Das Ergebnis der Umfrage haben der Politologe Edmund Görtler vom Bamberger Institut "Modus" und Miriam Rudel, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, während der Sitzung am Montagabend dem Gemeinderat und interessierten Zuhörern vorgestellt.

Rücklauf von 32 Prozent

Die schriftliche Befragung hat sich an alle Bürgerinnen und Bürger ab 50 Jahren gerichtet und wurde in diesem Sommer durchgeführt. Der Rücklauf stelle mit 823 Personen, das einen Anteil von 32 Prozent ausmacht, ein repräsentatives Ergebnis für die Gemeinde Knetzgau dar, wie Miriam Rudel erklärte. Neben der aktuellen Wohnsituation und dem Gesundheits- und Pflegebedarf waren darüber hinaus die Pflegepräferenz und Attraktivität neuer Wohn- und Pflegemöglichkeiten, wie Seniorenwohngemeinschaften sowie die Beurteilung der Pfleginfrastruktur in der Gemeinde von Interesse.
Mit der momentanen Wohnsituation sind die Knetzgauer sehr zufrieden. Fast 80 Prozent der Befragten - überwiegend in einer Partnerschaft lebend - gaben an, in Wohneigentum - meist Einfamilienhäuser - zu leben. Mit einer durchschnittlichen Wohndauer von 46 Jahren spiegle sich eine hohe Wohnzufriedenheit wider. Über ein Drittel der Befragten habe sich nur wenig oder überhaupt nicht mit der Gestaltung ihrer Wohnsituation im Alter beschäftigt. Auch altersgerechte Umbaumaßnahmen in den eigenen Haushalten wurden nicht vorgenommen und fast 80 Prozent sehen hierfür auch zukünftig keinen Bedarf.
Der gegenwärtige Gesundheitszustand wurde nur von wenigen (sechs Prozent) als schlecht beschrieben. Pflegebedürftig sind momentan nur sechs Prozent der Befragten. Die Pflege werde überwiegend von Partnern oder Kindern übernommen. Lediglich zwölf Prozent gaben an, selbst die Pflege eines Angehörigen zu übernehmen, was keinen größeren Einfluss auf die Erwerbstätigkeit habe. Auf ein großes Unterstützungspotential im Alltag durch soziale Netze hätten die Befragten Zugriff. Die finanzielle Versorgung im Alter werde als sehr gut eingeschätzt, wofür über die Hälfte der Befragten individuelle Maßnahmen getroffen habe.
Unter den Möglichkeiten familiärer Pflege werde dies seitens Partner als besonders attraktiv eingeschätzt. Das Seniorenpflegeheim wurde als Möglichkeit der institutionellen Pflege als "sehr attraktiv" beurteilt. Aber auch "neue" Wohnformen, wie Senioren-WGs oder Seniorengenossenschaften wären für 50 Prozent der Befragten eine vorstellbare Alternative. Außerdem war ein hoher Anteil an ehrenamtliches Engagement in der Gemeinde Knetzgau zu verzeichnen.
Lediglich 20 Prozent sind mit der Pflegeinfrastruktur in Knetzgau zufrieden. Die Verfügbarkeit von betreutem Wohnen sowie von Seniorenwohnheimen wird in der Gemeinde als eher schlecht beurteilt. Hier besteht der Wunsch nach zusätzlichen Angeboten. Den Zugang zu ambulanten Pflegediensten empfanden die Befragten überwiegend als gut bis sehr gut. Als realistische Pflegelösung wird vorzugsweise betreutes Wohnen angegeben, das vor allem 65 bis 70-Jährige bevorzugen. Ab 80 Jahren wünschten sich die Befragten die Pflege in einem Seniorenheim.

"Neue" Wohnformen?

Da eine starke Verwurzelung der Befragten an die Gemeinde Knetzgau sowie eine hohe Zufriedenheit mit der dortigen Wohnsituation bestehe, könnte dies laut Ergebnis durch den Ausbau der lokalen Pflegeinfrastruktur weiter gestärkt werden. Hierfür könne man "neue" Wohnformen, wie Senioren-WGs oder Seniorengenossenschaften zur "traditionellen" Pflegeinfrastruktur in Betracht ziehen, fasste Edmund Görtler abschließend zusammen.
Das Ergebnis der Knetzgauer Umfrage habe Bürgermeister Stefan Paulus gezeigt, dass es zum landkreisweiten Ergebnis in wichtigen Punkten Abweichungen ergeben habe. "Das Landkreiskonzept kommt für Knetzgau nicht zum Tragen", so das Gemeindeoberhaupt. Paulus sei nach wie vor der Meinung, dass für Knetzgau eine weitere Pflegeeinrichtung notwendig sei. Dies habe ihm eine relativ hohe Zustimmung für eine weitere Pflegeeinrichtung im Fragebogen gezeigt. Das Angebot in der Seniorenwohngemeinschaft St. Martha sei nur begrenzt.
Eine weitere Pflegeeinrichtung sei für Paulus auch durch die Zunahme von dementen Bürgern wichtig, um deren Pflege sich Angehörige kümmern, die oftmals überlastet sind.
Dem könne man mit einer Tages- oder Kurzzeitpflege entgegenwirken, wie sie im Konzept der neuen Pflegeeinrichtungen vorgesehen sind.
Aber auch die Frage nach Seniorengenossenschaften, die sich in der Umfrage herauskristallisierte, fordere die Gemeinde auf, diesen Punkt weiter auszubauen, um mit nachbarschaftlicher Hilfe das Leben im Alter in der Gemeinde zu erleichtern.