Die Schüler im Landkreis Haßberge freuen sich auf die anstehenden Sommerferien. Für viele heißt es dann, mit Familie oder Freunden in den Urlaub fahren und die nächsten sechs Wochen ausschlafen können. Am Freitag ist der letzte Schultag in Bayern, dann werden die Jahreszeugnisse ausgehändigt. Fallen die Schulnoten schlechter aus als erwartet, blasen viele Schüler Trübsal und kommen ängstlich mit dem Zeugnis in der Hand nach Hause. Wie sollten sich Eltern und Schüler am Tag der Zeugnisvergabe verhalten?

"Am besten ist ein möglichst gelassener, aber doch interessierter Umgang mit dem Zeugnis", rät Sabine Kröner, Schulpsychologin beim Schulamt des Landratsamts Haßberge. Die meisten Eltern besprechen das mitgebrachte Zeugnis sofort, wenn das Kind von der Schule kommt. Dies ist je nach Situation und Alter des Kindes aber nicht immer der geeignete Zeitpunkt, findet die Schulpsychologin. Unter Umständen sind die Schüler dann noch zu aufgewühlt. Ist die Stimmung angespannt und belastet, sollte man die gemeinsame Besprechung auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, rät die Schulpsychologin.


Gute Atmosphäre schaffen

Laut ihrer Erfahrung, sei einer der häufigsten Fehler, dass es Eltern nicht immer gelinge, die eigene Enttäuschung über schlechte Noten zurückzuhalten. "Es sollte generell eine vertrauensvolle Atmosphäre herrschen, in der die Schüler angstfrei nach Hause kommen und offen über ihre Enttäuschungen und Befürchtungen reden können", sagt Sabine Kröner. Schuldvorwürfe und Ermahnungen seien der falsche Weg. Wenn Kinder spüren, dass die Eltern enttäuscht sind, habe das oft negative Folgen für das eigene Selbstbild. "Gerade jüngeren Kindern gelingt es dann nicht, zwischen der Enttäuschung über die schlechte Note und der Enttäuschung über sie als Person zu unterscheiden", erklärt sie.

Soweit muss es aber erst gar nicht kommen. Denn ungewollte Überraschungen am letzten Schultag kann man vermeiden. "Für die Eltern kann es beim Schuljahreszeugnis gar nicht dramatisch werden, wenn sie sich immer regelmäßig über die Leistungen ihrer Kinder informieren", sagt Raimund Willert, Rektor von 397 Schülern an der Mittelschule in Eltmann. Im besten Fall stehen Eltern, Schüler und Lehrer schon vor dem letzten Schultag regelmäßig in Kontakt. Viel wichtiger als das Jahresendzeugnis sei ohnehin das, was im Zwischenzeugnis stehe. "Denn dann hat man noch eine reelle Chance, die Note bis zum Schuljahresende zu ändern", sagt Willert.


Eltern sollten gelassen bleiben

Auch er plädiert dafür, gelassen zu bleiben: "Bei schlechten Noten bricht die Welt auch nicht zusammen, weder für die Schüler, noch für die Eltern." Den Schülern stünden viele Möglichkeiten offen. "Die Durchlässigkeit nach oben ist auch gegeben", findet der Rektor. Der Weg zum mittleren Bildungsabschluss beispielsweise sei heutzutage vielfältig. An der Georg-Göpfert-Mittelschule Eltmann hätten die Schüler dafür jedes Jahr aufs Neue die Chance, mit guten Noten in den sogenannten M-Zweig zu wechseln.

Die Lehrer in Eltmann geben bei den oberen Schulklassen neben Noten auch schriftliche Bewertungen über die Schüler ab. Dafür benutzen sie keine standardisierten Texte. Doch wie ließt man so ein Zeugnis richtig?
"Natürlich achten wir darauf, nichts Schlechtes in die Zeugnisse zu schreiben. Stärken werden herausgestellt", erklärt Willert. Mit den Zeugnissen bewerben sich einige Schüler um Ausbildungsplätze. Weil die Bewertungen sehr individuell auf jeden Schüler eingehen, rät der Rektor den Eltern: "Lesen Sie das Zeugnis aufmerksam!" Entscheidend sei außerdem, dass sich Eltern und Schulkinder die Zeugnisse zusammen anschauen und die Erwartungen realistisch seien, sagt er.


Mut geben, ist wichtig

Kommen die Schulkinder am letzten Schultag sehr enttäuscht nach Hause, dann sollten die Eltern sie ermutigen und gegebenenfalls trösten, rät Sabine Kröner. Die Expertin erklärt, dass die Kinder nur so ihre Enttäuschung überwinden und zuversichtlich in die schulische Zukunft blicken könnten. Raimund Willert ist ähnlicher Meinung und hält die andauernde Bereitschaft zum Lernen von Seiten der Schüler für viel wichtiger, als die Schulnoten an sich.

Haben die Schüler ihren ersten Frust überwunden, dann können Eltern und Kinder gemeinsam überlegen, ob und wie wie man die Noten in der Zukunft verbessern könnte. Der erste Schritt ist herauszufinden, was die Ursachen für schlechte Noten sein könnten, ein Gespräch mit dem Lehrer oder Klassenlehrer kann Aufschluss geben. "Sollten die Ursachen nicht klar sein, ist es auch möglich, schulische Beratung, zum Beispiel den Beratungslehrer oder den Schulpsychologen, einzuschalten", erklärt Kröner.


In den Ferien vor allem Erholung

Trotz schlechter Noten sollten die Ferien hauptsächlich zur Erholung genutzt werden. Die Schulpsychologin sagt, dass Eltern und Kinder jedoch vereinbaren können, die letzen Ferienwochen dazu zunutzen, Lücken im Schulstoff aufzuarbeiten.

Offiziell können die Schulzeugnisse noch bis zum letzten Schultag geändert werden. Bei ihm lägen die erledigten Zeugnisse seiner Schüler allerdings schon fertig im Büro, so Raimund Willert.