Manchmal ist es schwer, die richtigen Worte zu finden. Dann hilft Musik. So war es bereits im 17. Jahrhundert in den USA. Sehnsüchtige und geschundene Sklaven sangen mit den Negro Spirituals von ihren Hoffnungen und ihrem Glauben an Gott. Heute hat sich daran nichts geändert. In Paris schlugen in der Nacht von Freitag auf Samstag die Terroristen zu. "Ich empfinde diese Anschläge als Anschläge auf Europa, auf uns alle, auf unsere Werte", machte Bürgermeister Jürgen Hennemann, SPD, deutlich, "aber wir können und dürfen diese unsere Grundwerte nicht verraten, nur weil sie jemand angreift."

Die Sklaven hinterließen die Botschaft, mit Musik Angst und Resignation zu überwinden. "Vor diesen hochaktuellen Ereignissen, die uns um die Ohren fliegen", beschrieb es Organisator Diethelm Schorscher, hätte das Benefizkonzert der "Praising People" zugunsten der Flüchtlingsarbeit in Ebern an keinem treffenderem Tag stattfinden können, als nur wenige Stunden nach den Attentaten in Paris.


Zu den Werten stehen

Mehr als 350 Besucherinnen und Besucher waren der Einladung in die Frauengrundhalle Ebern gefolgt. Vor einem halben Jahr war Beate Lipp, Mitglied in der Vorstandschaft der AWO Ebern und dem Asylhelferkreis, an die Sänger mit der Bitte herangetreten, ein Konzert zugunsten der Flüchtlingsarbeit in Ebern zu geben. Wie damals würde Diethelm Schorscher ihr sofort wieder eine Zusage geben. Denn ihm ist es wichtig, den Flüchtlingen die Nachricht zu geben, dass hier in der Region Menschen leben, die ihnen heute und auch in den nächsten Monaten und Jahren an der Seite stehen und ihnen helfen. Er steht hinter dem Aufruf, dass die Menschen zu ihre Werten stehen müssen: "Wir zeigen und praktizieren hier in Ebern im Alltag, was unser Europa, was unsere Kultur ausmacht", formulierte es Bürgermeister Jürgen Hennemann.

Seit 17 Jahren stehen "Praising People" mit Chor und Band unter der Leitung von Bernd Schmidt auf der Bühne. "Uns als Gruppe verbindet die Begeisterung für den Glauben und dessen Ausdruck in Spirituals und Gospels, aber auch an etwas anders gestalteter Kirchenmusik", beschreiben die Musiker ihre Formation. Sie sangen bei ihrem Konzert in Ebern von Gott, dem Allmächtigen, von der Vision, wie er sich die Welt gedacht hat und wie die Menschen sie ersehnen, von einem barmherzigen Jesus und von Frieden auf Erden. Kurz gesagt: Musik aller Stilrichtungen zum Lobe Gottes. "Dieser Gott hat uns aufgegeben, unsere Nächsten zu lieben wie uns selbst, Barmherzigkeit zu üben und Konflikte nicht eskalieren zu lassen", betonte Bürgermeister Jürgen Hennemann.
Aus dem Lobpreis Gottes machten die "Praising People" ein Fest. Allein schon ihr Auftreten mit roten paillettenbestickten Umhängen schickte Wärme und Fröhlichkeit in die Welt hinaus. Mit Zärtlichkeit und Hingabe vertonten sie die Texte gemeinsam als Chor oder als Solisten. Treten die Sängerinnen und Sänger sonst meist in Kirchen auf, genossen auch sie die etwas andere Atmosphäre in der Frauengrundhalle. Bis zum Schluss blieben die Zuhörer und Zuhörerinnen aber nicht auf ihren Plätzen. Sie klatschten, tanzten und sangen mit dem Chor gemeinsam die Spirituals und Gospels.


"Wir machen weiter mit der Integration"

Viele Hände halfen zusammen, um dieses Konzert auf die Beine zu stellen. Die Awo Ebern kümmerte sich um die Bewirtung, mehrere Unternehmen aus Ebern und der Region brachten Geld- und Sachspenden. "Damit beteiligen sie sich alle an "der Integration von Menschen, die zu uns geflohen sind", machte Hennemann deutlich.
Und jetzt? "Wir machen nun weiter mit der Integration von Flüchtlingen in Ebern, denn das ist genau der richtige Weg. Wir helfen Menschen, die genau vor denen geflohen sind, die verantwortlich sind für die Anschläge in Paris. Wir lassen keine Stimmungsmache und Vorverurteilung gegen die Flüchtlinge bei uns zu", sagte der Bürgermeister.