So stand es vor wenigen Tagen im Fränkischen Tag: Über den Kellerschacht haben sich Einbrecher im Laufe des Freitagnachmittags Zutritt zu einem Einfamilienhaus in der Straße "Untere Länge" in Sand verschafft. Die Gauner richteten Schaden an und erbeuteten Schmuck und Bargeld sowie diverse Elektroartikel im Wert von mehreren hundert Euro. Danach entkamen die Einbrecher unerkannt.

In Sand haben die sogenannten Dämmerungswohnungseinbrecher die neue "Saison" eröffnet. Der Einbruch, der am Freitag, 13. November, begangen worden ist, wird in der Statistik der Polizei als erster Fall dieser Art im Landkreis aufgeführt. Die Einbrecher kommen in der Dämmerung, in der Dunkelheit, weil sie sich da sicherer fühlen.


Trauma

In Sand entstand Sachschaden und Gegenstände wurden aus dem Haus geklaut. Eine böse Erfahrung für die Bewohner.

Viel schlimmer als der materielle Schaden sind für Einbruchsopfer die psychischen Folgen. "Viele leiden noch länger unter Schlafstörungen oder Angstzuständen", sagt Helmut Eßel von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Bamberg. Der Experte rät deshalb, sich mit der Sicherung der eigenen vier Wände zu befassen. Die mechanische Absicherung, also die Sicherung von Fenstern und Türen, sei viel wichtiger als die Installation von teuren Alarmanlagen. "Einbrecher suchen nach den Schwachstellen", weiß er.

Eingebrochen werde meist über leicht erreichbare Fenster und Wohnungs- oder Fenstertüren. Und wenn hier vorgesorgt wurde, bleibt es oft beim Einbruchsversuch. Mehr als ein Drittel aller Versuche scheitert, weil Wohnungen oder Häuser gesichert sind. "Deshalb sollte man sich schon damit befassen, wenn man einen Hausbau plant", sagt Eßel, der Firmen und Privatpersonen in ganz Oberfranken berät. Für den Kreis Haßberge ist die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle bei der Polizei in Schweinfurt.

Spätestens im Herbst häufen sich die Meldungen über versuchte und tatsächliche Wohnungseinbrüche. Fast die Hälfte aller Einbrüche findet in der dunklen Jahreszeit statt, also zwischen Oktober und Januar. Die Täter schlagen meistens zwischen 17 und 19 Uhr zu.

Im Landkreis Haßberge haben 2014 die Dämmerungswohnungseinbrecher 16 Mal zugeschlagen. Ein Jahr zuvor waren es zwölf solcher Delikte und im Jahr 2012 genau 14 Fälle. Für 2015 sagt die Polizei eine steigende Tendenz voraus - vor allem mit Blick auf die Einbrüche in ganz Unterfranken, und da sind insbesondere die Ballungsräume betroffen.

So ist die Situation bei den fränkischen Polizeipräsidien:

- "Im langjährigen Vergleich zeigt sich, dass wir einen Anstieg der Wohnungseinbruchsdieb-stähle in Unterfranken verzeichnen", so der unterfränkische Polizeisprecher Peter Häusinger. Die Zahlen für 2015 zeigen derzeit ein ähnliches Niveau wie im Vergleichszeitraum im Vorjahr, in dem es zu 663 Einbrüchen kam. Der Schwerpunkt dieser Delikte liegt in Würzburg.

- "Im Vergleich zum Vorjahr war im oberfränkischen Regierungsbezirk 2014 eine Steigerung der Einbruchszahlen um 72 Fälle auf 382 Straftaten im Bereich der Wohnungseinbruchskriminalität zu verzeichnen", so Alexander Czech vom Präsidium in Bayreuth. Im laufenden Kalenderjahr bewege sich die Anzahl der Einbrüche in Oberfranken etwa auf dem Vorjahresniveau.

- In Mittelfranken gehen die Einbruchszahlen zurück, nachdem sie sich zwischen 2009 und 2014 mehr als verdoppelt haben.
In Bayern registrierte man 2014 einen Anstieg der Fälle um 28,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In diesem Jahr rechnet Innenminister Joachim Herrmann (CSU) mit einem Rückgang dieser Straftaten.


Aufmerksam sein

Die Polizei wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass auch Zeugenaufrufe bei der Aufklärung eminent wichtig sind. Beispielsweise kam bei einem Einbruch in Weismain im Landkreis Lichtenfels im April der entscheidende Hinweis von einem aufmerksamen Nachbarn. Drei Einbrecher wurden bei der anschließenden Fahndung festgenommen. "Man sollte sich nicht scheuen, die Polizei anzurufen, wenn man verdächtige Personen oder Fahrzeuge gesehen hat", sagt Eßel.

Wichtig ist: Sofort die 110 anrufen und nicht warten oder noch eine Nacht darüber schlafen, ehe man sich dazu entschließt, die Polizei einzuschalten. Peter Neder, Chef der Polizei in Haßfurt, rät, lieber einmal mehr bei verdächtigen Wahrnehmungen bei der Polizei anzurufen als einmal zu wenig. Er weiß: Ohne die Hilfe der Bevölkerung geht es nicht. Die Polizei zeigt zwar Präsenz, kann aber nicht überall sein.


Gut aufgestellt

Die Haßfurter Polizei sieht sich laut Neder gut aufgestellt, um gegen solche Delikte vorzugehen. Streifen seien zu den tatrelevanten Zeiten unterwegs, die Kontrollen würden verstärkt und die Bevölkerung informiert, betont Peter Neder.

Auch die Nachbarschaftshilfe, beispielsweise wenn man in den Urlaub fährt, ist laut Polizei wichtig, um die Einbrecher abzuschrecken. "Niemand sollte sich scheuen, einen Fremden in Nachbars Garten einfach anzusprechen oder bei entsprechenden Beobachtungen umgehend per Notruf 110 die Polizei zu verständigen", rät Alexander Czech vom Polizeipräsidium Oberfranken in Bayreuth.