Es ist ein riesiger Skandal. Ein Urteil gibt es noch nicht, aber die Vorwürfe wiegen schwer, und die US-Justizbehörde als Anklageerheberin hat offenbar erdrückende Beweise dafür, dass Funktionäre des im schweizerischen Zürich angesiedelten Weltfußballverbands Fifa (Fédération Internationale de Football Association) seit Jahrzehnten Schmiergelder in Millionenhöhe annehmen, Geldwäsche betreiben und andere korrupte Machenschaften an den Tag legen. Deswegen wurden am Mittwoch sieben Fifa-Funktionäre auf Gesuch der US-Justiz von der Schweizer Polizei in Zürich festgenommen.

"Nur sieben?", fragt erstaunt Stefan Wacker aus Zeil. Der Fränkische Tag hat eine kleine Umfrage gestartet und wollte von Menschen im Haßberg-Kreis wissen, was sie zu dem Verbands-Skandal sagen. Dass sie den Oberboss der Fifa, Sepp Blatter, nicht auch verhaftet haben, das wundert Stefan Wacker schon, aber "der hat wohl seine Schäfchen schon im Trockenen", vermutet er. Gut möglich, dass es sich bei den verhafteten Personen um die Bauernopfer handelt, die im Fall der Fälle ans Messer geliefert werden, damit viel tiefer sitzende kriminelle Strukturen unbehelligt bestehen bleiben oder sogar weiter ausgebaut werden können.

Geld, Geld und noch mehr Geld
Dass sich aber jemand an die Fifa herantraut, das findet Wacker gut. "Endlich haben sie es mal aufgedeckt." Dass die Funktionäre unschuldig sind, "das glaube ich nicht. Dreck am Stecken haben sie mit Sicherheit." Wenn so viel Geld im Spiel ist wie im Fußballgeschäft, ist die Gier oft nicht weit. Und viel Geld ist laut Wacker zum Fenster hinausgeworfen worden: Eine Weltmeisterschaft in ein strukturschwaches Land vergeben, ein neues Stadion in den Urwald bauen und dann nach dem Turnier dabei zusehen, wie es langsam wieder zerfällt - die Fifa kümmert das offenbar nicht. "Hätten sie lieber ein Krankenhaus gebaut", sagt Wacker mit Blick auf die vergangene WM in Brasilien.

Für Werner Schwarz aus Breitbrunn steht fest: "Die ganze Fifa gehört neu aufgebaut." Mit der jetzigen Struktur könne das nicht besser werden, die Machtgier sei einfach zu groß beim Fußballweltverband. Die Funktionäre seien nicht wegen des Sports an ihrer Tätigkeit interessiert, sondern wollen an das Geld ran, noch dazu auf illegalen Wegen. "Die gehören alle eingesperrt", sagt Schwarz. "Das sind alles Gauner." Überrascht von den Vorwürfen war er keineswegs, die Vermutungen standen ja schon seit Jahren im Raum, und es gab viele Hinweise dafür, dass die Fifa mafiaähnliche Strukturen aufweist, wie auch US-Justizministerin Loretta Lynch diesen Vergleich bereits zog. Der Ebelsbacher Heinz Spart hat so seine Zweifel, ob die jetzigen Ermittlungen dazu führen, dass sich bei der Fifa etwas ändert. "Die machen sowieso, was sie wollen. Die Großen werden verschont, weil sie es sich leisten können."

Nur ein kleiner Teil
Bernd Keß aus Bamberg, den wir in der Zeiler Innenstadt treffen, ist sich sicher, dass die Ermittlungen nur einen kleinen Teil der kriminellen Machenschaften zu Tage fördern werden. "Da hängen doch politische Köpfe auch mit drin. Sonst ist das doch gar nicht möglich." Wie viele Briefumschläge, bestückt mit reichlich Bargeld, in irgendwelchen Hinterzimmern überreicht worden sind und an wen, das wird wohl zu großen Teilen für immer im Dunkeln bleiben.