Damals, als der Winter noch ein Winter war und das Wasser regelmäßig zu Eis wurde, konnte man auf der Eberner Eiswiese in der Nähe des Mühlbachs stundenlang seine Pirouetten mit den Schlittschuhen bei Minusgraden drehen. In den restlichen Monaten des Kalenderjahres war die Wiese kaum ein Publikumsmagnet. Doch seit zehn Jahren herrscht an der Eiswiese, egal ob Frühling, Sommer, Herbst und Winter, alltägliches Leben. Im Jahr 2006 hat sich das Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ) des Diakonischen Werk Bamberg-Forchheim dort angesiedelt. Die Bewohner und Mitarbeiter konnten ihr Jubiläum bei Regen und Sonnenschein am Sonntag mit vielen Gästen feiern.


Anfangs im Abseits

"Am Anfang war es eine pädagogische Idee", formulierte es Vorstandsvorsitzender Norbert Kern vom Diakonischen Werk. "Wir begannen vor 60 Jahren auf dem Zeilberg. Damals sollten Menschen mit Handicap noch möglichst weit weg von der Gesellschaft, recht unsichtbar leben. Doch dann wollten wir mitten rein, dahin, wo das Leben spielt." Diese Idee konnte in Ebern, so stimmten am Sonntag alle Beteiligten von Kommune, Einrichtungsträger sowie Bewohnern und Angestellte zu, erfolgreich umgesetzt werden.

"Die Einrichtung ist eine Bereicherung für die Stadt", sagte Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) im Anschluss an den ökumenischen Gottesdienst, der am Festtag im SPZ gefeiert wurde. "Es hat zwar etwas gedauert, bis man sich gegenseitig abgetastet hat. Aber heute sind die Begegnungen ganz normal und man geht offen aufeinander zu. Ich bin stolz auf unsere Eberner, dass man dabei weder Handicap noch Hautfarbe oder Herkunft, sondern eben nur den Menschen sieht", so das Stadtoberhaupt.


Gemeinsam Brücken gebaut

"Kommt, lasst uns eine Brücke bauen!", stand als Motto über dem Jubiläumstag des SPZ in Ebern. Die Bewohner selbst wirkten mit der SPZ-Band im Gottesdienst mit, zeigten ihre Lebens- und Wohnräume und gaben mit einer Theateraufführung unter der Regie von Karl-Heinz Krebs Einblick in ihre vielfältigen Talente. "Respekt an das ganze Personal", rief einer der vielen, der an der Eiswiese wohnen darf, immer wieder aus dem Publikum. Matthias, der als Bewohnervertreter fungiert, brachte die Gefühle von seinen Mitbewohnern an diesem Tag auf den Punkt: "Wir wissen die Arbeit des Personals hier sehr zu schätzen. Ich habe einige Häuser mitgemacht und das SPZ ist das Beste, was ich bisher erlebt habe. Ich danke, dass es das gibt."

Rund um die Einrichtungsleiterin Karolin Spörl kümmert sich ein großes und vielfältiges Team um die Menschen, die in der Einrichtung einen Platz gefunden haben. Nicht nur ausgebildete Pädagogen und Pflegekräfte, auch Frauen und Männer, die in einem ganz anderen Bereich beruflich tätig waren, begleiten die erwachsenen Männer und Frauen, in Ebern wieder eine neue Heimat zu finden. "Ich war jahrelang in der Industrie tätig und stelle mich nun mit Freude dem herausfordernden Verhalten der Bewohner. Bei uns wird es nie langweilig", erzählte eine junge Mitarbeiterin aus ihrem beruflichen Alltag.

Immer wieder kommen ehrenamtliche Helfer ins SPZ Ebern. Norbert Kern, Karolin Spörl und das Mitarbeiter-Team wissen, dass das nicht zwingend sein muss. "Aber das zeigt uns, dass die Bewohner einfach dazugehören", so Norbert Kern. Sein Wunsch: "Bleiben sie uns verbunden." Der Feiertag im SPZ wurde musikalisch umrahmt von der Lebenshilfe-Kapelle Augsfeld und der Band "Gemeinsam unterwegs".