Seit 20 Jahren gibt es jedes Jahr in Königsberg Graf-Waldersee-Konzerte. Sie erinnern an Paul Graf von Waldersee, der in seiner etwa 20-jährigen Tätigkeit im Haus am Salzmarkt, dem jetzigen katholischen Pfarramt, wohnte und sich dort musikwissenschaftlich betätigte. Waldersee hat sich als ausgezeichneter Kenner und Mitherausgeber der Werke Mozarts große Verdienste erworben. Zu seinen Leistungen gehört die Bearbeitung der zweiten Auflage des Köchelverzeichnisses und die Herausgabe der Werke Friedrich des Großen. Sein Name hat im Mozarteum Salzburg einen würdigen Platz erhalten.

Geboren wurde Paul Graf von Waldersee am 3. September 1831 in Potsdam. Seine Familie, aus Dessau stammend, war 1786 in den preußischen Adelsstand erhoben worden. Ebenso wie seine Vorfahren trat er nach der Schulzeit in die preußische Armee ein.

Musikalische Begabung

Schon beim Militärdienst bewies er musikalische Begabung. Am 27. August 1869 gab er als Hauptmann im Neuen Palais Berlin ein Konzert, das bei Friedrich III. Wilhelm, dem Kronprinzen, und der Kronprinzessin Victoria von Großbritannien (aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha) einen tiefen Eindruck hinterließ.

1871 nahm er als Major seinen Abschied. Wenn man bedenkt, dass die Offizierslaufbahn gerade in dieser Zeit am preußischen Hof "Glanz und Gloria" bedeutete, war dieser Schnitt eine echte Entsagung, zumal die Familiengeschichte dann von ihm bis 1955 keine Notiz mehr nahm.

Vielleicht hat sich der sensible Künstler Paul Graf von Waldersee in der kleinstädtischen Idylle von Königsberg, in die er aus der Großstadt flüchtete, geborgen gefühlt. Obwohl in Potsdam geboren, wurde der "Musengraf" ein Königsberger. Er starb hier am 14. Juni 1906. Der Stadt vermachte er einen Teil seiner Musikbücher. Sie übernahm dafür die Pflege seines Grabes. Auf seinem Grabstein steht geschrieben: "Und wenn Du eine Quinte siehst, so sag, ich laß sie grüßen!"

Klassiker im Programm

Werke für Klarinette, Viola und Klavier von Carl Reinecke und Wolfgang Amadeus Mozart standen auf dem Programm. Auf diese ungewöhnliche Zusammensetzung und vor allem auf den weniger bekannten Komponisten Reinecke (1824-1910) ging Ralph Braun, Solocellist am Landestheater Coburg und Mitorganisator des Konzertes, unter anderem in seinen einführenden Worten ein.

Mit dem Trio in B-Dur für Klarinette, Viola und Klavier von Reinecke wurde das Konzert begonnen. Schon hier, wie auch bei den folgenden Stücken, bewiesen alle drei Musiker nicht nur enormes technisches Können, sondern auch ihr Einfühlungsvermögen in die Werke und gegenseitige Harmonie. Es zeigte sich auch, dass die oft als ungewöhnlich erscheinende Paarung Klarinette zur Viola doch nicht so unglücklich ist und sich eine im Programm angeführte Pressestimme bewahrheitete: "...es ist diese wunderbare Altlage, diese sinnliche Klangschönheit, die der Klarinette und der Viola eigen ist".

Beeindruckend auch das sich daran anschließende Duo mit der Sonate für Klavier und Klarinette opus 120 Nr. 2 in Es-Dur von Johannes Brahms. Dabei zeigte Edgar Eichstätter, der mit zu den Urgesteinen der Graf Waldersee Konzerte gehört, dass die Klarinette ein Teil seines Lebens ist. Er verinnerlichte bei seinen Solis quasi das Allegro amabile, Allegro appassionato und Andante con moto - Allegro dieses Werkes.

Johannes Brahms stand auch als erstes Stück nach der Pause auf dem Programm. Dabei konzertierten aber in der Sonate opus 120 Nr. 1 f-Moll diesmal Klavier und Viola miteinander. Andreas Hilf bewies dabei, dass nicht nur eine Violine sondern auch die größere Viola verzaubern kann. Es war phantastisch welche Bandbreite an leisen und lauten Tönen er seinem Instrument entlockte.

Imponierender Begleiter

Imponierend auch die ausgezeichnete Leistung von Antonio Grimaldi, der am Flügel bei allen Werken des Konzertes ein ausgezeichneter sich nie in den Vordergrund drängender Begleiter war.

Ein besonders schönes Werk brachten die Künstler zum Schluss des Konzertes mit dem "'Trio in Es—Dur für Klarinette, Viola und Klavier KV 498", dem sogenannten Kegelstatt-Trio von Wolfgang Amadeus Mozart zu Gehör, welches, was aber nicht bewiesen ist, beim Kegelschieben so ganz "nebenbei" entstanden sein soll. Den Zuhörern wurde dies in keinster Weise offenbar, denn vollendet gelungen ist dieses Werk. Vollends gelungen wurde es auch vorgetragen.

Gedankt wurde den Künstlern vom zahlreichen Publikum mit lang anhaltendem Beifall, so dass zwei Zugaben unumgänglich waren. Übereinstimmend waren allen Besucher des Konzertes danach der Ansicht, dass die Graf-Waldersee-Konzerte in Königsberg auch in Zukunft fort geführt werden und nicht irgend einem Sparzwang zum Opfer fallen sollten.