Der Schmied ist einer der ältesten Berufe der Menschheitsgeschichte. Schmiede wurden früher nicht nur als Waffen-, Werkzeug- und Gerätehersteller geschätzt, sondern heute noch als Universalhandwerker. Es gibt Schmiede, die nicht nur moderne Techniken, sondern vor allem fundiertes, historisches Fachwissen haben.

Zu ihnen gehört Fred Schmalz, Schlossermeister mit kleinem Handwerksbetrieb in Knetzgau. Sein Wissen gibt der 64-Jährige gerne weiter. Dies war ihm auch eine lange Reise in den Ural wert, wo er einer Einladung zum internationalen Schmiede-Treffen folgte. Mit ihm reiste sein Geselle Timo Kerzinger. Sowohl Meister als auch Geselle zeigten sich tief beeindruckt von der Teilnahme am internationalen Schmied-Festival "Gornilo Svaroga".
Austragungsort für das internationale Festival war die russische Millionen-Metropole Perm, an der Grenze zwischen Europa und Asien am westlichen Rand des Urals gelegen. Perm wird auch als Russlands heimliche Kulturhauptstadt bezeichnet und ist 1150 Kilometer Luftlinie von Moskau entfernt. Jahrzehntelang war die Stadt vor allem als Rüstungsschmiede bekannt. Seit einigen Jahren orientiert sich die Stadt nun neu und hat die Kunst als Anziehungspunkt entdeckt.

Er hatte sich qualifiziert

Das Schmiede-Treffen war einer der Höhepunkt zur Veranstaltung "Jahr der Kultur in Russland". Auf die Ausschreibung zu dem Treffen war der Knetzgauer Handwerker beim Schmökern in der Fachzeitschrift "Hephaistos" gestoßen. Ausschlaggebend dafür, dass Fred Schmalz an dem Treffen teilnehmen konnte, war, dass er mehrere internationale Preise gewonnen hatte. Vor allem mit seinem Anschauungsmaterial konnte der Schmied überzeugen: von ihm angefertigte Messer aus Damaszenerstahl. Außerdem war der Veranstalter bestrebt, für das internationale Schmied-Festival neben den Fachleuten aus dem eigenen Land und der Ukraine auch Deutsche einzuladen. Fred Schmalz und sein Geselle vertraten mit einem weiteren Teilnehmer voller Stolz das deutsche Schmiedehandwerk.

Unter dem Motto "Perm ist das Schmiede-Tor Europas" öffneten die Festival-Veranstalter symbolisch das Tor von Europa nach Asien. Um ein internationales Flair zu vermitteln, war es den Festival-Teilnehmern ermöglicht, ihre Stadt oder Gemeinde mit einem eigenen Schmiede-Symbol zu vertreten. So hatte Fred Schmalz, der für die Christliche Wählergemeinschaft am Ratstisch im Knetzgauer Rathaus seine Stimme erhebt, das Gemeindewappen aus Messing und Emaille selbst angefertigt und so seine Heimatgemeinde im Ural bekannt gemacht. Das Wappen mit Schelch, Dreiberg, Buchenblatt und Weintraube ziert nun, installiert in einem überdimensionierten Hufeisen, den Flughafen von Perm und erinnert an das Treffen.

Willkommener Austausch

Trotz des schlechten Wetters mit heftigen Regenfällen und kalten Temperaturen kamen viele Besucher zu dem Schmied-Symposium. Jeder Teilnehmer durfte seine eigenen Ideen einbringen, und so war das Treffen ein offener Erfahrungsaustausch.
"Ich habe mit einem kleinen Hammer gearbeitet", berichtet der Knetzgauer Schmied. Das war mit seinem nur 1,5 Kilogramm leichten Hammer möglich. "Ich habe bewusst kleine Teile geschmiedet, die nicht größer als fünf Zentimeter waren", sagt Schmalz. Die Russen arbeiteten mit einem Hammer, der weitaus mehr Gewicht hatte. Umso mehr zeigten sich die Kollegen fasziniert, wie Fred Schmalz mit viel Gefühl unter anderem eine zwei Zentimeter kleine Maus aus Eisen mit Ohren und allem Drumherum in kürzester Zeit gefertigt hatte. Denn schnell musste das Eisen im heißen Feuer geschmiedet werden, bevor es erkaltet war.

"Es war ein unglaubliches Erlebnis", schwärmt Schmalz, der vor allem von der Gastfreundschaft der Russen überwältigt war. Die Knetzgauer Delegation durfte bei der Eröffnungszeremonie sogar in vorderster Reihe mit einmarschieren. Außerdem wurden sie mit sehr viel Ehre bedacht, womit beide nicht gerechnet hätten. "Es fiel keine negative Äußerung der Russen über Deutschland", sagt Schmalz.

Die russische Gastfreundschaft genossen

Auch Geselle Timo Kerzinger war überwältigt von so viel Gastfreundschaft. Für den Gesellen war es der erste Flug überhaupt, wie er berichtet. Vor allem die Geselligkeit am Abend wurde mit den anderen Teilnehmern gepflegt. Verständigungsbarrieren glichen zur Seite gestellte Dolmetscherinnen perfekt aus. Denn die Rundumversorgung der ausländischen Gäste inklusive Flug, Verpflegung und Unterkunft ging auf Kosten des Gastgebers, der russischen Partei.