2002 wagte der Industriemeister den Sprung in die Selbstständigkeit, heute bietet er 38 Beschäftigten (darunter vier Auszubildende) einen Arbeitsplatz.

"Wir sind die Hybrid-Lösung" sagt Reiner Renner im Gespräch mit unserer Redaktion. Damit meint er die Verbindung von Schlosserei und Maschinenbau. Er arbeitet als Dienstleister eng mit der Großindustrie zwischen Bamberg und Schweinfurt zusammen.

Konjunkturelle Schwankungen

Doch das allein wäre ihm zu unsicher. Gerade die Autozulieferer sind starken konjunkturellen Schwankungen unterworfen. "Im vergangenen Herbst hat man das wieder gemerkt," so Renner. Deshalb nutzt er die Potenziale seines hochqualifizierten Teams, um weitere Geschäftsfelder zu bedienen.

Über Einzelaufträge kam er zum Maschinenbau, kleine, feine "bedarfsgerechte Sonderlösungen" entstanden in der Werkstatt in Knetzgau. Aus dem Zweig wurde mittlerweile das zweite Standbein der Firma. Erst vor wenigen Tagen verließ wieder eine Spezialmaschine die Schlosserei, die ihre Wurzeln in Fatschenbrunn hat.

Direkt neben dem Wohnhaus

Dort steht neben dem Wohnhaus der Familie Renner die "alte Werkstatt". Hier begann 1996 alles, zunächst nebenberuflich. Dann hatte Renner die Möglichkeit, ein Firmengelände mit vorhandenen Gebäuden im Knetzgauer Industriegebiet zu erwerben. Beim Einzug waren noch großzügige Platzreserven vorhanden, die inzwischen aber alle gebraucht werden.

Einen Monteur entsandte er im letzten Jahr für Montagearbeiten nach China, auch in die Türkei wurde eine Maschine geliefert.

Großen Wert legt Renner auf Qualifikation und Qualität. Er erfüllt zahlreiche Industrienormen, unter anderem hat er die Iso 9001-Zertifizierung. Neuerdings ist sein Betrieb zertifiziert, Sicherheitsprüfungen für Regale nicht nur durchzuführen, sondern auch nachträglich Dokumentationen für bestehende Anlagen zu erstellen. Renners Qualitätsanspruch hat ihm im letzten Jahr die Auszeichnung als Vorzugslieferant der Firma Bosch eingebracht - das schaffen nur wenige Betriebe seiner Größenordnung.

Auch in der Schweißtechnik werden höchste Anforderungen erfüllt. So entstehen bei Renner seit einiger Zeit Grundgerüste für Industriemaschinen, hier wird besondere Qualität gefordert.

All das ist nur möglich mit qualifizierten und engagierten Mitarbeitern, so Renner. Alle im Betrieb sind Facharbeiter, ein Drittel Techniker oder Meister. Zwei seiner bisherigen Gesellen schlossen im vergangenen Jahr die berufsbegleitende zweieinhalbjährige Meisterausbildung ab. Markus Hümmer und Michael Gansert sind stolz auf den gelungenen Abschluss. Sie arbeiten gern in einem mittelständischen Betrieb.

Hümmer kam aus der Großindustrie, doch bei Renner kann er sein berufliches Können besser zeigen. Er wie Reiner Renner selbst ermutigt alle Auszubildenden, bei der Stange zu bleiben und dem Handwerk die Treue zu halten. "Um ein richtig Guter zu werden, braucht ein Schlosser nach der Ausbildung noch ein paar Jahre", so Renner.

Schnelles Geld besser?

Leider folgten manche lieber dem Ruf des schnellen Geldes, auch wenn das vielleicht einen unsicheren Zeitvertrag und Schichtarbeit bedeutet. Im mittelständischen Handwerksbetrieb hingegen ist die feste Anstellung die Regel.

Und wenn es was zu feiern gibt, dann backt Chefin Agnes Renner einen Kuchen und richtet Brotzeit für alle. So etwa dieser Tage, als es wieder einmal gute Nachrichten von der Handwerkskammer gab. Azubi Dominik Gernert schloss die Ausbildung zum Metallbauer Fachrichtung Konstruktionstechnik als Innungsbester ab. Vier Auszubildende machten bisher bei Renner den Gesellenbrief, drei davon als Beste der Metall-Innung Schweinfurt-Haßberge. "Irgendwas scheinen wir richtig zu machen", dankte Renner seinem ganzen Team.

Flexible Arbeitszeiten

Das gilt offenbar nicht nur für die Ausbildung von qualifiziertem Nachwuchs. Auch der Chef selbst scheint in seinem stetigen Bemühen, flexibel auf den Markt zu reagieren, bisher richtig zu liegen. Zwar habe man Schwankungen erlebt, doch seien die dank Arbeitszeitkonten gut abgefedert worden, erklärt Reiner Renner. Er sieht die Krise zwar noch nicht überwunden, "das dauert wohl noch ein paar Jahre", meint er mit Blick auf Zypern und andere Euro-Krisen-Staaten. Doch mit Qualität, Zuverlässigkeit und Aufmerksamkeit werde man auch die Zukunft meistern, ist er überzeugt. Deshalb hat er mit einem Groß-Bearbeitungszentrum eine große Investition ins Auge gefasst.