Leuzendorf Ein Werbespruch für eine Zigarettenmarke, der aufbrausende Gemüter besänftigen sollte, lautete einst: "Wer wird denn gleich in die Luft gehen?" Das trifft für den 80-jährigen Richard Ebert aus Unterpreppach auf keinen Fall zu, er ist eher ein ruhiger, geselliger und sachlicher Mensch. Aber in die Luft ging er dann doch: mit dem Heißluftballon. Der Rentner und sieben weitere Personen erhoben sich mit dem Ballonpiloten Reiner Hoch vom Bolzplatz in Leuzendorf aus in die Lüfte.

Es ist relativ windstill, aber dunkle Wolken stehen bedrohlich am Himmel, als Reiner Hoch aus Haßfurt mit seinem Heißluftballon, der samt Korb auf einem Anhänger verstaut ist, am Startplatz eintrifft. Gut eine viertel Stunde früher hätte er starten können, aber einige Ballonfahrer lassen noch auf sich warten.
"Schön soll das Ballonfahren sein, hab ich von meinem ehemaligen Arbeitskollegen Werner Grell gehört, der schon mehrfach aufgestiegen ist,", sagt der 80-jährige Unterpreppacher, der zusammen mit seiner Tochter Carolin in die Lüfte will. Zum 80. hat er die Ballonfahrt geschenkt bekommen. Ein Geschenk war die Fahrt auch für seine Mitfahrerin Bärbel Bühl aus Rentweinsdorf. "Wo uns der Wind hintreibt, ist mir eigentlich wurscht", sagt Richard Ebert, weil man das so und so nicht beeinflussen könne. Endlich sind alle da.

Ballonpilot Reiner Hoch teilt für jeden seiner Mitfahrer einen "Fahrschein" aus, auf dem wichtige Verhaltensregeln stehen. "Bitte lesen sie sich das durch und unterschreiben sie", sagt Hoch. Es hört sich fast an wie eine Besprechung vor einem operativen Eingriff im Krankenhaus. Eine "Operation", ein aufregendes Erlebnis, ist es auf jeden Fall für die acht Ballonfahrer, eine Premiere für jeden Einzelnen


Spannende Augenblicke

Nachdem der Pilot und sein Helfer Korb und Ballon mittels vier Karabinerhaken verbunden haben, an denen sich je vier dünne Stahlseile befinden, kann es losgehen. Die Spannung ist spürbar. Es ist ruhig, als die unmittelbaren Startvorbereitungen durchgeführt werden. Reiner Hoch fordert einige der Mitfahrer auf, die Einlassöffnung des Ballons, den er zuvor mit seinem Helfer auf dem Sportplatz ausgebreitet hat, offen zu halten.
Dann wirft der den ersten Ventilator an, ein ohrenbetäubender Krach lässt eine Unterhaltung nicht mehr zu. "Sausi sagen wir zum Ventilator", erläutert der erfahrene Ballonführer, der heute zu seiner 1923. Fahrt startet. Zuvor hatte er noch darauf hingewiesen, dass ob der Lautstärke der Ventilatoren Zeichensprache eingesetzt wird.
"Ich meine, wir können heute bis etwa 1000 Meter steigen, vielleicht auch etwas höher wenn die Wolken mitspielen", sagt Reiner Hoch,den einst eine eineinhalbjährige Ausbildung zum Ballonführer machte. Die Windgeschwindigkeit betrage zehn bis fünfzehn Stundenkilometer und werde den Ballon wohl in südöstlicher Richtung tragen. "Ich werde versuchen, am Sendelbacher Flugplatz niederzugehen", sagt Hoch.


Wie ein riesiges Zelt

Vor dem Start liegt der Ballonkorb auf der Seite und Hoch fordert zuvor bestimmte Personen per Zeichen auf, in den Korb zu kriechen. Dabei weht es dem 80-jährigen Richard Ebert die Mütze vom Kopf. Der Rentner müht sich, in den Korb zu kommen, aus dem er, Bärbel, Melanie und Michael vor dem Start wie aus einer Hundehütte herausschauen. "Na ja wenn schon junge Frauen mit mir in den Ballon krabbeln kann ich mir doch keine Blöße geben", lacht der 80-Jährige. Reiner Hoch gibt immer wieder "Feuerstöße" und bläst damit heiße Luft in die Ballonhülle. Beim Blick in die Innenhülle des Ballons die sich langsam aufbläht wähnt man sich in einem riesigen Zelt.
Zwei Kinder, deren Eltern mit in den Korb gestiegen sind, müssen zurückbleiben. Man darf erst im Alter ab zwölf Jahren mitfahren, klärt Ballonpilot Reiner Hoch auf. Als der Ballon abhebt und vom Wind in südöstlicher Richtung davongetragen wird, winken die Kinder ihren Eltern nach. Bald können die Ballonfahrer auf Kraisdorf blicken, und es dauert nicht lange, als Richard Ebert aus etwa 1000 Meter Höhe seinen Heimatort Unterpreppach und Ebern erkennt.
Über das Neubaugebiet "Mannlehen" in Ebern sei man ziemlich tief geflogen, erzählt der Rentner hernach . "Ich dachte, wir bleiben irgendwo hängen aber vielleicht habe ich mich auch etwas in der Höhe verschätzt", sagt Richard Ebert.
Das ruhige Wetter ermöglicht eine sehr weiche Landung. Der Ballon geht nahe der Itz, etwas nördlich von Mürsbach herunter. Richard Ebert, der zuletzt nach alter Tradition per entsprechender Urkunde noch in den Ballonfahrer-Adelsstand erhoben wird, ist begeistert. Angst hatte er keine. "Eher ein totales Glücksgefühl, es war einfach wunderbar", strahlt der 80-Jährige nach der Landung . Er überlegt und sagt: "Eigentlich möchte man gar nicht mehr runter."
Auch wenn er niemals aus Wut in die Luft gehen würde, wie das eingangs erwähnte Zigaretten-Männchen, so würde er doch gerne nochmals so eine Fahrt mit dem Ballon erleben. "Es ist ja bald Weihnachten und vielleicht bekomme ich noch eine Ballonfahrt geschenkt", grinst der Unterpreppacher.