Posaunenchöre gelten als wichtige Gemeinschaften, "die Gott zur Ehre blasen und den Menschen zur Freude". In der evangelischen Kirchengemeinde Gleisenau ist dies seit 90 Jahren der Fall. Zum Jubiläum präsentiert sich der Posaunenchor mit zwei besonderen "Geburtstagsgeschenken". Am Samstag, 6. Juni, ist im Bürgersaal das Kirchenkabarett "Das weißblaue Beffchen" zu erleben, und am Sonntag, 14. Juni, gibt es in der Kirche von Gleisenau einen musikalischen Festgottesdienst.

Im Juni 1925 hatten Gemeindeglieder den Entschluss gefasst, in der evangelischen Kirchengemeinde Gleisenau einen Posaunenchor zu gründen. Den Anstoß gab das gemeinsame Blasen der Posaunenchöre Haßfurt, Bamberg und Zeilitzheim zur Einweihung der evangelisch-lutherischen Himmelfahrtskirche in Zeil.

Geprobt wurde zuhause

Woher die Instrumente und Noten nehmen? Eine Haussammlung, einige Veranstaltungen sowie Spenden lieferten das Geld zur Anschaffung. Als die ersten Flügelhörner da waren, ging es gleich an die Proben - damals noch in Privathäusern. Pfarrer Petersen aus Haßfurt sowie seine Chormitglieder Fürst und Krettner machten sich damals auf, um in Gleisenau zu dirigieren.

Am 19. August 1925 verpflichteten sich dann 13 junge Männer mit Handschlag und einer Unterschrift im Beisein des Kirchenvorstands auf eine Satzung. Die Gründungsmitglieder waren Christian Dittmann, Peter Schöpf, Andreas Maier, Ludwig Maier, Paul Appel, Hans Thein, Georg Melber, Christian Wacker (alle Ebelsbach), Bernhard Deininger, Heinrich Deininger, Christian Schätzlein (alle Gleisenau) sowie Heinrich Hümmer und Hermann Herbig (beide aus Rudendorf). Gründungschorleiter war Christian Dittmann und Pfarrer in Glei senau war Vikar Friedrich Eberle. Schon ein Jahr später hatte der "Gleisenauer Posaunenchor" beim Posaunentag in Erlangen seinen ersten "Großeinsatz". 900 Bläser nahmen teil, zwölf kamen aus Gleisenau.

Die Gleisenauer wurden dem Dekanatsbezirk Rügheim zugeteilt. Hier gab es Mitte der 30-er Jahre nun acht Posaunenchöre (Haßfurt, Rügheim, Holzhausen, Sylbach, Oberlauringen, Friesenhausen, Altershausen und Gleisenau). Der Zweite Weltkrieg brachte einen empfindlichen Einschnitt.

Später wuchs die Zahl der Posaunenchöre im Bezirk Rügheim durch Neugründung und die Zusammenlegung der beiden Dekanate Rügheim und Ebern auf 27 Posaunenchöre an. Obwohl die Kirchengemeinde Gleisenau zum Dekanat Bamberg gehört, blieb der Glei senauer Posaunenchor als einer der "alten" Chöre beim Bezirk Rügheim. Die Geschicke des Posaunenchors lenkten Christian Dittmann (1925 bis 1932), Ludwig Maier (1932 bis 1940) und 1945 bis 1948), Christian Schätzlein (1940 bis 1945) Christian Dittmann jun. (1949 bis 1955), Alois Scholz (1956 bis 1960) und Herbert Hofmann (seit 1960).

Sogar Swing im Repertoire

Heute zählt der Chor 13 aktive Mitglieder: Dieter Eisenacher, Gabi Schramm, Anna Schramm, Klaus Eisenacher, Gerhard Thein, Petra Busch, Pia Rippstein, Werner Lehrrieder, Friedrich Hallwirth, Jan Rippstein, Friedrich Kern, Sigrid Rippstein und Chorleiter Herbert Hofmann. Sie beherrschen nicht nur das übliche Standardrepertoire (Intraden, Bach-Sätze, Menuette), sondern haben auch neue swingende Rhythmen eingeübt.

148 Bläser ausgebildet

"Wir sind kein großer Chor, aber ein kleiner, feiner und guter Chor", stellt Sigrid Rippstein fest, selbst noch Mitglied des Kirchenvorstands und Schatzmeisterin des Posaunenchors. Im Laufe der Zeit seien 148 Frauen oder Männer an einem Instrument ausgebildet worden und bis 1967 war das auch in Gleisenau eine Domäne der Männer. Erst ab 1967 stießen die ersten Frauen zum Posaunenchor, während heute fünf Frauen blasen. Der Posaunenchor ist dabei aus dem kirchlichen und gesellschaftlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Ein Posaunenchor gilt nicht selten als "transportable Orgel", die weder Strom und Verstärker braucht und deswegen überall eingesetzt werden kann. Bei evangelischen und ökumenischen Gottesdiensten sowie bei verschiedenen Anlässen der politischen Gemeinde ist der Posaunenchor aktiv. Außerdem nimmt der Chor seit über 20 Jahren als "Dienstgruppe" an den Deutschen Evangelischen Kirchentagen teil. Zusätzlich erfreuen die Musiker in der Kirchengemeinde Gleisenau die Gemeindeglieder ab dem 70. Lebensjahr bei "runden Geburtstagen" mit einem Ständchen. Jede Woche wird im Gemeindehaus geprobt, denn man will musikalisch nicht stehenbleiben, sondern immer aktuell sein. Deswegen beteiligt man sich gerne an Kirchentagen oder Landessynoden, weil es dort immer wieder neue Literatur gibt.