"Sinn und Zweck ist die militärische und zivile Zusammenarbeit", erläuterte Hauptorganisator Stefan Finster, Feldwebel der Reserve. "Irgendwann kommt die Zeit, wo es nach dem Wegfall der Bundeswehr immer weniger Reservisten gibt", ergänzte Thomas Nicklaus, Hauptfeldwebel der Reserve, der sich für die Koordination des Tages verantwortlich zeigte.

Mit einem Bus wurden die Teilnehmer vom Schützenhaus in die freie Natur Richtung "Dülbig" gefahren. Für die militärischen Gruppen galt es, auf einem rund zehn Kilometer langen Weg sieben Stationen anzupeilen. Für die Zivilisten waren es sechs Stationen, die sich auf sieben Kilometer begrenzten. Und für die jüngsten Teilnehmer war das ganze Programm natürlich kindgerecht abgespeckt.

Auf geht's querfeldein

Den militärischen Auftrag teilte der Fahrer beim Ausstieg mit und los ging es zu Fuß entweder querfeldein oder der Straße entlang. Am "Pfeufersgarten" haben sich Chris, Steven, Edward und Alfredo (vier Soldaten der US-Army, die in Bamberg stationiert sind und neben den Kollegen aus Schweinfurt dabei waren) beim "Waffendrill" an einer russischen Kalaschnikow versucht. "It's done!", lautete der befreiende Ausruf der Boys. Die vorgegebenen fünf Minuten hatten sie eingehalten und das Gewehr tatsächlich auch richtig zusammengesetzt.

Was war jetzt schwieriger, das richtige Zusammensetzen oder die richtige Station zu finden? - "Getting around is more difficult", fand Edward: Es ist die weitaus größere Herausforderung, in der Knetzgauer Flur den richtigen Weg einzuschlagen. Und wirklich, unterwegs traf man auf eine amerikanische Gruppe, die sich tatsächlich verlaufen hatte und im Dorfkern von Knetzgau landete.

Da ist es offenbar von Vorteil, dass die Bundeswehr auf altbewährte Mittel vertraut und neben den modernen elektronischen Hilfsmitteln traditionell in Kompass- und Kartenlesen ausbildet. Vielleicht bleibt das den amerikanischen Soldaten vorbehalten? Uwe Hau aus Untereuerheim vermutete das. Mit seinem selbst hergerichteten Oldtimer-Jeep Baujahr 1979 überwachte der Reservist den Marsch und warf ein Auge auf den Ablauf.

Nächste Station, zweieinhalb Kilometer entfernt: Per Dauerlauf gingen die militärischen Gruppen sie zur Zeitverbesserung an. Hier demonstrierte Christian Emmert, Vorsitzender der Knetzgauer Reservistenkameradschaft, wie man in liegender Position eine Handgranate wirft. Für die Zivilisten gab es einen neutralen Wurfkörper. Und die Kids konnten sich hier einen Bonus gutschreiben lassen. "Es ist schön", fand Lukas Schmauser. Der Achtjährige war schon im letzten Jahr beim Bürgermarsch dabei. Da fand er nicht nur die Aufgabenstellung interessant sondern auch das Suchen nach Hinweisschildern beim Laufen in der Natur.

Lukas war mit seiner "Gründleinsgang", also mit beiden Hannes, dem Max und dem Emilian. Unterstützung bekamen die Buben von der Erwachsenengruppe des TSV Knetzgau III. "Wir haben Trinkflaschen, Proviant und Nervennahrung in süßer Form für schlechte Zeiten dabei", erzählte Jürgen Schmauser schmunzelnd. Die Kids freuten sich vor allem auf das Darten als Abschluss - für Erwachsene bildete das Luftgewehrschießen den Abschluss - und auf eine Medaille und Urkunde, die es am Abend zur Belohnung im Garten des Schützenhauses gab.

An jeder Station wartete der nächste Auftrag; die Wegstrecke war auf einer Karte markiert. Der militärische und zivile Weg war auf der Marschroute getrennt. So galt es etwa, an einer anderen Station einen Briefkasten mit Koordinaten zu knacken. Nach Ermittlung der Marschkompasszahl ging's lustig.

Was bietet so ein Bundeswehr-Picknick?

