Die guten Vorsätze zum neuen Jahr hielten nicht lange. Die letzten Leuchtraketen waren kaum erloschen, als sich bei einer privaten Silvesterparty ein 18-Jähriger von einem Jugendlichen provoziert fühlte und rot sah. Die Faustschläge, die er austeilte, waren nicht von schlechten Eltern: Das ein Jahr jüngere Opfer blutete an der Unterlippe, und das Nasenbein war gebrochen. Nun bekam der junge Schläger von Jugendrichter Martin Kober bei einem Prozess am Amtsgericht in Haßfurt die Rechnung in Form eines Gerichtsurteils präsentiert: Er muss einen Freizeitarrest absitzen und an den Geschädigten 600 Euro bezahlen.

Die Fete stieg in einem privaten Wohnhaus in einem kleinen Dorf in den Haßbergen. Man quatschte miteinander, lümmelte im Wohnzimmer des Erdgeschosses herum und prostete sich in gehobener Stimmung fröhlich zum Jahresausklang 2012 zu. Alles ganz normal. Aber kurz nachdem es "Dreizehn" geschlagen hatte, kippte die Situation. Im Kinder- und im Badezimmer kam es nach einem lautstarken Streit zu den "faustdicken" Argumenten.

Eine ganze Reihe jugendlicher Zeugen war vorgeladen, um herauszufinden, was genau vorgefallen war. Nach über zweieinhalb Stunden im Gerichtssaal aber drängte sich der Eindruck auf: je mehr Zeugen, desto mehr Verwirrung. Jedenfalls konnte einem zweiten, 19-jährigen Mitangeklagten nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass er ebenfalls zugeschlagen hatte. Das Verfahren gegen den 19-Jährigen wurde eingestellt.

In Bezug auf den Haupttäter aber stand der Tathergang - auch aufgrund seines Geständnisses - fest. Auslöser der Tat war wohl der Verdacht, dass das spätere Opfer (der 17-Jährige) zuvor eine Zimmertür eingetreten hatte. Zur Rede gestellt, habe dieser alles abgestritten und den Angeklagten irgendwie provoziert, erklärte der Beschuldigte. Daraufhin kam es zu der Schubserei und zu den Fausthieben.

Erhebliche Verletzungen

Zum Glück wehrte sich der verängstigte Geschlagene nicht, sondern schützte mit beiden Händen sein Gesicht. Noch in der Nacht begab er sich in die Notaufnahme des Haßfurter Krankenhauses. Dort behielt man ihn aufgrund der erheblichen Verletzungen bis zum nächsten Tag. Noch drei Wochen lang hatte der übel lädierte Jugendliche unter den Schmerzen zu leiden.

Der Angeklagte, der eine Berufsausbildung absolviert, entschuldigte sich in aller Form bei dem Opfer. Jugendgerichtshelfer Franz Heinrich attestierte ihm, dass er in geordneten familiären Verhältnissen aufgewachsen und in seinem Heimatdorf sozial integriert sei. Da es sich um eine jugendtypische Verfehlung handele, so der Sozialpädagoge, empfahl er, das Jugendstrafrecht anzuwenden.

Jugendrichter Kober machte sich diesen Vorschlag zu eigen und verfügte in seinem Urteil, dass der Beschuldigte im Rahmen eines Freizeitarrestes an einem Wochenende gesiebte Luft schnuppern darf. Zudem muss er bis zum 15. August dem Geschädigten 600 Euro zahlen und die Gerichtskosten tragen. Mit den Worten "ich gehe davon aus, dass Sie was draus lernen", entließ der Vorsitzende den Heranwachsenden. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Übrigens: Gegen das Opfer läuft parallel ein Verfahren wegen Sachbeschädigung - da soll die Frage geklärt werden, ob der 17-Jährige tatsächlich eine Wohnungstür demoliert hat. Der Prozesstermin ist für den 1. Juli vorgesehen. Spätestens dann werden sich die meisten der Zeugen wiedersehen - und sich wahrscheinlich wieder an wenig bis nichts erinnern können.