Der anhaltende Strukturwandel in der Landwirtschaft und die veränderten Mobilitäts- und Freizeitbedürfnisse haben die Anforderungen an das landwirtschaftliche Wegenetz geändert. Die zehn Kommunen der "Lebensregion+", der ehemaligen ILE südlicher Landkreis Haßberge, hatten ein Konzept für die Kernwegewirtschaftsnetze in dieser Region bei der Landgesellschaft BBV Land/Siedlung in Auftrag gegeben. Dieses Konzept dient als Basis, um die beteiligten Kommunen zu befähigen, Wege auszubauen und Fördergelder zu akquirieren. Das Ergebnis liegt jetzt vor. Die zehn beteiligten Kommunen sind Knetzgau, Rauhenebrach, Oberaurach sowie Sand, Zeil, Eltmann, Breitbrunn, Kirchlauter, Ebelsbach und Stettfeld.

In der vierwöchigen Sitzung der "Lebensregion+" im Ratssaal Knetzgau überreichte Projektplanerin Xenia Veeh nun das ausgearbeitete Konzept des Kernwegewirtschaftsnetzes.Das vorhandene Wegenetz sei nicht für die heutigen landwirtschaftlichen Fahrzeuge mit bis zu 40 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht ausgelegt, erläuterte Xenia Veeh eingangs. Zudem seien viele Wege auf Grund ihres Alters einfach verbraucht.

Die Wege seien meist nicht gemarkungsübergreifend angelegt. Maschinenringe, Lohnunternehmen und Abfuhrgemeinschaften arbeiteten aber überregional, sagte sie. Zudem sei die Zunahme des Verkehrs größtenteils auch auf den ländlichen Wegen spürbar. Mit zunehmendem Alter stiegen die Erhaltungsaufwendungen durch Abnutzung, Ausmagerung und Überbelastung, erklärte sie weiter.


Auch Touristen brauchen anderes

Die Anforderungen für touristische Nutzung wie Radfahren, Walking und Reiten deckten sich teilweise nicht mit dem derzeitigen Zustand der Wege. Dazu komme, dass es den Trägern zunehmend schwerer fällt, die notwendigen Pflegemaßnahmen an den vorhandenen Wegen zu finanzieren, führte Veeh weiter aus.

Das Projektgebiet für die zehn beteiligten Kommunen liegt zwischen den Haßbergen und dem Steigerwald. Das Maintal liegt als zentrale Achse in der Mitte des Projektgebiets. Ziel für die Erstellung eines Konzepts war es, für die moderne Landwirtschaft ein Wegenetz zu schaffen, das den gestiegenen Anforderungen genüge, erklärte die Projektleiterin. Ausgehend von den vorhandenen übergeordneten Straßen (Bundes-, Staats- und Kreisstraßen) und unter Einbeziehung der vorhandenen Gemeindeverbindungs straßen wurde - beginnend auf Gemeindeebene - in einem Abstimmungsprozess das Wegenetz so lange mit Kernwegen verdichtet, bis eine Maschendichte von etwa 1,5 bis zwei Kilometern erreicht war.

In mehreren örtlichen Workshops wurden diejenigen Wege lokalisiert, die heute und auch in 20 Jahren für die Landwirtschaft und die Freizeitnutzung übergeordnete Bedeutung haben.

In einem Arbeitskreis mit Vertretern der Kommunen, Fachbehörden, wie dem Amt für ländliche Entwicklung und dem Landwirtschaftsamt sowie dem Landratsamt und dem Bauernverband wurden die Kernaussagen zum nötigen Ausbaustandard, zur Ausgestaltung von Einmündungen, Kurvenradien, Ausweichstellen und mehr gefunden. Die Planer der BBV Land/Siedlung haben aus den Ergebnissen ein Konzept erstellt, das nun flächendeckend für den gesamten südlichen Landkreis Haßberge eine Netzstruktur darstellt, die die landwirtschaftlichen Wege mit übergeordneter Bedeutung bezeichnet, wie es hieß.

In einem weiteren Arbeitsschritt wurden diejenigen Wege, die nun Teil dieses ergänzenden ländlichen Kernwegenetzes sind, vereinfacht bautechnisch untersucht, eine grobe Kostenschätzung erstellt und die Kernwege aufgrund ihres derzeitigen Zustands in drei zeitliche Umsetzungshorizonte gegliedert.

Umgesetzt werden könne der Ausbau der Wege über ein Verfahren der Bodenordnung oder über eine reine Fördermaßnahme für die beantragende Gemeinde, erklärte Xenia Veeh. Bei der Bodenordnung sollte vorzugsweise ein schnell wirksamer und umsetzbarer Verfahrenstyp gewählt werden.