Der Besuch im Heimatmuseum ist für die Schullaufbahn ein Muss. Genau dazu gehört auch der Besuch im historischen Klassenzimmer, das Sitzen auf den harten, längst aus den Klassenzimmern verbannten Holzstühlen, der Blick auf das Retro-Klassenfoto, von dem die Schüler aus vergangenen Zeiten nostalgisch aus dem Bilderrahmen lächeln... diese Szene haben Carmen und Stefan Andritschke eingefangen und auf Papier festgehalten.

Sie haben die Begebenheit nicht nur gemalt, sie haben dem Blick auf das nostalgische Klassenfoto auch Leben eingehaucht. Denn, ehe sich Paula versieht, landet sie im Jahr 1920. Paula ist nicht nur eine Schülerin aus Ebern, sie ist die Protagonistin in Andritschkes Comic noch dazu. Eine Zeichenfigur mit rotem Pullover und einer etwas außergewöhnlichen Freundin: Klara. Eigentlich eine Schülerin wie Paula, nur eben aus dem Jahr 1920 und deshalb nicht im gepunkteten Pullover, sondern in Tracht.


Stadtführer der anderen Sorte

Carmen Andritschke hat die beiden Mädchenfiguren gezeichnet, mal lachend, mal rennend, hier neugierig, dort sich gruselnd. Auf 30 Seiten erleben die beiden einen Tag in Ebern und laden Kinder von Heute zu eben genau dem ein: einem Rundgang durch die unterfränkische Stadt, mit neugierigem Blick für die besonderen Gebäude, deren Bedeutung und der Neugier für das einst Dagewesene. Denn nicht jedes Haus oder jeder Turm ist noch an Ort und Stelle zu finden.

Das Ehepaar Andritschke saß schon länger an dem etwas anderen Stadtführer. Vor gut zwei Jahren ist die Idee entstanden.
Das Ziel war eigentlich von vornherein klar: "Ebern mit anderen Augen wahrnehmen und mit Kinderaugen sehen", erklären die beiden. Denn, "wenn man als Eberner durch die Stadt geht, nimmt man die schönen Häuser gar nicht unbedingt wahr", sagt Carmen Andritschke. Ein kleiner Bildungsauftrag steckt hinter dem Ebern-Abenteuer auch. Immerhin ist der bunte Stadtführer nicht nur mit Sprechblasen, sondern auch mit den einen oder anderen geschichtlichen Fakten gespickt.

Hier haben die beiden Künstler auf die Expertenmeinung von Kreisheimatpfleger Günter Lipp gesetzt, ihm ihre Entwürfe immer mal wieder gezeigt, "um auf der sicheren Seite zu sein", sagt Stefan Andritschke mit einem Schmunzeln.

Ganz zu Beginn der Arbeit wurde die Wegstrecke festgelegt, dann bekamen die beiden Hauptfiguren ein Gesicht und schließlich wurden die Gebäude in Szene gesetzt. Mit einer kleinen Geschichte, zwei illustren Figuren und beeindruckenden Aquarell-Zeichnungen haben die beiden Zugezogenen der Stadt Ebern einen ganz neuen Blickwinkel gegeben.