"Ich wünsche mir Kunst voller Sinnlichkeit und echte Leidenschaft. Und mir selbst wün-sche ich Mut, Achtsamkeit und einen klaren Geist", sagt Gerd Kanz, der Maler und Bildhauer zugleich ist, über sich und seine Kunst.

Der geborene Erlanger, Jahrgang 1966, hat von 1987 bis 1993 das Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, bei Professor Ludwig Scharl und Professor Johannes Grützke absolviert, wie aus einer Mitteilung der Metropolregion hervorgeht. Weil er sich Leinwände nicht leisten konnte, griff der junge Kanz zu Hartfaserplatten vom Sperrmüll - und machte dabei die Entdeckung, der er heute zu einem Großteil seine eigene Handschrift verdankt: Holzplatten können viel mehr tragen und auch ertragen. Er bearbeitet sie mit dem Stechbeitel, gräbt Furchen ein, hebt Schollen aus. Trägt wechselweise Öl- und Temperafarben auf. Dabei liegen die Bilder auf dem Boden. Es entstehen Farbpfützen, die trocknen. Das Ergebnis fasziniert den Betrachter: pulsierende Farbästhetik, raffinierte Oberflächenstruktur, abstrakte Kompositionen, subtiles Zusammenspiel von Linie, Farbe und Relief - visuelle Erlebnisse mit haptischer Qualität, die in einem streng eingehaltenen Arbeitsrhythmus und disziplinierten Zeitraster entstehen.

Der Künstler arbeitet häufig gleichzeitig an mehreren Bildern, vergleicht, prüft, experimentiert, ohne die Kontrolle zu verlieren. Geschehenes und Geschichtetes fallen in seinen Werken zusammen, die zeitliche Dimension wird sichtbar.

Kanz stellt sich ausdrücklich in die Kunst des Informel, die sich in der Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt hat. Wesentliche Kennzeichen dieser Kunst sind die Zurückweisung des Primats der Form sowie eines irgend gearteten Rahmens und die Betonung der Prozesshaftigkeit des Werks. Kanz ergänzt das Informel um einen weiteren Aspekt: Er beharrt auf der Zweckfreiheit der Kunst, indem er ihre Unabhängigkeit stärkt und sich seit je gegen modische Trends sowie Künstlercliquen abgrenzt.

Sein Erfolg gibt ihm Recht. Kanz ist Träger zahlreicher Preise und Auszeichnungen. Unter anderem erhielt er bereits im Jahr 1989 den Förderpreis der Stadt Coburg für junge Künstler, einige Jahre später den Debütantenpreis des Freistaates Bayern. Weitere Würdigungen und Stipendien folgten.

Kanz behauptet sich international. Sein Werk wird nicht nur in Galerien in Deutschland, sondern auch in Amsterdam und New York ausgestellt.

Heute lebt Kanz in einer ehemaligen Brauerei in Untermerzbach, in der sich sein Atelier und Ausstellungsräume befinden.