Während es für die Erwachsenen beim "Leben im Felde" galt, ein Feuer anzufachen, konnten sich die Kinder bei einem Picknick a lá Bundeswehr mit einem "EPa"-Paket verköstigen. Mit einer Batterie und einer Stahlwolle versuchten sich die "Pamas" (Mamas und Papas) am schnellstmöglichen Feuerentfachen.Magnesiumstein, Zündstein und Lupe standen zur Verfügung, um den Funken überpringen zu lassen. Der dreineinhalb Monate alte Mika dürfte dort wohl der jüngste Teilnehmer gewesen sein. Mama Diana trug ihn im Schultertuch mit.

Katastrophenhelfer zeigen ihre Bandbreite

Aber auch Feuerwehr, Rotes Kreuz und Wasserwacht waren mit im Boot, um ihre Aufgaben im Katastrophenfall anschaulich zu demonstrieren. In den Räumen am Atemschutzzentrum galt es, mit einem 25 Kilogramm schweren Spreizer drei Tischtennisbälle in einen Behälter zu transportieren, ohne dass der Ball kaputt geht. "Mit diesem Spreizer werden bei einem Unfall die Fahrzeuge geöffnet", erklärte Ralf-Peter Schenk, der Kommandant der Knetzgauer Feuerwehr. Mancher Teilnehmer war doch erstaunt, wie schwer so ein Gerät ist.

Einen Grillunfall mit Stichflamme und Verbrennungen am linken Arm und linker Gesichtshälfte demonstrierte das Rote Kreuz an einer weiteren Station. Die Versorgung der Verletzen, Notruf absetzen, Gefahrenquelle außer Reichweite bringen, Betreuung und Schocklage der Verletzten und Brandwunden kühlen - so lautete der Arbeitsauftrag. Für Kinder etwas abgespeckt mit Fragestellung und praktischer Unterweisung im Anlegen von Verbänden. Spektakulär und äußerst authentisch warteten an dieser Station die beiden "Opfer" Udo Männling und Jan Hellmuth. Ihre "Brandwunden" auf Grundlage von Speisegelantine sowie roter und schwarzer Schminke waren ganz fürchterlich gut erkennbar.

Weiter am Main entlang über die Staustufe zum gegenüberliegenden Mainufer musste der Fluss mit einem Schlauchboot überquert werden, um wieder zum Ausgangspunkt am Schützenhaus zu gelangen. Mit 57 Sekunden zeigten sich Bürgermeister Stefan Paulus und seine Stellvertreter Willi Fuß und Bernhard Jilke bei der vorgegebenen Zeit von einer Minute als richtig gutes Team. So sammelten sie Zusatzpunkte.
Nicht ganz einfach, den Main zu überqueren - das fanden alle drei außer Atem nach der geglückten Landung. Denn man musste so paddeln, dass das Boot am selben Punkt an der gegenüberliegenden Seite ankommt, ohne von der Strömung abgetrieben zu werden.

Die Wasserwacht vor Ort sorgte für die Sicherheit auf dem Wasser und für den Rücktransport des Schlauchbootes. Es stieß so mancher Teilnehmer bei den einzelnen Stationen an seine Grenzen. So hatte das Bürgermeistertrio das Handgranantenwerfen Punkte gekostet. Aber als friedliebende Bürgermeister lag den Dreien diese Disziplin wohl nicht so besonders.

Der Spaß war auch wichtig

Nach dem Motto "Dabeisein ist alles" besaß der Marsch schon auch einen gewissen Spaßfaktor, etwa für die "Wolfspudel". Für die drei Frauen und vier Männer aus dem Landkreis fanden es interessant, in die Welt des Militärs einzutauchen. "Man bekommt zu sehen, was Feuerwehr, Rotes Kreuz, Wasserwacht und Bundeswehr so alles machen", meinte der 25-jährige Alexander anerkennend. Er fand es gut, dass es so was gibt und das auch noch kostenfrei. In der Wildnis könnten die sieben jungen Leute allerdings nicht überleben, wie Cati schmunzelnd anmerkte. Denn trotz simpler Hilfsmittel war es ihnen nicht gelungen, ein Feuer zu entfachen. Das Bootfahren bei hochsommerlichen Temperaturen und das Luftgewehrschießen war der größte Favorit der "Wolfspudel", die sich vor allem auf des Spanferkel bei der Siegerehrung am Abend freuten.