Seit neun Jahren ist sie im Verein und züchtet Kaninchen, aber schon seit ihrer Kindheit ist sie mit Kleintieren vertraut. "Man darf den Viechern keinen Namen geben, sonst fällt es schwer, wenn man sich von ihnen, warum auch immer, trennen muss." Das sagt die 17-jährige Marina Schmidt aus Lahm. Ihr Vater Helmut Schmidt ist Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins (KTZV) Untermerzbach, Lahm und Umgebung. Am Wochenende fand in Memmelsdorf die 28. Jungtierschau des Vereins statt.
"So zehn bis zwölf Mann helfen mit, wenn die Vorbereitungen für die Schau getroffen werden, der harte Kern halt, wie überall", sagt Helmut Schmidt, der den KTZV seit einigen Jahren leitet und Nachfolger von Armin Hanff ist, der viele Jahre an der Spitze des Vereins stand.
Im Anwesen von Karin Präcklein in Memmelsdorf, ihr verstorbener Mann Günter war Ehrenvorsitzender und leidenschaftlicher Kleintierzüchter, sind Vereinsmitglieder vor dem Kirchweihwochenende damit beschäftigt, ein Zelt im Hof aufzustellen. Die zur Verfügung stehenden Räume für die 28. Jungtierschau werden hergerichtet.
Marina Schmidt schaut sich dort um, hat ein Kaninchen auf dem Arm. Der 17-Jährigen wurde der Umgang mit Kleintieren quasi angeboren. Ihr Opa Helmut und auch ihr Vater Christian haben sich der Kleintierzucht verschrieben. "Da bleibt es in der Regel nicht aus, dass Kinder sich auch mit diesem Hobby befassen, bei mir war das auch so", sagte die junge Frau. Seit neun Jahren, so versichert sie, züchtet sie nach ihren eigenen Vorstellungen Kaninchen. "Wenn mir mal eine Rasse nicht mehr passt und ich keine Lust mehr darauf habe, dann suche ich mir eine andere Rasse." Angefangen hat sie mit "Deutschen Kleinwiddern wildfarben weiß". Ein solches Exemplar hält Marina im Arm. Wie heißt der Mümmelmann? Marina blickt etwas verlegen, Namen soll man den Tieren ja nicht geben, sonst hängt man zu sehr an ihnen, hatte sie gesagt. Schließlich entscheidet sie sich doch das kuschelige Langohr auf ihrem Arm nach kurzer Rücksprache mit Vater Christian und Mutter Sonja zu "taufen". Der Familienrat entscheidet, dass es den Namen "Henriette" erhalten soll.
Marina besucht nach ihrer Mittleren Reife die FOS in Coburg. Sie will das Fachabitur machen und dann, so sieht es jedenfalls gegenwärtig aus, einen Beruf in der Verwaltung erlernen. "Geflügel ist gar nichts für mich, das interessiert mich nicht", sagt die 17-Jährige. Ihre Liebe gehört eher der Kaninchenzucht. Mittlerweile züchtet sie Kleinchinchillas. "Die habe ich von meinem Papa übernommen", erklärt sie. Auch Erfolge auf Vereinsebene hat sie vorzuweisen und hier schon einige Preise mit ihren Langohren ergattert. Auf einer Bezirksschau habe sie auch schon einmal ausgestellt, sagt Marina Schmidt. "Ach ja, ich habe auch ein Warmblutpferd, einen Hannoveraner, der ist einige Nummern größer als "Henriette". "Escape" heißt dieses Tier, bei dem sie sich öfters als Freizeitreiterin in den Sattel schwingt. Reitveranstaltungen besucht sie nicht, viel lieber beschäftigt sie sich mit "Escape" alleine.
