Friedhöfe sind nicht nur die Orte, an denen Verstorbene ihre letzte Ruhe finden, sie haben auch für die Lebenden eine wichtige Funktionen. Vor allem sind sie dazu bestimmt, den Angehörigen Verstorbener ein ungestörtes Totengedenken zu ermöglichen. Somit erfüllen diese "Höfe des Friedens" öffentliche Interessen. Doch sie sind auch einem starken Wandel unterworfen. Dem trägt ein Wettbewerb des Landkreises Haßberge und des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege Rechnung, der die Friedhöfe als " Ort der Würde, Kultur und Natur" würdigt.

Nachdem sich in den vergangenen Monaten 41 Orte aus dem Landkreis mit ihren jeweils eigenen Friedhöfen beteiligt und ihre Anlagen zum Teil - nicht zuletzt angeregt durch den Wettbewerb - erheblich aufgewertet hatten, wurden nun in Haßfurt die Preise vergeben. Neben den Vertretern der drei Siegerorte konnten weitere elf Ortsvertreter Sonderpreise in Empfang nehmen. Erster Preisträger wurde der Friedhof in Memmelsdorf (Gemeinde Untermerzbach) vor dem Friedhof von Salmsdorf (Markt Rentweinsdorf) und dem Friedhof von Sand.
Sonderpreise erhielten die "Gottesacker", wie man Friedhöfe früher nannte, in Burgpreppach, Holzhausen, Maroldsweisach, Mechenried, Rentweinsdorf, Rottenstein, Sailershausen, Ziegelanger und der "am Rödersgraben" in Haßfurt. Sonderpreise gingen auch an die Stadt Ebern für den "besonderen Umgang mit der Friedhofskultur" und an die Gemeinde Gädheim für die, wie es in der Würdigung hieß, "außergewöhnliche Achtsamkeit, mit der alle Friedhöfe im Gemeindegebiet betreut werden".

Landrat Wilhelm Schneider sprach von einem wichtigen gesellschaftspolitischen Thema, denn Friedhöfe seien "Einrichtungen, die von vielen als "Stück Heimat" verstanden würden. Schneider fand es genau an der Zeit, dieses Thema in den Fokus zu rücken.


Keine Verlierer

"Bei der Prämierung heute wird es keine Verlierer geben", versicherte er. Die Kreisfachberater Johannes Bayer und Guntram Ulsamer hätten für jeden der Friedhöfe eine Kurzbeschreibung erarbeitet und diese mit den Anregungen der Kommission (die Pfarrer Peter Bauer, Burgpreppach, und Gerd Greier, Hofheim, Wolfgang Aull, Abfallberater vom Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises und die Kreisfachberater ) versehen. So erhalten die Teilnehmer Vorschläge zur weiteren Entwicklung des Friedhofes. Schneider ermunterte die Kommunen im Landkreis und die Obst- und Gartenbauvereine, die sich hier sehr positiv einbrächten, weiterhin an der Gestaltung und Neuausrichtung ihres Friedhofes zu arbeiten".

"Vertrautes geht verloren - Neues entwickelt sich", sagte der CSU-Politiker. Das Friedhofswesen ändert sich und der gesellschaftliche Wandel gibt auch der Trauerkultur neues Gepräge. Dieser Umbruch bietet laut Schneider Chancen, "den Friedhof als Spiegelbild unserer Gesellschaft" neu zu definieren.


"Aufenthaltsfreundliche" Orte

Friedhöfe sollten, so die Intention des Wettbewerbs, Stellenwert als kultureller und aufenthaltsfreundlicher Mittelpunktes im Ort erhalten und nicht mehr nur als Raum der Toten angesehen werden, der dem Trauern und Gedenken vorenthalten bleibt. Deshalb gelte es, das funktionale und ästhetisch unbefriedigende Bild aufzulösen, das viele Friedhöfe aus den 1960er- und 70er-Jahren präge.

Die Bemühungen der Friedhofsträger, Traditionen und überlieferte künstlerische und handwerkliche Werte einer Region zu bewahren, seien wichtig. Immer mehr Menschen bevorzugten aber naturnahe Orte als letzte Ruhestätte. Neue Friedhofsmodelle wie Urnenwände Ruhe- oder Friedwälder seien im Trend, was den Flächen- und Pflegebedarf verändere und Ertragseinbußen für die Kommunen nach sich ziehe, welche die Friedhöfe unterhalten müssen. "Das Gesamtbild eines Friedhofes gerät aus den Fugen", sagte Schneider wörtlich. Wenn man jetzt handle und Friedhöfe attraktiv gestalte, könnten diese "zu einen Ort des Lebens im Angesicht des Todes" werden.