"Promi-Alarm" in der Lebenshilfe-Schule. Ulla Schmidt kennen viele vom Fernsehbildschirm her, jetzt war sie live in der kleinen Förderschule der Lebenshilfe im Haßfurter Stadtteil Sylbach. Paul Gläser hatte da gar keine Berührungsängste. Der behinderte Berufsschüler zeigte der einstigen SPD-Gesundheitsministerin einfach mal sein Lieblingsbuch. Und die beiden unterhielten sich so zwanglos, dass der andere Prominentenpulk fast vergessen schien.

Ulla Schmidts Besuch in Haßfurt hatte aber einen ernsten Hintergrund. Denn die heutige SPD-Bundestagsabgeordnete ist Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und informierte sich mit ihren Parteigenossinnen, der Maroldsweisacher Bundestagsabgeordneten Susanne Kastner und der Landtagsabgeordneten Sabine Dittmar, an der Basis. Ihr Ziel: Schauen, wie die Inklusion im Landkreis Haßberge vorankommt.

Wohnheim für Senioren ist dringend nötig

Olaf Haase, Geschäftsführer der Lebenshilfe Haßberge, versorgte die Bundesvorsitzende erst einmal mit Basisdaten über die Einrichtungen. Er führte aus: "Da ein riesiger Bedarf besteht, werden wir im nächsten Jahr ein neues Wohnheim für Senioren ab 50 Jahren in der Goethestraße in Haßfurt mit 24 Plätzen errichten."

Stolz ist man zwar in Haßfurt auf die Zusammenarbeit, aber: Für Ulla Schmidt widerspricht das System der Partnerklassen in Haßfurt und Ebern genau genommen dem Gedanken der Inklusion, denn schließlich könnten Kinder mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und Regelschulkinder im Förderzentrum Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung in Sylbach am besten gemeinsam unterrichtet werden. Olaf Haase betonte, dass die Generalsanierung des Förderzentrums Sylbach 2015/2016 beschlossen sei. "Um Inklusionsklassen zu bilden, bräuchten wir größere Klassenzimmer, die jedoch nicht gefördert werden", klagte er. Noch dürften Förderzentren keine inklusiven Schulen sein.

"Das müsste sich ändern", betonte Ulla Schmidt, die auch das dreigliedrige Schulsystem im Widerspruch zur Inklusion sieht: "Wir müssen uns politisch dafür einsetzen, dass die verschiedenen Schularten aufeinander zugehen."

Es fehlen Betreuer

Schulleiterin Margit Lesch betonte, dass den Regel-Grundschulen die Ressourcen fehlten, um Kinder mit sehr hohem sonderpädagogischen Förderbedarf aufzunehmen. "Die 13 zusätzlichen Wochenschulstunden reichen einfach nicht aus", fügte Konrektorin Alexandra Krines-Beßler an.

Für Ulla Schmidt könnten Schwerpunktschulen Eltern eine Wahlmöglichkeit bieten, behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam zu unterrichten. Schulbegleiter, die nichts mit dem Unterricht zu tun hätten, seien nicht das Ziel. Dem stimmten Margit Lesch und Olaf Haase zu, zumal die Anträge viel Verwaltungsarbeit bedeuteten.