Frankreich ist nahe - nicht nur räumlich. Am Samstag nach den verheerenden Anschlägen vom Freitagabend hat ein 20-Jähriger aus Zeil, ehemals Gymnasiast in Haßfurt, eine Nachricht an seinen gleichaltrigen Freund aus Pierrelatte geschrieben. Beide hatten vor einigen Jahren am Jugendaustausch ihrer Schulen teilgenommen und waren jeweils für eine Woche am Schul-/Wohnort des Partners.

Der Zeiler wollte wissen, ob es seinem Freund gut geht, und er bekundete seine Solidarität und die Solidarität seiner Familie mit dem jungen Franzosen und dessen Familie. Die Mutter des französischen Freundes antwortete nach Zeil. Sie schrieb, dass es jetzt noch schlimmer sei als nach den Anschlägen im Januar. Sie schildert: "Man fühlt sich leer und man fragt sich, was man machen kann."

Der Landkreis Haßberge hat seit Jahrzehnten eine Partnerschaft mit dem Distrikt Tricastin in Südfrankreich. In diesem Distrikt liegen die Städte Pierrelatte, Donzeré sowie Saint-Paul-Trois-Châteaux, die enge Verbindungen zu Königsberg (Partnerschaft mit Donzeré), Eltmann (Partnerschaft zu Saint-Paul-Trois-Châteaux) sowie zu Haßfurt (Partnerschaft mit Pierrelatte wird demnächst begründet) haben. Kurt Sieber aus Königsberg, der Partnerschaftsbeauftragte des Landkreises und Vorsitzende des Freundeskreises Haßberge-Tricastin, hat engen Kontakt mit den französischen Freunden. Er weiß, dass die Menschen im Tricastin tief betroffen sind. Vorstandsmitglieder des Freundeskreises haben ebenso wie Sieber Kontakt aufgenommen. Gestern Abend fand in Pierrelatte eine Stadtratssitzung statt, bei der auch die Botschaften aus dem Kreis Haßberge zur Sprache kamen.


Im Gedanken bei den Opfern

Auch Haßberge-Landrat Wilhelm Schneider (CSU) hat ein Schreiben an die französischen Freunde gerichtet. Darin heißt es wörtlich: "Die Schreckensbilder von den blutigen Terroranschlägen in Paris in den Nachrichtensendungen machen mich sprachlos. Diese unmenschlichen, abscheulichen Taten verdeutlichen, dass die Welt auch heute nicht vom Frieden regiert wird und dass solche feigen Angriffe auf unschuldige Menschen nicht zu rechtfertigen sind. Unsere Gedanken sind bei den Opfern, bei den trauernden Familien und Angehörigen, die um das Leben und die Gesundheit ihrer Liebsten bangen, und natürlich ganz nah bei unseren französischen Freunden. Lassen Sie uns weiterhin gemeinsam am Haus Europa bauen und ein Zeichen setzen für Zusammenhalt, Demokratie und Menschlichkeit. Wir müssen alles dafür tun, dass Sie und Ihre Familien nicht in Angst und Schrecken leben müssen und dass Frieden in unsere Welt einkehrt."

Bedauern und Verbundenheit, diese beiden Begriffe nutzt Eltmanns Bürgermeister Michael Ziegler (CSU). Er hat Trauerbeflaggung angeordnet, an der Flagge von Eltmann und an der französischen Fahne wurde ein Trauerflor befestigt. "Ich habe mich als erstes heute Morgen erkundigt, ob schon jemand Kontakt mit unseren französischen Freunden in Saint-Paul-Trois-Châteaux hatte", sagt Ziegler am Montag. Er hat den Partnerschaftsbeauftragten der Stadt, Joachim Friedsam, darum gebeten, das Bedauern der Eltmanner auszurichten.

Auch in Haßfurt weht an den Fahnen ein Trauerflor: "Ich habe die Fahnen mit Trauerflor hissen lassen, um unsere Verbundenheit und unser Bedauern zu zeigen", sagt Haßfurts Bürgermeister Günther Werner (WG Haßfurt). "Pierrelatte ist von den Anschlägen nicht direkt betroffen, aber die ganze Nation befindet sich in Aufruhr und wir fühlen uns ihnen sehr verbunden", erklärt Werner.

Verbunden mit den Franzosen fühlt sich auch Claus Bittenbrünn (FW), Bürgermeister von Königsberg, das eine Partnerschaft mit Donzère hat. "Ganz Frankreich, wir im Nachbarland, ganz Europa und die westliche Welt ist schockiert. Unsere Gedanken, unsere Gefühle und unsere Anteilnahme sind in diesen Minuten bei unseren französischen Freunden", sagte er am Volkstrauertag in Königsberg.