Wie wichtig das gemeinsame Spielen ist, weiß Landrat Wilhelm Schneider (CSU) ganz genau: "Spielen ist die Würze des Lebens", sagte er bei der Eröffnung der vierten Haßberger Spieletage in Königsberg. Heutzutage haben Kinder die Qual der Wahl, wenn sie sich ein Spiel aussuchen. "Zu meiner Zeit gab es nur solche Spiele wie Halma oder Mikado. Aber die Klassiker mag ich heute noch sehr gerne", erzählt Landrat Schneider. Neueren Spielen gegenüber ist er jedoch nicht abgeneigt. "Dafür sind meine Kinder die Experten und bringen es mir bei", fährt er fort.

Spieletage begeistern

Bereits am ersten Tag der Spiele-tage hatten die ehrenamtlichen Helfer so einiges zu tun. Über 300 Schüler und Kindergartenkinder besuchten im Laufe des Donnerstags die Spieletage. "Ich hatte am Anfang wirklich etwas Respekt davor, wenn so viele Kinder auf einmal kommen. Aber es hat wirklich super funktioniert und richtig viel Spaß gemacht", erzählt die Helferin Ronja Hörlin. Noch bis einschließlich Sonntag läuft die Veranstaltung.
Luca Kriesche war am Morgen schon mit dem Kindergarten da. "Wir haben ganz viele Spiele ausprobiert", erzählt der Sechsjährige. "Ihm hat es so gut gefallen, dass er unbedingt nochmal her wollte", erzählt seine Mutter Stefanie Kriesche. Ähnlich war dies bei der Schülerin Nina Rettenmeier. "Sie war kaum zuhause, hat schnell ihre Hausaufgaben gemacht und wollte sofort wieder hierher", schildert ihre Mutter Marion Rettenmeier.

Mal richtig austoben

Die beiden liefern sich ein Match an einem Großspielgerät des Spielemobils. Ziel dabei ist es, alle Spielsteine mittels eines Gummis vom eigenen Feld in das des Gegners zu schießen. Sieger ist, wer als erster alle Steine auf das gegnerische Feld katapultiert hat. In drei Spielen muss sich Marion Rettenmeier ihrer Tochter geschlagen geben. "Nicht weinen, Mama", sagt die Kleine im Siegestaumel.
Die Spieletage begeistern. Egal ob Neuling oder Profi. Nadja Seidel, ihr Sohn Marc-Eric und sein bester Freund Simon Kolenda waren schon vor zwei Jahren auf den Spieletagen. "Es hat uns einfach damals schon richtig gut gefallen, dass man hier neue Spiele kennen lernen kann", erzählt die Mutter. Bei der Frage nach seinem Lieblingsspiel kommt Marc-Eric etwas ins Straucheln. "Ich habe viele, die mir gefallen. Aber hier gibt es so viele Spiele, dass ich mich nie an den Namen erinnern kann", erklärt er. Auch Besucher, die das erste Mal dabei sind, schätzen das Angebot. "An mir sind die Spieletage bis jetzt irgendwie vorbeigegangen", erzählt Sonja Mahr. "Es ist einfach eine super Geschichte, die ganzen Spiele ausprobieren zu können", ergänzt Reiner Mantel. Sie kämpfen gerade gemeinsam mit der Kleinen Frida Mahr, den angeberischen Affen zu besiegen und schneller von Baum zu Baum zu springen als er.

Entwicklung der Spieletage

Hinter dem ganzen Vergnügen steckt einiges an Organisation und Arbeit. Bereits zum vierten Mal finden die Spieletage nun statt und wandern dabei durch den Landkreis. Im Jahr 2012 in Hofheim begonnen, ging es über Knetzgau und Ebern nach Königsberg. "Wir wollen, dass alle Kommunen davon profitieren können", erzählt Kreisjugendpfleger Frank Kupfer-Mauder.
Besonders die jeweilig ansässige Schule profitiere von diesem Wanderprinzip. "Es gibt immer eine Schule, die keine Busse organisieren muss, wenn die Spie-letage in ihrem Ort stattfinden", erklärt Kupfer-Mauder. Die Spieletage gehen von der Kommunalen Jugendarbeit des Landratsamtes in Haßfurt aus. Der Kreisjugendring und viele Verbände wie der BDKJ oder die evangelische Jugend unterstützen das Projekt. Dieses Jahr ist die Stadt Königsberg Mitveranstalter und kümmert sich um die Verpflegung bei den Spiele-tagen. "Aber ohne die ehrenamtlichen Helfer würde so etwas nicht funktionieren", meint Kupfer-Mauder.
Die Ehrenamtlichen agieren auf den Spieletagen als sogenannte Experten. Eltern müssen sich dadurch nicht mehr durch die endlos langen Spieleerklärungen kämpfen, sondern können es sich bequem von dem jeweiligen Spieleexperten erklären lassen. "Das ist im Grund auch das Herzstück dieser Veranstaltung", sagt der Kreisjugendpfleger. Und bei den Eltern kommt das richtig gut an.
Von den Experten profitieren bei der Eröffnung auch einige politische Persönlichkeiten. Die Eröffnung stand nämlich unter dem Motto "Der Kreistag spielt". Das Kennerspiel des Jahres "Istanbul", das Spiel des Jahres "Camel up" und das Kinderspiel des Jahres "Geister, Geister, Schatzsuchmeister" wurden dabei den zahlreichen Gästen erklärt.
Der Bürgermeister der Stadt Königsberg, Claus Bittenbrünn, und Landrat Wilhelm Schneider setzten sich gleich an den Tisch mit dem Kinderspiel des Jahres "Geister, Geister, Schatzsuchmeister". "Da soll es keine Verlierer und keine Gewinner geben, deswegen haben wir es uns ausgesucht", meint der Bürgermeister lachend. "Wenn, dann verlieren wir gemeinsam", fügt Landrat Schneider hinzu.

Mehr kooperative Spiele

Anfangs schienen die beiden Politiker etwas überfordert zu sein. "Ab wann ist das Spiel gedacht? Ab acht Jahren? Das kann doch nicht sein?", fragt Bittenbrünn lachend bei den Spieleexpertinnen nach. Doch schnell kämpften sie als tapfere Schatzsuchmeister auf der Suche nach Juwelen gegen Geister. Am Ende gewannen jedoch die Geister. "Das Spiel ist wirklich toll konzipiert. Mir gefällt besonders der Aspekt, dass man gemeinsam spielt und auch nur in Zusammenarbeit gewinnen kann", erzählt Schneider. Solche kooperativen Spiele sollte es seiner Meinung viel mehr geben.
Bis zum morgigen Sonntag können die 650 Brett- und Kartenspiele in der Rudolf-Mett-Halle in Königsberg kostenlos ausprobiert werden. Auch das bunte Rahmenprogramm drum herum ist einen Besuch wert. Ein Zauberer kommt samstags.