Wie finden ihre Freunde ihr "Kaninchenhobby?" "Die finden meine Tiere putzig", lacht Marina. Allerdings verweist sie darauf, dass ein solches Hobby auch ein Stück Eigenverantwortung für die Tiere bedeutet. Sie selbst kümmert sich aktuell um 18 junge und zehn ältere Langohren beider Gattungen, um Kleinwidder und Chinchillas. "Solange zu Hause genügend Platz und Futter da ist, betreibe ich mein Hobby", sagt der Teenager. Hat sie einen "vierbeinigen kuscheligen Liebling?" Marina grinst auf diese Frage verschmitzt und sagt: "Einen hatte ich mal so richtig ins Herz geschlossen, als ich noch jünger war. Der hieß ,Zorro‘, er ging mit mir ins Planschbecken und auf die Schaukel, er hat eigentlich alles mitgemacht." "Leider", so sagt sie mit einem etwas wehmütigem Blick, "ist Zorro schon lange verstorben."
Was sagt eine junge Frau mit 17 Jahren zu Kindern, die mit dem Gedanken spielen, Kleintierzüchter zu werden? "Denen sage ich, macht es." Dabei streichelt sie das Fell von "Henriette". "Mit Tieren umzugehen, um die man sich selber kümmert, ist einfach schön. Die widersprechen nicht, sind anhänglich und schön anzusehen. Aber man sollte sich auch der Verantwortung für die Kreaturen bewusst sein." Marina stellt bei der 28. Jungtierschau vier Kleinwidder und vier Chinchillas aus. "Vielleicht bekomme ich ja wieder einen Preis", sagt die sympathische junge Dame und drückt "Henriette" fest an sich. Sie ist das einzige Tier welches nun einen Namen hat.
Traditionsgemäß fand am Kirchweihwochenende in Memmelsdorf eine Jungtierschau des KTZV Untermerzbach, Lahm und Umgebung statt. Immer wieder war zu hören, dass der KTZV wegen fehlendem Nachwuchses und entsprechender Helferzahl in eine ungewisse Zukunft blickt. Am Sonntagvormittag wurden Züchterinnen und Züchter für Erfolge bei der Kaninchen- und Taubenzucht vom Schirmherrn, Bürgermeister Helmut Dietz und den Vorsitzenden des Vereins, Helmut Schmidt geehrt.
Der Vorsitzende bezeichnete die erste Schau der neuen Züchtersaison als "friedlichen Wettstreit der Züchter mit ihren Tieren." Der Idealismus der Züchter verdiene besondere Anerkennung. Kleintierzucht sei ein schönes Hobby. Für Karin Präcklein, auf deren Grundstück die Schau seit vielen Jahren stattfindet, hatte der Vorsitzende Dankesworte und ein Präsent. Bürgermeister Helmut Dietz, der seit sieben Jahren die Schirmherrschaft bei der Jungtierschau übernimmt, hoffte, dass in zwei Jahren die 30. Jungtierschau gefeiert werden könne. Der Blick des Vorsitzenden Helmut Schmidt war hier eher etwas skeptisch, weil, wie eingangs erwähnt, es an aktiven Mitgliedern und Helfern mangelt. "Die Züchterinnen und Züchter und vor allem auch die Jugendlichen, die im Verein leider etwas weniger wurden, verdienen für ihre Arbeit mit den Kreaturen Anerkennung", sagte Dietz. Zehn Züchter hätten ausgestellt, darunter zwei Jugendliche. Mit 80 Tieren, 60 Kaninchen und 20 Tauben, böte die Schau ein buntes Bild züchterischer Arbeit. Der Schirmherr wünschte dem Verein eine gute Zukunft und überreichte ein Präsent an den Vorsitzenden.
Erfolgreich gezüchtet haben Martin Zier und Erich Schmidt Tauben. Beide wurden Jungtiermeister des Vereins, wobei Erich Schmidt eine Landes-Verbands-Prämie erhielt. Jungtiermeister bei Kaninchen wurden Oskar Vogel (Separator), Peter Wüste (Schwarze Rexe) und Adolf Hansky (Sachsengold). Eine Landes-Verbandsprämie bekam Erika Vogel für Deutsche Kleinwidder und einen Kreis-Verbands-Ehren-Preis Christian Schmidt für Blaue Wiener. Bei der Jugend waren Julian Aman mit Texaner Tauben und Marina Schmidt mit ihren Kaninchen, Deutsche Kleinwidder, erfolgreich. Für alle Preisträger gab es Gutscheine oder kleine Pokale.