Nein, derzeit nicht. Zusammen mit Reamonn erlebte ich die schönste Zeit meines Lebens und die wird immer in meinem Herzen bleiben. Aber gerade weil es so eine intensive Zeit war, fiel die Trennung schwer. Streit war unvermeidlich, aber ich bin mir sicher, dass die Zeit alle Wunden heilt und wir uns irgendwann wieder sehen und darüber lachen können. Die Mitglieder haben ja auch inzwischen alle eigene Musikprojekte laufen.

Wird es live neben Deinen neuen Songs auch noch Titel aus jener Zeit geben?
In meiner derzeitigen Setlist gibt es keine Reamonn-Titel. Aber zum Beispiel "Supergirl" spiele ich immer noch gerne ab und zu. Wer weiß, vielleicht baue ich auch den ein oder anderen Song wieder ins Programm für die Open Airs im Sommer ein, doch das neue Album steht im Vordergrund.

"Pride" heißt der Titel der aktuellen CD. Woher kommt dieser "Stolz", warum gerade dieser Titel?
Ich habe in den vergangenen zwei Jahren viele Erfahrungen gesammelt und musikalisch viel herumexperimentiert. Zwei Jahre habe ich mir für die Entwicklung neuer Songs Zeit gelassen und ich bin erst ins Studio gegangen, als ich alles Material beisammen hatte. Die meist recht sterile Atmosphäre im Studio ist für mich kein Platz für Kreativität. Meine Songs sind an ganz verschiedenen Orten entstanden und erst als sie fertig waren, bin ich mit meinen Musikern ins Studio gegangen. Dort haben wir dann an den Kompositionen herumgefeilt und manche wurden drei oder vier Mal aufgenommen, bis sie uns so richtig gefallen haben. Am Ende waren wir stolz auf das Ergebnis. Deshalb der Titel "Pride".

Welche Einflüsse spielen bei der der Entwicklung neuer Songs für Dich eine wichtige Rolle? Inhaltlich geht es ja nicht nur um Trallala und Liebelei.
Nein, ganz und gar nicht, Banalität ist nicht mein Ding! Mit über 40 blickt man auf das Leben, das noch vor einem liegt, wie auch zurück auf gemachte Erfahrungen, die für die eigene Entwicklung wichtig waren. Da ist zum Beispiel der Song "Candlelight", in dem es um ein Kindheitserlebnis von mir geht. Als ich eine schwere Krankheit zu überstehen hatte, sagte mein Vater zu mir: "Aufgeben ist keine Option. Du schaffst das!" Dieses Motto ist für mein ganzes Leben wichtig geworden und hat mir in kritischen Situationen immer wieder geholfen. Davon handelt dieser Song. Musikalisch suche ich mir zur Stimmung jedes einzelnen Liedes jeweils das Passende aus. Das kann Rock sein, aber auch Pop und Folk wie bei der Single-Auskopplung "It's A Good Life".

Nicht unumstritten waren Deine Teilnahmen als Jurymitglied bei TV-Casting-Shows wie "Unser Star für Oslo" und vor allem "The Voice of Germany". Wie stehst Du heute dazu?
Angesichts dessen, dass junge, noch unbekannte Künstler heutzutage, da Viva und MTV aufgrund ihrer unsäglichen Werbe-Dauerschleifen out sind, kaum mehr Möglichkeiten haben, bei einem größeren Publikum bekannt zu werden, finde ich solche Gelegenheiten eigentlich ganz gut. Vorausgesetzt, diese Shows suchen echte Talente und verlaufen fair. Ich denke da zum Beispiel an die junge Singer-Songwriterin und Pianistin Birdy ("People Help The People"), die es dadurch geschafft hat, die Charts zu erobern und sich als Künstlerin zu etablieren. Auch mir persönlich hat "Voice of Germany" natürlich genutzt, da mich nun ein breiteres TV-Publikum kennt und auch meine Konzerte besucht.

Dein Engagement bezieht sich aber nicht nur auf die Nachwuchsförderung, sondern auch auf sozial-politische Bereiche.
Ja, ich mische mich als Gast in Deutschland zwar nicht in Tagespolitik ein, aber generelle Fragen, insbesondere wenn es um Menschenrechte geht, sind mir wichtig. Deutschland habe ich stets als weltoffen und tolerant erlebt. Es geht nicht an, sich von Minderheiten tyrannisieren zu lassen. Die Demonstrationen zu Jahresbeginn halte ich mehr für einen Ausdruck politischer Unzufriedenheit und erlebter Ungerechtigkeit. Hier sollte man meiner Ansicht nach ansetzen. Ich persönlich engagiere mich in bestimmten Projekten, um konkret etwas tun zu können. Bereits im Jahr 2000 kam es zur Stiftung "Saving an Angel", wofür es 2010 einen "Ehrenecho" gab. Die Gala dazu "Alive and Swinging" - zusammen mit Xavier Naidoo, Sasha und Michael Mittermeier als "The Rat Pack" - war eine ganz neue Erfahrung und ein großer Erfolg. Inzwischen bin ich speziell im "Clearwater-Projekt" aktiv, bei dem uns auch Künstler wie Sting unterstützen. Hier kümmern wir uns vor allem um die Hilfe für Menschen im Amazonasgebiet. Aufgrund der eigentlich verbotenen Waldrodung in Verbindung mit der Suche der Großindustrie nach Öl, Gas und anderen Bodenschätzen, wurden ganze Landstriche verwüstet und die dort lebenden Menschen ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Insbesondere geht es vor Ort um sauberes Trinkwasser mit entsprechenden Aufbereitungsanlagen, aber auch um die Verbesserung der gesamten Lebensverhältnisse in Verbindung mit dem Schutz der Urwälder. Das liegt mir am Herzen.

Zurück zu Deinem Konzert vor Schloss Eyrichshof am 18. Juli. Worin liegt für Dich der Unterschied zwischen einem Indoor- und einem Outdoor-Konzerterlebnis?
Oh, beides hat seinen eigenen Reiz. Aber bei Open Airs kann man den Rahmen auf der großen Bühne noch ganz anders, größer gestalten und auskosten. Ich liebe diese Art von "Woodstock"-Atmosphäre, wenn die Leute auf der Wiese lagern und Picknick machen. Ich hatte in Deutschland auch stets Glück mit dem Wetter. Es wird sicherlich die Sonne scheinen, wenn ich in Schloss Eyrichshof mit meiner Band auftrete. Aber egal unter welchen Umständen, wir werden dort eine große Party mit viel positiver Energie und guter Musik feiern! Ich freu' mich drauf, wir sehen uns!

Das Gespräch führte Helmut Ölschlegel
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