ZeilSinkende Preise in jeder Produktrichtung beklagte der Kreisobmann des Bauernverbands für die letzten Jahre. Klaus Merkel unterstrich aber auch: "Wir haben versucht, die Rahmenbedingungen für unsere Betriebe zu verbessern." Merkel wurde bei der Jahresversammlung des Bauernverbands Haßberge für weitere fünf Jahre bestätigt.

Klaus Merkel hob den enormen bürokratischen Aufwand hervor. Der Umweltschutz, meinte er, könnte zum Hauptproblem für die nächsten Jahre werden. Als Verbesserung, die der Bayerische Bauernverband (BBV) erreicht habe, stellte er die staatlichen Zuschüsse für die Sozialkassen heraus.
Dass bei Umwelt und Tierschutz die Auflagen steigen, sieht Merkel als Belastung. Und bei den Greening-Maßnahmen kündigten die Umweltverbände an, um weitere Verbesserungen zu kämpfen.


Bei demos dabei

Die Haßberge-Vertreter nahmen an der Demonstration gegen die Umweltministerin in Augsburg oder die Aktionen vor Discountern im Landkreis teil. Bei Letzteren kommentierte Merkel: "Diese Aktionen haben Wirkung gezeigt und bewiesen, dass sich keiner der Supermärkte eine schlechte Presse leisten will." Dabei liefen Aktionen hier deutlich friedlicher als in Frankreich. Mancher Landwirt kritisiert das und forderte den BBV auf, mehr Randale zu machen. Dass die Landwirte Schilder oder Plakate an der Autobahn aufhängen, "da spricht das Recht gegen uns, und manchmal sind uns die Hände gebunden für öffentlichkeitswirksame Auftritte."

Der Kreisobmann berichtete von erfolgreichen Gesprächen hinter verschlossenen Türen wie mit dem Landrat über die Überbreite von landwirtschaftlichen Fahrzeugen: "Ich halte nichts von Begleitfahrzeugen. Sie brauche ich nur, wenn die Straße so schmal ist, dass niemand an uns vorbeikommt."


Pilotprojekt mit Gänsen

Zu dem Pilotprojekt mit den Gänsen im Maintal sagte Merkel: "Da müssen wir am Ball bleiben und auch für Entschädigungen kämpfen. Ich weiß, wovon ich spreche, denn auch ich habe jeden Tag 300 bis 400 Gänse und 30 bis 50 Schwäne vor meinem Anwesen, und da hilft auch keine Ablenkungsfütterung."

Bei der Agrarpolitik nannte Merkel die Gespräche zur Düngeverordnung frustrierend. Muss die Sperrfrist zum 1. Oktober sein? Manchmal sei eben danach eine Zugabe doch möglich. Manches scheitere am Bundesrat. Grüne Minister betrieben Wahlkampf auf dem Rücken der Landwirte - und stellten nur Massentierhaltung, Tierschutz und Nitratprobleme in den Vordergrund. Merkel: "Wir haben kein Nitratproblem, sondern eine Nitratlüge: Wir sind beim Nitrat rückläufig und haben die Brunnen mit Nitraten in Unterfranken von über 20 Prozent auf unter 10 Prozent halbiert."


Ein Zweispalt

Merkel kritisierte Umweltministerin Scharf: "Der Umweltschutz und die Artenvielfalt werden immer ein Abfallprodukt unseres landwirtschaftlichen Wirkens sein. Eine Stilllegung und Naturschutz haben nie mehr Artenvielfalt gebracht gegenüber einer Landbewirtschaftung."

Der BBV-Kreisobmann nahm Bezug auf seine Aussage beim Landfrauentag, er stelle sich nicht mehr zur Wahl, sofern es einen anderen Kandidaten gebe. Merkel will frischen Wind in den Kreisvorstand. Inzwischen erklärten sich etliche junge Landwirte zur Mitarbeit bereit. Merkel meinte, er wolle noch eine Periode mithelfen und stehe zur Wiederwahl zur Verfügung. Bei dem Neuwahlen gab es Zustimmung. 70 der 73 Wahlmänner gaben Klaus Merkel ihre Stimme, es gab drei Enthaltungen. Neuer Stellvertreter ist Philipp Schierling aus Oberschwappach. Beisitzer sind Dieter Reisenweber (Untermerzbach), Alexander Böhner (Hainert), Anton Lutz (Untertheres), Markus Schmitt (Dörflis) und Daniel Hornung (Ebern-Brünn).

BBV-Kreisobmann Klaus Merkel freute sich über die "vielen, neuen Gesichter und den jungen Nachwuchs." Kreisbäuerin Cäcilie Werner und ihrer Stellvertreterin Petra Grimmer stellte er ein gutes Zeugnis aus: "Gerade im Bereich der Ernährung präsentieren sie uns wirkungsvoll in der Öffentlichkeit." Abschließend würdigte er Christian Freiherr Truchseß von Wetzhausen, Hermann Hotz, Bernhard Baum, Wolfgang Müller und Klaus Schneider sowie Präsident Bernhard Weiler vom Bezirksverband Unterfranken


Stolz auf Kollegen

Seinen Stolz auf seine Berufskollegen verhehlte der Präsident des Unterfränkischen Bauernverbandes, Bernhard Weiler nicht: "Ihr habt auch bei widrigen Wetterverhältnissen Ernten hingelegt, die man sich vor 30 Jahren nicht vorstellen konnte. Das ist eine hervorragende berufliche Leistung."
Weiler bedauerte, dass sich immer weniger Bauern beim Verband engagieren. "An der ehemaligen Zonengrenze gehen uns schon die Leute aus und hinterlassen Lücken. Auch die demographische Entwicklung zeigt, dass uns junge Leute nicht mehr davonlaufen, sondern es gar keine mehr gibt." Die öffentliche Wahrnehmung teile die Bauern leider ein in gut und böse. Dies sei unredlich. "Wir sind eine fleißiges und ehrliches Völkchen, das sich jeden Tag abmüht, ordentliche Lebensmittel auf den Tisch zu bringen."
Der Bauernverband erhielt Hilfen für die Bauern. "500 Millionen Euro sind nicht wenig, aber umgelegt auf die Betriebe auch nicht wirklich viel", meinte Weiler. Dennoch seien 78 Millionen Euro für die Berufsgenossenschaft, 36 Millionen Euro für das Kulturlandschafts-Programm und Bürgschaften bei Investitionen wirkungsvolle Unterstützungen.


Klarer Anspruch

Zum Nationalpark erklärte er: "Es gibt einen klaren Ausspruch, dass es einen dritten Nationalpark geben soll und dass geprüft wird, wohin der kommen soll." Im Blick auf Buche und Eiche hätten Steigerwald und Spessart Priorität, aber es gebe als Möglichkeit ja auch die Donau-Auen und als Notausgang die Rhön. "Oder den Englischen Garten in München", warf ein Anwesender ein.
Weiler betonte auch, dass ein Trittsteinkonzept 90 Prozent eines Nationalparks erreiche. Zu reden sei über Betretungs-, Holz- und Weiderechte - die betroffenen Waldbesitzer müssten mitbestimmen.
Wilhelm Böhmer, Direktor des BBV für Unterfranken und Oberfranken, sah es als gutes Zeichen an, dass es in Unterfranken noch 955 Ortsverbände gibt - damit nur sieben weniger als vor fünf Jahren. Für ihn ist wichtig, dass der Netzausbau nicht auf dem Rücken der Bauern ausgetragen werden dürfe. Sie müssen vom ökologischen Ausgleich verschont bleiben.