Mit 23 Jahren einem anderen Menschen die Nachricht überbringen, dass ein lieber Angehöriger durch einen Unfall ums Leben gekommen ist, das fordert viel Mut und innere Ruhe von dem Betreffenden. Und doch hat sich Isabell Rott dafür entschieden und dazu auch eine Schulung gemacht. Die junge Frau, die im April als Religionlehrerin an der Realschule Eltmann beginnt, hatte ein Schlüsselerlebnis.

Notfallseelsorge ist ein seelsorgliches Angebot für Menschen, die in Momenten schwersten Leids und existentieller Krisen mit dem nahen Tod konfrontiert sind. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden - und weil es ihr eine Herzensangelegenheit ist, Menschen in Nöten, besonders Kindern und Jugendlichen zu helfen - absolvierte Isabell Rott eine Ausbildung zur Dekanatsbeauftragten in der Notfallseelsorge.

Es ist schon eine Weile her, aber die Tage sind ihr nach wie vor präsent: Als ihre Oma 2006 mit einer schweren Krankheit kämpfte und daran später auch starb, so schildert es Rott, bekam sie einen starken Eindruck davon, was der Glaube an Gott ausrichten kann. Es habe sie tief beeindruckt, wie ihre Oma durch ihren Glauben Kraft fand, mit dieser Krankheit umzugehen. "Irgendetwas muss da sein, was uns den Weg weist, was und festhält und stark macht", ist Isabell Rott überzeugt. Es gebe in schweren Momenten einen Lichtblick.

Speziell für jüngere Generation

Schon länger hatte der Haßfurter Diakon Manfred Griebel überlegt, junge Menschen in der Notfallseelsorge einzusetzen, die sich speziell den Kindern und Jugendlichen widmen könnten, die mit plötzlichem Tod und Trauer konfrontiert werden. Aufgrund ihrer Ausbildung im Schulungszentrum der Diözese Würzburg, am Benediktushaus in Retzbach, steht ihm nun die 23-Jährige aus Untertheres zur Verfügung. Rott macht im Moment ihr Staatsexamen als Realschullehrerin und sie wagt sich, was Griebel sehr beeindruckend findet, an das Thema "Seelsorge in der Not" heran.

Im Benediktushaus war sie mit weitem Abstand eine der Jüngsten, die sich für die Notfallseelsorge schulen ließen. Und hier erfuhr sie auch, dass es quasi keinen Standard gibt, wie man sich in Extremsituationen zu verhalten hat und auf die Menschen zugehen kann. "Man muss mit allem rechnen und in den ersten Sekunden einschätzen, wie die Menschen wohl reagieren".

Ein Notfallseelsorger braucht eine gute innere Einstellung, um mit Schmerz und Tod umgehen zu können, ist Diakon Griebel überzeugt. Isabell Rott ist sich bewusst, dass sie vielleicht bei einem älteren Menschen, der voller Leid und Schmerz ist, auch einmal nicht der otimale Ansprechpartner ist, hingegen kann sie sich gut vorstellen, dass ein Kind oder Jugendlicher vielleicht lieber mit einem jungen Menschen spricht. Grenzerfahrungen jedenfalls hatte sie in ihrem Freundeskreis schon erlebt.

Besonders wichtig, sagt Griebel, sei "ein guter Geist, inneres Getragensein und die Zusage an den Glauben". Durch den Einsatz von Isabell Rott werde eine kleine Lücke gefüllt, denn junge Helfer in der Not gebe es im Landkreis viel zu wenige.

Durch "P.S. - Danke fürs Leben", eine etwas andere Besinnungsstunde in der Kirche von Steinsfeld mit Diakon Michael Nowak, ist Isabell Rott bereits einigen Gläubigen bekannt. Auch hier widmet sie sich den Menschen, die Sorgen und Ängste haben und geht auf deren Bedürfnisse ein.

Sie weiß, dass schlimme Fälle auf sie zukommen können, wie das Überbringen einer Todesnachricht, Verkehrsunfälle oder ein plötzlicher Kindstod. Dafür fühlt sie sich aber gewappnet. Ihr ist es auch wichtig bei Suizidversuchen hinzugezogen zu werden, um im ersten Moment auf die negativen Gefühle der Angehörigen auf Grund einer Schocksituation seelsorgerisch reagieren zu können. Ein wichtiger Schritt für viele Menschen, um den Sinn im eigenen Leben wieder zu finden. Sie fühlt sich stark und weiß, dass sie helfen kann.

Nicht nur für religiöse Menschen

Im Übrigen gilt die Hilfe durch die Notfallseelsorge nicht nur Menschen, die in der Kirche und im Glauben geboren sind. "Es gibt Menschen, die der Kirche den Rücken zugewendet haben und in so einer Notsituation wieder zum Glauben finden. Und umgekehrt gibt es auch die emotionale Reaktion von Hass auf Gott und die Kirche." Von sich selbst weiß sie, wie gut es ist, wenn einfach ein Mensch, eine neutrale Person da ist, "der zuhört oder einfach in den Arm nimmt".