Sie versuchen den Straßentod von Amphibien zu verhindern, sprechen sich auf Demonstrationen in der Bundeshauptstadt gegen Gentechnik und TTIP aus, wuseln in der Natur herum und lassen die Kinder bei Wind und Wetter im Wald spielen: Die Kreisgruppe Haßberge des Bund Naturschutz mit mehr als 1000 Mitgliedern ist vielfältig und rührig aktiv.

"Die Gesamtmitgliederzahl zeigt, dass wir im Landkreis doch ein entsprechende Rolle spielen", sagte Klaus Mandery, erster Vorsitzender der Naturschützer in der Region, bei einer schwach besuchten Jahresversammlung. Die meisten Mitglieder kommen aus Haßfurt: "Dort haben wir sehr viele Familien mit kleinen Kindern." An zweiter Stelle, "weit abgeschlagen", kann Ebern aktive Mitglieder bieten.

Einzigartig in Deutschland

Zwei einzigartige Dinge konnten die Naturschützer 2014 in ihr Vereinsbuch schreiben. Zum einen den "Geo-Tag der Artenvielfalt", der im Juni nach Ebern lockte. Pflanzen und Tiere standen im Mittelpunkt und es wurden sensationelle Funde gemacht, die in Bayern bereits auf der roten Liste gefährdeter Arten standen, oder schon als verschollen galten. Beispielsweise die Essigrosen-Dickfühlerweichwanze. Sie gibt es deutschlandweit nur auf dem einstigen Standortübungsplatz in Ebern.

Ebenso beachtlich war der Umzug der Geschäftsstelle der Kreisgruppe Haßberge im vergangenen Jahr. "Wir sind zwar nur drei Häuser weiter gezogen", führte Klaus Mandery aus, "aber es war trotzdem eine große Sache." An der Nähe zum Marktplatz wollte die Kreisgruppe festhalten. "Wir beleben damit auch gewissermaßen die Innenstadt von Ebern", wo die Geschäftsstelle seit 2011 vorzufinden ist. Aber "der jetzige Standort muss nicht für immer sein", ergänzte der Vorsitzende.

Die Nähe zum neuen Bürgermeister von Ebern, Jürgen Hennemann (SPD) tut den Naturschützern jedoch sehr gut. Hennemann war bei der Jahresversammlung vertreten und sagte mit Blick auf verschiedene Spannungsthemen, die es, vor allem in Zusammenhang mit dem einstigen Bundeswehrareal in der Vergangenheit zwischen der Stadt Ebern und der Kreisgruppe gab: "Wir leben in einem intakten Naturraum. Wir müssen zusammenarbeiten und diesen Raum gemeinsam herausstellen." Frühere Pläne der Stadt, das Bundeswehrgelände beispielsweise für motorsportliche Veranstaltungen zu nutzen, hatte der BN mit juristischen Mitteln blockiert. Das Gelände steht als FFH-Gebiet nach europäischem recht unter besonderem Schutz. Hennemann deutete gemeinsame Projekte von Stadt und BN an, ohne dabei konkret zu werden, und meinte: "Wir müssen eine gute Zusammenarbeit auf den Weg bringen."

Schwerpunkt Amphibienschutz

Im vergangenen Jahr kümmerte sich die Kreisgruppe Haßberge sehr intensiv um den Amphibienschutz. Insgesamt wurden in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Haßberge und dem Maschinenring in Hofheim an die 3580 Meter Amphibienschutzzaun an zehn verschiedenen Standorten im Landkreis aufgestellt.
"30 Jahre nach dem Beginn unserer Bemühungen", so Klaus Mandery, wurde am Tretzendorfer Weiher mittlerweile ein Tunnelleitsystem für die wandernden Kröten eingerichtet. Mit dieser Einrichtung fallen auch die jährlichen Straßensperrungen während der Wanderzeit der Amphibien weg.

Im laufenden Jahr wollen sich die Naturschützer wieder mehr um die Landschaftspflege kümmern: "Wir haben vor, unsere Flächen genau anzusehen und sie für die Zukunft zu rüsten", informierte Mandery. Die Pflege der Grünflächen ist ein Arbeitsbereich der Kreisgruppe, in den ein Großteil der Mitgliederbeiträge fließt. Ohne Auto, Balkenmäher, Freischneider und Motorsäge läuft da nichts. "Aber wir erzielen hier auch Einnahmen durch unsere Pflegeaufträge, die wir beispielsweise am Übungsplatz in Ebern haben", so Mandery.

Den Steigerwald im Visier

In diesen Aufgabenbereich fallen auch die Bemühungen in Sachen Nationalpark Steigerwald: "Das haben wir latent im Hinterkopf als Hauptaufgabe", meinte Mandery.
Die ersten Planungen zu den Feierlichkeiten rund um den 40. Geburtstag im Jahr 2016 hat die Kreisgruppe bereits getroffen. "Am 29. April wird es eine Festveranstaltung in der Haßfurter Stadthalle geben", verkündete Klaus Mandery, "das ist übrigens exakt der Tag, an dem Jörg Röder damals die Kreisgruppe in Haßfurt gegründet hat."

Nebenbei forciert Mandery für das Jubiläum ein Naturschutzsymposium in der Frauengrundhalle in Ebern, eine Sternwanderung im Steigerwald und eine Radrundfahrt durch alle Gemeinden im Landkreis Haßberge. Nicht zuletzt mit einem Exkursionsprogramm in vielen Orten soll den Bürgern die Arbeit der Kreisgruppe näher gebracht werden.

Die Waldkindergruppe

Jeden Freitagvormittag treffen sich Kinder im Kindergartenalter, zusammen mit der Erzieherin Daniela Berninger, und erkunden den Wald in Ebern. Das Angebot findet ganzjährig und bei Wind und Wetter statt. "Die Kinder sind gut angezogen und leben für ein paar Stunden in der Natur", erklärt Alexander Hippeli, "sie haben zwar einen Bauwagen im Wald stehen, aber da halten sie sich wirklich nur bei sehr schlechtem Wetter auf."

Weiter Informationen bei Daniela Berninger (Telefonnummer 09531/943277) oder in der Geschäftsstelle der Kreisgruppe Haßberge des BUND Naturschutz in Ebern, Spitaltorstraße 3, Telefon 09531/9443566.