Gedacht war das ganze als Party-Gag, aber "wenn man ein bisschen nachdenkt", meinte Jugendrichter Martin Kober, "hat das nichts mehr mit lustig zu tun, sondern ist schlicht und einfach eine Sauerei". Zwei Burschen im Alter von 16 und 19 Jahren sowie eine 15-jährige Schülerin waren angeklagt wegen "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen". Das Urteil des Jugendgerichts am Amtsgericht in Haßfurt: Während der Älteste des Trios 250 Euro Geldauflage berappen muss, kamen die beiden anderen mit jeweils 30 Arbeitsstunden glimpflich davon.

Der Alkohol floss

Passiert war der Vorfall am 21. Dezember letzten Jahres. Eine Clique von Jugendlichen traf sich abends in einer privaten Wohnung in einem Ort im Maintal. Es war ein Freitag, der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien. Anlass genug, das mit einer zünftigen Sause gebührend zu feiern. Der Alkohol floss.

Bereits gegen 22 Uhr hatte einer der Teilnehmer genug. Der Jugendliche verzog sich in das angrenzende Schlafzimmer, um seinen Rausch auszuschlafen. Irgendwie kriegten das die beiden männlichen Angeklagten mit. Und kamen auf eine ausgesprochene Schnapsidee. Sie liehen sich von dem mitangeklagten Mädchen das Fotohandy und näherten sich dem Schlafenden. Der 19-Jährige entblößte sein Glied und hielt es dicht neben das Gesicht des Opfers. In dieser obszönen Pose drückte sein 16-jähriger Kumpel auf den Auslöser und machte ein Foto.

Ins Internet gestellt

Das Handy landete schließlich wieder bei der Besitzerin. Und die hatte am nächsten Tag nichts Besseres zu tun, als über eine allgemein zugängliche Webseite das Foto hochzuladen und per Facebook an Bekannte zu schicken. Damit kursierte das Bild im Internet - niemand weiß, wer es sich angesehen, kopiert oder mit einer anderen Webseite verbunden hat. Und damit weiß auch niemand, ob oder wo die dumme Aufnahme digital noch auffindbar ist: einmal im Internet - immer im Internet.

Zwar haben sich zwischenzeitlich alle Tatbeteiligten bei dem Opfer entschuldigt, aber ungeschehen machen können sie es nicht mehr. Eine solche Eselei könne noch Jahre danach schlimme Folgen haben, betonte Staatsanwalt Marc Heusinger. Er lieferte auch gleich das passende Beispiel: Wenn sich der Betreffende später bei einem renommierten Unternehmen bewirbt und der Personalchef beim Googeln, also bei der Internetrecherche, das Foto entdeckt, sinken seine Chancen gegen Null. Alle drei Beschuldigten zeigten sich reumütig und zerknirscht. Besonders der 16-Jährige könnte sich selber ohrfeigen, weil er auf diese Weise eine Freundschaft kaputt gemacht hat.

Rechtskräftig

Die Geldauflage muss der Heranwachsende an den Jugendhilfefonds Haßberge zahlen, die beiden anderen kriegen vom Jugendamt mitgeteilt, wo und wann sie die gemeinnützigen Stunden ableisten müssen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.