Der Auslöser der Auseinandersetzung war, wie das Polizeipräsidium Unterfranken in Würzburg am Freitag mitteilte, offenbar die Tatsache, dass zwei Brüder, die als Matrosen angeheuert hatten, das Schiff verlassen wollten. Einer der beiden ging dabei sogar über Bord und landete im Wasser. Jetzt ermittelt die Wasserschutzpolizei gegen den Schiffseigner, dessen Ehefrau und einen Matrosen unter anderem wegen Freiheitsberaubung und Nötigung.

Raue Sitten

Nach dem, was sich auf dem mit 1600 Tonnen Dünger beladenen Schiff abgespielt hat, liegt laut Polizeiangaben die Vermutung nahe, dass auf See offenbar raue Sitten herrschen. Abgespielt hat sich der Vorfall in der Schleuse Knetzgau gegen 13 Uhr. Zwei 26 und 32 Jahre alte Brüder aus Rumänien hatten beschlossen, das Schiff zu verlassen. Damit war der 48-jährige Schiffseigner allerdings nicht einverstanden. Trotzdem waren die beiden Rumänen offenbar fest entschlossen, in die Heimat zurückzukehren. Das Brüderpaar gab als Grund eine Erkrankung der Mutter an.

Während einem der Männer der Ausstieg an der Schleuse bereits gelungen war, gestaltete sich dieses Vorhaben für seinen Bruder als wesentlich schwieriger. Seinen Angaben zufolge wurde er daran gehindert, seine Kajüte zu verlassen, als er dort noch einen Laptop holen wollte.

Die Türe zugehalten

Hierbei sei ihm, so schilderte er der Polizei, von der 42-jährigen Ehefrau des Unternehmers und einem 20-jährigen Matrosen die Türe zugehalten worden. Als er es dann trotzdem ins Freie geschafft hatte, wurde er nach seinen Angaben vom Schiffsführer und dem Matrosen über Bord geworfen. Der 26-jährige Rumäne, der das unfreiwillige Bad im Main unbeschadet überstand, schwamm zu der etwa zehn Meter entfernten Kraftwerksinsel, wo ihn ein Sportbootfahrer aufnahm und zur Schleuse brachte.

Danach wurde die Polizei verständigt. Als erstes traf eine Streifenbesatzung der Haßfurter Polizei ein. Die weitere Sachbearbeitung übernahm dann die Wasserschutzpolizei Schweinfurt. Geklärt werden muss jetzt noch laut Polizei der Verbleib einer Geldbörse des über Bord gegangenen Matrosen. Das Portmonee, in dem sich einige hundert Euro Bargeld sowie diverse Papiere befanden, ist möglicherweise im Wasser gelandet und bislang spurlos verschwunden.

Mit dem Bus in die Heimat

Im Laufe des Mittwochnachmittags war die Anzeigenaufnahme dann abgeschlossen, so dass das von Rotterdam kommende Gütermotorschiff seine Fahrt in Richtung Bratislava fortsetzen konnte. Die beiden rumänischen Matrosen-Brüder blieben bei ihrer Entscheidung, das Schiff zu verlassen. Sie setzten ab Bamberg mit einem Omnibus die Reise in die Heimat fort.