40 Geburten mehr im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet derzeit die Geburtsstation der Haßberg-Kliniken am Haus Haßfurt. Das wird im Gespräch mit der Hebamme Annette Storkan deutlich, die dem Fränkischen Tag die Zahlen aus dem Kreißsaal nennt (aktueller Stand am 29. September).

Im Vorjahr habe man bis zu diesem Zeitpunkt 274 Geburten gehabt, jetzt seien es bereits 314. Und: "Unsere Schubladen mit den Geburtsanmeldungen, die sind gerammelt voll", sagt Storkan. Eine positive Entwicklung. Das sieht auch das Landratsamt in Haßfurt so: "Diese Entwicklung ist sehr schön, da freuen wir uns auch darüber", sagt Pressesprecherin Monika Göhr. "Leider sind dies aber noch immer zu wenige Geburten, um die Geburtsstation wirtschaftlich weiterzuführen."

Ein politisches Gremium des Landratsamtes hat gehörigen Einfluss auf die Zukunft der in Schieflage geratenen Haßberg-Kliniken, die ein Kommunalunternehmen sind: Der Krankenhaus-Verwaltungsrat, dessen Vorsitzender Landrat Wilhelm Schneider (CSU) ist, entscheidet quasi über "Sein oder Nichtsein" der Einrichtung. Die Klinikvorstände Wilfried Neubauer und Stephan Kolck erklärten im Mai dieses Jahres, eine Umstrukturierung zu planen, weil die Kliniken mit ihren drei Standorten Haßfurt, Ebern und Hofheim seit Jahren rote Zahlen schreiben, im Jahr 2015 belief sich das Defizit auf rund drei Millionen Euro.


Protest der Hebammen

Um der finanziellen Schieflage entgegenzuwirken, steht die Schließung des Hauses Hofheim sowie der Geburtsstation im Raum. Krankenhausmitarbeiter, insbesondere aber die in Haßfurt angestellten Hebammen, protestierten öffentlich gegen diese Pläne und feierten einen Teilerfolg: Die Schließung der Gynäkologie wurde "vertagt" beziehungsweise seitens der Entscheidungsträger an eine Bedingung geknüpft. Sollte es gelingen, die derzeitige Geburtenrate von etwa jährlich 370 auf 570 zu erhöhen, wäre ein wirtschaftlicher Betrieb möglich.

Die Öffentlichkeit solidarisierte sich fortan stark mit der Geburtsstation, es gab zahlreiche (auch überregionale) Medienberichte zu dem Thema. Die familiäre Atmosphäre auf der Station kristallisierte sich als Trumpf gegenüber größeren Kliniken (Stichwort "Massenabfertigung") heraus, und viele werdende Mütter kündigten unter anderem auf der Facebook-Seite "Helft den Haßfurter Hebammen" an, ihr Kind in Haßfurt gebären zu wollen. Eine gelungene PR-Aktion der betroffenen Mitarbeiter, die jetzt auch Wirkung zeigt, wie Annette Storkan glaubt: Der Anstieg der Geburtenrate ist in ihren Augen darauf zurückzuführen. Angesichts der dennoch ungewissen Lage in Hinblick auf die Zukunft sei die Stimmung unter den Kollegen "nach wie vor angespannt".


Entscheidung Anfang 2017

Wie Pressesprecherin Monika Göhr weiter mitteilt, sind bis zum Ende das laufenden Jahres zwischen 400 und 420 Geburten prognostiziert. "Die Schlüsse aus diesen Zahlen müssen letztendlich die Verantwortlichen ziehen", erklärt Göhr. "Diese werden sich aber nicht ausschließlich mit der Geburtenstation auseinandersetzen, sondern insgesamt mit der Situation der Haßberg-Kliniken."

Wie es also insgesamt weitergeht, soll im Januar oder Februar 2017 entschieden werden. "Wir müssen damit rechnen, dass wir im Jahr 2016 - wie prognostiziert - ein Minus in Höhe von drei Millionen Euro aufbauen", erklärt Göhr. Klinikvorstand Wilfried Neubauer sagte zudem, Mitte Oktober würden Führungsverantwortliche zu einem internen Gespräch zusammenkommen, um die Entwicklungen der vergangenen Monate zu bewerten. Eine Entscheidung werde aber noch nicht getroffen.