Nach genau 36 Jahren ist Schluss. Apotheker Dr. Hans Hösl, 75. Jahr alt, hat zum 1. März aufgehört. Doch die bittere Pille einer Schließung muss keiner seiner Kunden schlucken: Mit Lutz Gericke, der aus dem Frankenwald stammt und in Walsdorf bei Bamberg wohnt, hat er einen Nachfolger gefunden. "Wir kennen uns schon länger von Tagungen her." Gericke hat die sechs Angestellten mit übernommen und auch Hösls Ehefrau Hildegard bleibt vertretungsweise noch im Geschäft.

"Ich hab' das gerne gemacht", blickt Hösl, der auch Medizin studiert hat, zurück. "Wir hatten stets ein angenehmes Publikum. Das hat auch mein Nachfolger schon bemerkt", lobt der 75-Jährige, der die Apotheke am 1. März 1979 vom Vater Dr. Max Hösl in zweiter Generation übernommen hatte. Zuvor hatte er dort schon als Praktikant gearbeitet, ehe er sich dem Studium der Medizin in Würzburg und der Promotion widmete. Danach arbeitete er noch 4,5 Jahre an einem Institut in Würzburg, bevor er in die Fußstapfen des Vaters in diesem "vornehmen Bau am Marktplatz", so Kreisheimatpfleger Günter Lipp, trat.

Fachwerk-Konstruktion

"Alles Fachwerk" berichtet der Hausherr stolz beim Rundgang. Die Apotheker-Tradition in Ebern geht bis um das Jahr 1757 zurück, da ein Leonhard Freudenschlag aus der Oberpfalz überliefert ist. Ihm folgte 1763 ein Jörg Baer, später ein Holler im Haus-Nummer 29 (Häfnerhaus am Stadtberg) beleuchtete Hans Hösl die Apothekergeschichte in der Stadt anhand von Aufzeichnungen, die ihm Dr. Wolfram Berninger überlassen hatte. Hösl: "Die
Apotheker damals müssen arme Schlucker gewesen sein, weil sie sich schnell nach betuchten Bürger-Töchtern umgeschaut haben."

Jeweils zwei Generationen lang sorgten sich am Marktplatz die Familien Schmidt und Gros um die medizinische Versorgung. "1937 hat mein Vater diese Aufgabe übernommen. Jetzt ist wieder nach zwei Generationen Schluss." Von Hösls drei Kindern, die als Mediziner und Lehrer tätig sind bzw,. noch studieren, zeigte keines Interesse.

Geschichtsträchtiges Haus

1826 hatte Michael Schmidt das Haus gekauft, der von 1854 bis 1863 auch als Bürgermeister sowie als Landtagsabgeordneter hohes Ansehen genoss. Schmidts Sohn Ernst wurde später als "roter Doktor von Chicago" bekannt, wie Kreisheimatpfleger Günter Lipp bei der heimatkundlichen Gesprächsrunde verriet. Ein weiterer Schmidt-Sohn entwarf als Architekt einen der ersten Wolkenkratzer.

Um 1870 taucht die Familie Gros in den Chroniken auf, wobei Franz Gros einen der wenigen Foto-Apparate in der Stadt besaß, und laut Günter Lipp der Nachwelt "tolle Bilder" hinterließ. Er war auch passionierter Jäger und "mehr auf der Pirsch als in der Apotheke, weswegen seine Bediensteten kräftig ins Horn stießen, wenn der Pharmacie-Rat zum Kontrollbesuch kam". Dr. Hans Hösl wusste, dass der Apotheker Gros die Telefonnummer 4 hatte. "Die 1 war dem Gesundheitsamt vorbehalten, die Nummer 2 hatte Doktor Stark."

Auch Hösls Vater, Max, machte politische Karriere, war als Stadtrat aktiv. "Damals hatte eine Apotheke noch ihren festen Bezirk", umriss Lipp den Einzugsbereich des Hauses mit neugotischer Front und früher einem großen Rosenstock davor. "In dem Haus steckt eine Menge Geschichte und es dürfte so um 1601 erbaut worden sein", vermutete der Kreisheimatpfleger.

"Auch mein Personal steht zu diesem Haus und wir hatten stets eine persönliche Bindung", bilanzierte der scheidende Apotheker am Ende seiner Berufslaufbahn. "Bis 70 hatte ich keinerlei Probleme, aber danach habe ich schon öfter ans Aufhören gedacht", verrät der Mediziner, der 23 Jahre lang als Vorsitzender des Caritasvereins fungierte und 15 Jahre lang der Kirchenverwaltung angehörte, dabei drei Pfarrer erlebte.

Bergsteiger-Truppe gegründet

Daneben war Hösl noch in der TV-Schachabteilung aktiv und gehörte einer Bergsteiger-Truppe an, die er zusammen "mit ein paar Kufi-Leuten" ins Leben gerufen hatte.

Dem Wandern will er sich auch im Ruhestand wieder verstärkt zuwenden. "In der Gegend und in den Dolomiten."

Und mehr Nachtruhe wird der scheidende Apotheker künftig auch genießen. "Wenn nachts einer wegen Nasentropfen kam, konnte man schon böse werden. Wenn aber jemand auf einen Notfall bestanden hatte, hat er bekommen, was er brauchte. Auch zu Mitternacht", erinnert sich Hösl. "Und zu Altstadtfest-Zeiten haben sich solche Einsätze wegen diverser Magenprobleme schon gehäuft."

Eine Anekdote aus seinem Berufsleben hatte der 75-Jährige auch noch parat. "Früher haben wir die Pillen im Mörser zum Teil noch selbst gedreht und auch die Zäpfchen noch selbst gegossen und mit Staniolpapier umwickelt. Das wollte doch tatsächlich mal einer essen."