"Ich freue mich schon total, mit meiner Theatergruppe in meine Heimatstadt Haßfurt zu kommen", sagt Lukas Heinrich. Der 20-Jährige ist Mitglied des "TheaterTotal" aus Bochum, das am 10. Mai (Freitag) in der Stadthalle in Haßfurt die Tragödie "Faust" von Johann Wolfgang von Goethe aufführen wird.

Seit dem Sommer nimmt Lukas Heinrich, in Haßfurt geboren und aufgewachsen, an dem Projekt "TheaterTotal" in Bochum teil. Die Schauspielerin und Regisseurin Barbara Wollrath-Kramer hat es vor 17 Jahren gegründet, um begabte junge Menschen zu fördern, damit diese ihr Können und ihre Motivation an andere Kinder, Jugendliche und Erwachsene weitergeben.

30 junge und interessierte Erwachsene zwischen 17 und 25 Jahren dürfen sich jedes Jahr zehn Monate lang in dem Projekt auf einer ganzen Bandbreite kreativer Berufe ausprobieren und Erfahrungen sammeln. Denn "TheaterTotal" heißt: Lernen durch Erfahrung. Getragen wird das Projekt vom gemeinnützigen Verein "Theater Macht Mut".


Unter 130 anderen ausgewählt

Dass Lukas Heinrich in den Kreis aufgenommen wurde, hat er seiner Liebe zu Schauspielerei, Tanz und Gesang, aber auch einem Zufall zu verdanken. "Ich wusste schon in der fünften Klasse, dass ich Schauspieler werden möchte", erzählte er in einem Interview.

"Zu singen, zu tanzen, in andere Rollen zu schlüpfen und den Applaus zu genießen, fand ich immer sehr schön." So spielte er bis zur Kollegstufe drei Jahre in der Schauspielgruppe des Regiomontanus-Gymnasiums Haßfurt. Nach dem Abitur im letzten Jahr und einem sechsmonatigen Bundesfreiwilligendienst beim Bayerischen Roten Kreuz Haßberge erfuhr er durch eine Bekannte vom "TheaterTotal". "Ich habe mich gleich dort beworben und durfte mit 130 anderen jungen Menschen an einem Workshop teilnehmen", berichtete er. "Kurz danach bekam ich Bescheid, dass ich für das Projekt 2012/2013 ausgewählt wurde und habe mich riesig gefreut."


Frisch ans Werk

Anfang September zog er nach Bochum und stürzte sich im wahrsten Sinn des Wortes in die Arbeit. "Ich hatte gehört, dass es sehr anstrengend sei und kann dies nun voll und ganz bestätigen", schilderte er. Die 16-Stunden-Tage sind ausgefüllt mit Tanz, Schauspiel, Gesang, Fechten, Zeichnen, Malen, Dramaturgie, Mediengestaltung, Entwurf und Anfertigung von Bühnenbild und Kostümen, Licht- und Tontechnik, Marketing und vielem mehr.

"Außerdem bereiten wir das tägliche Mittagessen vor, kümmern uns um den Einkauf, die Planung, das Kochen, die Verwaltung des Budgets sowie um die Pflege der Räume und des Inventars", gab er an. "Dies ist nur möglich, weil wir alle die Liebe zum Theater teilen, uns gut verstehen und mittlerweile zu einer harmonischen Gruppe zusammengewachsen sind."

Barbara Wollrath-Kramer hatte den Teilnehmern eingangs mitgeteilt, dass sie ihnen die Facetten des Schauspielens beibringen, aber ihren Kern, den sie mit einem Diamanten verglich, nicht anrühren wolle. "Denn wir sollten unsere Begabungen und Fähigkeiten durch künstlerisches, handwerkliches, wirtschaftliches und soziales Handeln in den drei Phasen des Projekts selbst entdecken", erläuterte Lukas Heinrich die Ziele. Im ersten Teil hat die Gruppe, die von professionellen Künstlern, Handwerkern, Technikern, Wissenschaftlern und Pädagogen geschult wird, eine Tanzperformance einstudiert und neun Mal mit großem Erfolg in Bochum aufgeführt.

Ab Januar 2013 beschäftigen sich die Teilnehmer mit dem "Faust". Wobei nicht nur der erste Teil, sondern auch Bilder des zweiten Teils dieses literarischen Klassikers einbezogen und für eine Abendvorstellung gekürzt werden; da übernimmt dann jeder Teilnehmer mehrere Rollen. Ab Ostern 2013 folgt eine dreimonatige Tournee durch Deutschland und die Schweiz.


Kreative mit Sinn für Organisation

"Die gesamte Organisation und Vermarktung der Tournee liegt in unserer Hand, und jeder von uns soll auch versuchen, eine Aufführung in seiner Heimatstadt zu organisieren", berichtete Lukas Heinrich. Er war froh, in Petra Lettang vom Kulturamt Haßfurt eine Ansprechpartnerin mit offenen Ohren gefunden zu haben. So hebt sich quasi der Vorhang am 10. Mai in der Stadthalle.


Workshops an den Schulen

Er und seine Kollegen wollen bei ihrem mehrtägigen Aufenthalt in Haßfurt auch ihr Wissen und ihre Erfahrungen in Workshops an mehreren Schulen, darunter an den Gymnasien in Haßfurt und Ebern sowie an der Freien Waldorfschule Haßfurt, weitergeben. "Ich hoffe, dass unser Projekt auch in meiner Heimatstadt ein Erfolg wird", gab Lukas Heinrich an. Er selbst ist überzeugt, dass das Publikum "total" begeistert sein wird.

Nach seinen positiven Erfahrungen will er mit gewachsenem Selbstbewusstsein an der Folkwang Universität der Künste in Essen, der zentralen künstlerischen Ausbildungsstätte für Musik, Theater, Tanz, Gestaltung und Wissenschaft, vorsprechen. Er will weiter unbedingt Schauspieler werden - darin hat ihn "TheaterTotal" bestätigt.