Sri Lanka, ein Land der krassen Gegensätze: Chaotisches, großstädtisches Verkehrsgewühl ohne erkennbare Regeln neben endlosen und einsamen weißen Stränden - jahrtausendealte Denkmäler altasiatischer Kulturen neben riesigen naturbelassenen Nationalparks - ein vom Tourismus geprägter Süden neben dem vom erst kürzlich beendeten Bürgerkrieg malträtierten Norden.
Auf ihren Drahteseln kurvten Inge und Manfred Wagner aus Königsberg, beide 57, fünf Wochen lang rund 2000 Kilometer kreuz und quer durch das frühere Ceylon. Vom kalten deutschen Winter fliegen sie im Februar in ein Land nahe dem Äquator, wo schwüle Hitze herrscht. Schnell bemerkt das oft schwitzende Radelpaar mit den voll gepackten Rädern, dass die Menschen mit der dunklen Hautfarbe chronisch gut gelaunt sind. Zumeist ist das nicht gespielt oder aufgesetzt. Fragen nach dem Weg oder einer Unterkunft werden von den stolzen Insulanern freundlich und geduldig beantwortet, in den kleinen Restaurants wird für Reis und scharfes Curry kein Touristenaufschlag erhoben.
Abseits der ausgetretenen Pfade kommen die Radler Land und Leuten nahe. Wie eh und je waschen sich die Menschen vor dem Essen die Hände, um anschließend ohne Besteck mit den Fingern herzhaft zuzugreifen. Ins Fluss- oder Meerwasser steigen die Einheimischen höchstens bis zum Oberschenkel, die Frauen bekleidet mit Sari, die Männer mit einem rockartigen Sarong. Bikinis oder Badeanzüge sind tabu - europäische Frauen, die in kleineren Orten mit ihrem Badeoutfit am hoteleigenen Swimmingpool liegen, dürfen sich nicht wundern, ausgiebig begafft zu werden.
Weiter geht es gen Norden: Gerade mal vier Jahre ist es her, dass dort ein schrecklicher Krieg tobte. Jahrzehntelang kämpften die Tamilen für einen eigenen Staat. Die Tour der Radler führt an zerstörten Häusern, Brücken und Wasserspeichern vorbei. An jeder Straßenkreuzung sind Soldaten postiert, das Gewehr im Anschlag. Es herrscht Friede, aber niemand weiß, wie lange. Die klagenden Schreie der wildlebenden Pfaue passen zu den Schildern neben der Straße, die vor nicht geräumten Minenfeldern warnen.
Seit mehr als zweitausend Jahren ist in Sir Lanka der Buddhismus etabliert. Allerorten sieht man orangefarben bekleidete Mönche. Staunend betrachten die Königsberger die 15 Meter hohen und uralten aus dem Fels gehauenen Buddhastatuen, die eine souveräne Ruhe und Überlegenheit ausstrahlen. Ähnlich hoch wie die mexikanischen Pyramiden ragen die glockenförmigen Dagobas, auch Stupas genannt, in den blauen Himmel. Die heiligen Stätten sind aus Abertausenden von Ziegelsteinen zusammengesetzt.
Im zentralen Hochland der einstigen britischen Kronkolonie besichtigen die Traveller ein Waisenhaus für Elefanten und direkt bei den Plantagen kaufen sie Tee ein, den wohl besten der Welt. Täglich hören sie die gleiche Frage: "Wohin geht die Reise?" Genau diese Frage stellt sich auch für den schönen Inselstaat im indischen Ozean.