Wenn die Schornsteine der Fabriken den Wipfeln der Bäume weichen, Brücken nicht mehr über Straßen sondern über unendliche Seen führen und das Reh zu einem Elch wird, dann ist man im Herzen Finnlands angekommen. Oder, wie es die Schüler an Ende des Besuchs ihrer Partnerschule in der kleinen Gemeinde Pertunmaa, 150 Kilometer von Helsinki entfernt, im Südosten Finnlands, zusammenfassten: "Mein Haus, meine Sauna, mein See".

Sauna, See und Sehnsucht

Gemeinsam mit Vera Paulus und Lehrer Roland Mayer ging es für sieben Schüler nun zum ersten Schüleraustausch bei der finnischen Partnerschule in Pertunmaa, einer Gemeinde mitten in der finnischen Seenplatte. Die Schüler lernten, untergebracht bei verschiedenen Gastfamilien, vieles von der finnischen Lebensweise kennen: Es wurde in der Sauna geschwitzt, im kalten Wasser der finnischen Seen gebadet, mit einem Aufsitzrasenmäher oder einem Quadfahrer im Gelände gecruist.

Einen Einblick in den finnischen Schulalltag gab es natürlich auch: Im Deutschunterricht wurden die Knetzgauer interviewt und nach ihrer Familie, ihrem Freizeitverhalten und ihren Lieblingsfächern in der Schule befragt. Da die Finnen kurz vor den Sommerferien stehen, war mancher Unterricht eher locker gestaltet. Und so vergnügten sich die Schüler auf dem angrenzenden See mit Ruderwettbewerben - wobei die Knetzgauer ihren finnischen Gastgebern großzügig den Sieg überließen.

Dafür staunten die Schüler aus Pertunmaa nicht schlecht, als die Knetzgauer beim Angeln innerhalb kürzester Zeit mehrere Fische aus dem See zogen. Emily Senz hatte die meisten Fische am Haken. Ihr Freund, so erzählt sie, hatte ihr das Angeln beigebracht.

Am dritten Tag ging es nach Helsinki. Nach dem Sightseeing stand auch ein wenig Politik auf dem Programm: Die Schüler nahmen an einer Sitzung in Eduskanta, dem finnischen Parlamentzum, zum Thema Entwicklungshilfe, teil. Anschließend wurden sie von dem Abgeordneten Jari Leppä aus Pertunmaas empfangen.
Im Vergnügungspark Linnanmäki konnten die Schüler wieder ein wenig abschalten und bei einer Wanderung durch den Naturpark Repovesi schließlich die atemberaubende wald- und seenreiche finnische Landschaft bewundern. Unter Führung einer Naturparkrangerin ging es auf schmalen Pfaden und steilen Stiegen bergauf und -ab durch den Park, mit einem Floß wurde der See überquert, der Rückweg führte über eine zehn Meter hohe, luftige Hängebrücke.

Dann hieß es Abschied nehmen von Pertunmaan Yhtenäiskoulu - jeder Schüler mit seinen ganz eigenen finnischen Erfahrungen im Gepäck: sei es die Begegnung mit einem Elch vor dem Haus, einer Schlange auf dem Weg oder besonders gastfreundliche Familien, nette Gastschüler und freundliche Lehrerinnen. Philipp Ender hatte dann auch praktische Kenntnisse vorzuweisen: "In diesen paar Tagen habe ich mehr Englisch gelernt als in der Zeit vorher." Laura Baiersdorfer bedauerte, dass ihr Englisch nicht noch besser sei, um sich noch intensiver mit ihrer finnischen Gastschülerin unterhalten zu können. Finnland sei, so Baiersdorfer ein sehr interessantes Land und "ganz anders als Deutschland", weil es weniger Industrie und weniger Besiedelung gebe. Die schönen Häuser um die Seen haben ihr es besonders angetan. Allein, "das Shoppen in Finnland ist viel teurer als bei uns."
Am Ende waren sich alle einig: Sie würde sich sofort wieder für einen Schüleraustausch anmelden.