Thomas Büttner hatte schöne Bilder dabei. Zum Beispiel den Blick von der Stollburg oberhalb von Handthal auf die Fluren und die Hügel im Vorland der markanten Erhebung mit der Ruine darauf. Dieser "Gottesblick" zeige, so Büttner, alles, was den Steigerwald ausmacht: das Vorland, Weinberge, Teiche, Siedlungen, Hügel, Wald und die Steigerwald-Stufe. "Natur und Kultur vermengen sich", sagte er, hier wie auch andernorts. Thomas Büttner muss es wissen. Der 44-jährige Landschaftsplaner untersucht seit geraumer Zeit den Steigerwald. Kulturlandschafts-inventarisation nennt sich sein Projekt. Es ist ein Gutachten, das das bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bei dem Fachmann aus Morschen (südlich von Kassel) in Auftrag gegeben hat.


Studie soll 2016 fertig werden

Bei einer Informationsveranstaltung am Samstag im Steigerwald-Zentrum "Nachhaltigkeit erleben" in Handthal (Gemeinde Oberschwarzach, Landkreis Schweinfurt) stellte der Landschaftsplaner erste Ergebnisse dieser Studie vor. Sie soll, wenn sie Ende 2016 fertig sein wird, helfen, die Frage zu beantworten, ob der Steigerwald das Zeug dazu hat, dass sich die Region mit ihrer Kulturlandschaft um einen Unesco-Weltkulturerbe-Titel bemüht. Alternativ könnte auch ein immaterielles Unesco-Kulturerbe oder ein Europäisches Kulturerbe-Siegel angestrebt werden.


Potenzial und Chance

Die rund 100 Vertreter aus Politik, Behörden, von Verbänden und Organisationen hätten natürlich gerne die Frage beantwortet bekommen, ob eine solche Bewerbung Aussicht auf Erfolg hat. Mehr als die Aussage, dass die Region Potenzial hat und dass es eine Chance gibt, war aber nicht zu hören. Er könne keine Entscheidung treffen, in welche Richtung es geht, sagte der Gutachter Thomas Büttner. Sein Büro könne nur Ansätze für Entscheidungen liefern. "Was man daraus machen kann, müssen Sie entscheiden", sagte er den Besuchern, unter denen sich die Landräte aus den betroffenen Landkreisen sowie viele Bürgermeister befanden.

Georg Windisch, Ministerialdirigent im bayerischen Forstministerium, hatte es zuvor ähnlich formuliert: Es brauche die Initiative der regionalen Akteure, sagte er. Sein Ministerium helfe und fördere, aber er verlangte konkrete und verbindliche Ziele für eine echte Weiterentwicklung. "Die Region Steigerwald rennt bei uns offene Türen ein", signalisierte er die Bereitschaft seines Ministeriums, den Weg mitzugehen. Aber: "Es muss jemand rennen. Die offenen Türen allein reichen nicht." Das Gebot des Handelns liegt damit vor Ort, im Steigerwald.


Initiative der Landräte

Das Gesetz des Handelns hat die Region schon in die Hand genommen. Die drei Landräte Johann Kalb (Bamberg, CSU), Wilhelm Schneider (Haßberge, CSU) und Florian Töpper (Schweinfurt, SPD) hatten sich 2014 in einer Arbeitsgruppe mit den zuständigen Ministerien und der Staatsregierung in München darauf verständigt, was zu tun ist. Die Kardinalfrage? Ist ein Welterbe-Titel möglich? Entweder ein Weltnaturerbe-Titel oder ein Weltkulturerbe-Titel?

Untersuchungen zu einem Weltnaturerbe-Titel laufen, wie Landrat Wilhelm Schneider am Rande der Tagung unserer Zeitung bestätigte, beim Umweltministerium. Resultate gibt es noch keine. Aber die Aussichten, dass ein Weltnaturerbe-Titel angestrebt wird, erscheinen ohnehin gering. Denn dieses Ziel setzt offenbar ein Schutzgebiet voraus, entweder einen Nationalpark oder ein Biosphärenreservat im Steigerwald, und das wollen die drei Landräte eher nicht - auch und vor allem weil sie dabei die Mehrheit der Bürger in den drei Landkreisen nicht hinter sich haben.

