Ein Nürnberger macht einen Ausflug. Er fährt mit dem Zug aus seiner Heimatstadt über Bamberg nach Ebern. Dort, in der Umgebung der ehemaligen Kreisstadt, sieht er sich alte Burgen und Ruinen an. Er kehrt zur Brotzeit ein und fährt wieder nach Hause.

Was sich auf den ersten Blick ganz normal anhört, ist auf den zweiten Blick der Teil einer politischen Strategie. Die Bahnstrecke Bamberg-Ebern ist nämlich vor einigen Jahren in den Verkehrsverbund für den Großraum Nürnberg und damit in die Metropolregion Nürnberg aufgenommen worden. Der Landkreis Haßberge ist ein Teil der Metropolregion und profitiert von ihr und ihren Bemühungen um das Zusammenwachsen der Gemeinden, Städte und Kreise in der ganzen Region.

"Ich bin froh", sagte Landrat Rudolf Handwerker (CSU) am Montagnachmittag in der Sitzung des Kreistages, der in Haßfurt im Landratsamt tagte, dass der Kreis Haßberge zur Metropolregion gehört. Es tue sich sehr viel, sagte er, und der stellvertretende Landrat Bernhard Ruß (SPD) bestätigte: Die Metropolregion sei eine dynamische Organisation.

In den sieben Jahren seit der Gründung (2005) seien rund 60 Projekte verwirklicht worden, beschrieb Christa Stanndecker, die Geschäftsführerin der Metropolregion, die bisherige Arbeit. Das sei sehr viel, sagte sie vor dem Kreistag. Stanndecker gab dem 60-köpfigen Gremium einen Überblick über die Arbeit, Aufgaben, Ziele, Strukturen und Erfolge der Metropolregion.

Sie versicherte dem Kreistag, dass sie gerne in den Landkreis Haßberge komme. Das sagte sie nicht nur aus Freundlichkeit, sondern wollte damit zum Ausdruck bringen, dass der unterfränkische Landkreis zwar weit weg von Nürnberg liege, mit seinem Beitritt aber näher an die Stadt mit der Burg herangerückt sei.


Kooperation "auf Augenhöhe"

Worum geht es der Metropolregion? Basis aller Überlegungen ist, dass einzelne Städte, selbst wenn es Großstädte wie Nürnberg sind, im Reigen der Metropolen dieser Welt kaum wahrgenommen werden. Aber eine gesamte Region mit 3,5 Millionen Einwohnern und einer Wirtschaftskraft, die so groß ist wie die von Tschechien und Ungarn, mache dagegen sehr wohl auf sich aufmerksam. Anfangs als politische Organisation gedacht, richte sich die Strategie immer mehr auf wirtschaftliche Zusammenarbeit. Wichtig sei, versicherte die Geschäftsführerin dem Kreistag, eine Kooperation "auf Augenhöhe" - der Bürgermeister einer kleinen Gemeinde habe genauso viel zu sagen wie der Oberbürgermeister von Nürnberg.

Die Metropolregion wolle ihren Raum positionieren und bekannt machen. Ohne Kooperation gehe das nicht. "Wenn wir mitspielen wollen auf der internationalen Bühne, dann müssen wir uns zusammentun. Sonst werden wir nicht wahrgenommen", sagte Christa Stanndecker. Konkurrenten seien nicht andere kleine Städte oder Landkreise, sondern die Mega-Citys dieser Welt.

Die Metropolregion punktet nach ihren Worten nicht mit einer starken Stadt, sondern mit der Vielfalt des Raumes. Die Metropolregion bestehe nicht nur aus Nürnberg, sondern auch aus vielen kleinen Orten, Städten, Gemeinden und Kreisen und deren Besonderheiten. Die Kultur Bambergs und Bayreuths gehöre ebenso dazu wie kulinarische Vielfalt oder der Weinbau. "Wir sind das Netz mit vielen starken Knoten", beschrieb sie den Charakter der Metropolregion Nürnberg.


Einbindung in Verkehrsverbund

Es gehe darum, die "Schätze vor der Haustür" zu heben und bekannt zu machen über eine starke Gemeinschaft, sagte die Rednerin. "Dafür werben wir", erläuterte sie, und dafür würden Projekte angestoßen. Zum Beispiel die Einbindung einzelner Bahnstrecken in den Verkehrsverbund des Großraums.

Dazu gibt es einen konkreten Wunsch im Landkreis Haßberge: Auch die Strecke Bamberg-Haßfurt soll in diesen Verkehrsverbund eingebunden werden, wie Kreisrat Emil Däschner und stellvertretender Landrat Bernhard Ruß (beide SPD) unterstrichen. Das steht auch auf der Agenda, entgegneten Landrat Handwerker und Christa Stanndecker. Allerdings müssten dazu "dicke Bretter gebohrt" (Stanndecker) und sehr "viel gerechnet" (Handwerker) werden. Sie baten um Geduld. Der Landrat könnte sich vorstellen, dass der Kreis 2014 oder 2015 dabei ist.

Die Metropolregion Nürnberg ist eine freiwillige kommunale Allianz. Ihr gehören 22 Landkreise und elf kreisfreie Städte an. Der Landkreis Haßberge zählt dazu - als einziger Landkreis in Unterfranken neben dem Landkreis Kitzingen.

Die Metropolregion ist 2005 gegründet worden. Auf ihrem Gebiet, das weite Teile Frankens und der Oberpfalz umfasst, leben rund 3,5 Millionen Einwohner. Die Fläche beträgt 21 348 Quadratkilometer.

Die Metropolregion erbringt eine Wirtschaftsleistung von 110 Milliarden Euro. Das entspricht der Wirtschaftsleistung von Ungarn oder Tschechien. Die Exportquote der Unternehmen in der Metropolregion liegt bei knapp 50 Prozent.