Im Jahre 2002 ging die Kläranlage in Kirchaich in Betrieb. Damals auf dem neuesten Stand der Technik, braucht sie jetzt eine neue Steuerungstechnik. Das wurde deutlich, als es vor Monaten eine Störung gab. "Wir mussten feststellen, dass es für unsere Technik keine Wartung, keine Ersatzteile mehr gibt", erklärte Bürgermeister Thomas Sechser (CSU) den Mitgliedern des Bauausschusses von Oberaurach, die am Mittwoch eine Besichtigungsfahrt unternahmen. Beim Abwasserzweckverband Kolitzheim-Sulzheim bekamen sie Einblick in die modernste Steuerungstechnik.

Begleitet wurden die Ausschussmitglieder von den Ingenieuren Hugo Barthel und Bernd Scheller. Barthel plant seit Jahren die Abwasseranlagen in Oberauach, Scheller ist der Spezialist für Elektrotechnik.


Firma liefert nicht mehr

Die Firma, die die Kirchaicher Elektrotechnik installiert hatte, habe sich seit zehn Jahren aus dem Abwasserbereich zurückgezogen, erfuhren die Ratsmitglieder von den Fachleuten, dort gebe es weder technischen Support noch Ersatzteile.

Die Anlage Kolitzheim-Sulzheim wurde erst am vergangenen Wochenende offiziell eingeweiht, ist aber seit April in Betrieb. Sechs Teichkläranlagen in zwei Gemeinden ersetzt sie, per Druckleitung wird das Abwasser aus neun Orten von Mönch-stockheim bis Unterspiesheim nach Zeilitzheim gepumpt und dort ausgereinigt.
Die gesamte Kläranlage und alle Pumpwerke können zentral gesteuert und überprüft werden - von der Kläranlage aus, aber auch von einem der beiden Klärwärter am Tablet von zuhause, wenn es nachts oder am Wochenende Störungen oder besondere Ereignisse wie Hochwasser geben sollte.


Wirtschaftliche Lösung

Jürgen Rettner und Stefan Hellert betreuen die Anlage, die in drei Jahren noch mit einer Phosphat-Ausfällung ergänzt werden wird und auch Bürgermeister und Verbandsvorsitzender Horst Herbert gaben gerne Einblick in die Anlage, die auch über eine stationäre Schlammpresse verfügt und einige technische Neuerungen wie etwa Pumpen, die weniger anfällig für die "Verzopfung" von Materialien wie feuchtem Toilettenpapier oder Hygienebinden sind.

Die Gemeinden Kolitzheim und Sulzheim haben in den letzten Jahren zwar 14 Millionen Euro in ihre Abwasseranlage investiert, doch ist die Abwasserreinigung nun wesentlich wirtschaftlicher. Nicht nur, dass nun nur noch die zentrale Kläranlage mit den dazugehörigen Pumpstationen betrieben und betreut werden muss, auch die intelligente Systemsteuerung spart bares Geld. So werden Pumpen und Lüfter, die einen sehr hohen Stromverbrauch haben, nur noch nach Bedarf eingeschaltet, nicht mehr nach einem Zeitschema.


Infos per SMS

Und auch die Arbeitszeit der Klärwärter wird effektiver genutzt. Auch die Oberauracher Klärwärter werden per SMS über eine Störung informiert, doch um was es sich handelt, erfahren sie erst, wenn sie in der Kläranlage ins System gehen. Die Zeitlitzheimer Klärwärter erfahren direkt, um welche Störung es sich handelt "dann können wir erstmal sehen, ob wir das online lösen können. Und wenn nicht, dann sieht man immer noch, ob das eine Störung ist, die noch in der Nacht oder am Sonntag behoben werden muss, oder ob das auch morgen noch Zeit hat", so Stefan Hellert. "Die Dateneingabe hat zwar ganz schön gedauert, aber jetzt funktioniert dafür alles wie am Schnürchen", ergänzte sein Kollege Jürgen Rettner.

Die optimale Vernetzung der ganzen Anlage ist auch der Tatsache zu verdanken, dass der Zweckverband entlang aller neuen Druckleitungen Glasfaserkabel verlegt hat.


Gemeinderat entscheidet

Die Ergebnisse dieser Besichtigungsfahrt werden demnächst im gesamten Gemeinderat diskutiert, der dann über die Art und den Umfang der Erneuerung in der Anlage in Kirchaich entscheiden wird. Auch in Oberaurach stellt sich ja derzeit die Frage, die Kläranlage in Unterschleichach nicht mit hohem Aufwand zu modernisieren, sondern per Druckleitung nach Kirchaich anzuschließen. Ganz gleich, wie es schlussendlich ausgeht, stehen auch der Gemeinde Oberaurach massive Investitionen in die Abwasseranlagen bevor.