Sie favorisieren einen Weltkulturerbe-Titel. Deshalb das Gutachten, das Thomas Büttner und seine Mitarbeiter anfertigen. Es soll die Grundlagen schaffen für eine mögliche Bewerbung um diesen Titel.

Allzu große Euphorie ist nicht angebracht. Der Kulturerbe-Titel sei nur sehr schwierig und unter erheblichen Anstrengungen zu erreichen, fasste Büttner nach der Veranstaltung gegenüber unserer Zeitung seine Einschätzung zusammen. Das werde "ein langer Weg", bestätigt der Haßberge-Landrat Wilhelm Schneider. Und Ministerialdirigent Georg Windisch sagte: "Eine Bewerbung ist in jedem Fall ein sehr aufwendiger Prozess." Gleichwohl soll es versucht werden, und Wilhelm Schneider ist zuversichtlich, dass es gelingt.


Im Verbund mit anderen?

Gelingen könnte es, wie er unserer Zeitung beschrieb, auf dem "seriellen Weg". Das bedeutet, der Steigerwald sollte es im Verbund mit anderen, ähnlich ausgerichteten Regionen unter einem gemeinsamen Thema versuchen. Spontan nannte er als Beispiel die Buchenwälder in Deutschland und vielleicht sogar darüber hinaus.
Thomas Büttner unterbreitete bei der Vorstellung seiner bisherigen Untersuchungen einen ähnlichen Vorschlag. Er misst zum Beispiel dem Steigerwald eine große Bedeutung als Klosterlandschaft bei. Im Mittelpunkt steht das ehemalige Kloster Ebrach, das in früheren Jahrhunderten weit in den Osten und Süden wirkte (Böhmen und Österreich). Büttner: "Kirche mit Landschaft haben Sie wahnsinnig viel." Andere Klöster wie Waldsassen haben eine ähnliche Geschichte wie Ebrach. Die Klöster haben beispielsweise die Teichwirtschaft forciert oder den Weinbau gefördert - erhebliche Beiträge zur Kulturlandschaft und vielleicht die Basis für den Welterbe-Status. Übrigens: Vertreter aus Waldsassen nahmen an der Informationsveranstaltung in Handthal teil.

Thomas Büttner machte in seiner Vorstellung der bisherigen Ergebnisse der Kulturland-schaftsinventarisation, die für den nördlichen Steigerwald abgeschlossen ist und nun auf den südlichen Steigerwald ausgedehnt werden soll, deutlich, dass die Region schon immer von Menschen geprägt worden ist. "Es ist Kulturland" sagte er. Die enge Verbindung Mensch-Landschaft werde überall deutlich. Der Steigerwald habe ein hohes Potenzial für Tourismus. Allerdings "geht es um Kulturtourismus. Es geht nicht um Massentourismus", erklärte er.


Und der Bund Naturschutz?

Bleibt noch die Frage: Wie steht der Bund Naturschutz zu den Bemühungen um einen Kulturerbe-Titel? Dazu gab es am Samstag in Handthal keine Antwort. Aber nach allem, was bisher bekannt ist, wird der Bund Naturschutz von seiner Forderung nach einem Nationalpark nicht abrücken. Das hat Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes Naturschutz in Bayern, mehrfach betont.

Haßberge-Landrat Wilhelm Schneider wünscht sich eine Verständigung. "Wir wollen gemeinsam den Steigerwald weiterentwickeln." Ministerialdirigent Georg Windisch sagte es so: "Wir brauchen den gemeinsamen Willen der Region." Thomas Büttner hofft auf Kompromissbereitschaft: "Das ist für mich die Maxime allen menschlichen Auskommens."