Als die Polizei anrückte und die kleine Marihuana-Aufzuchtanlage aushob, befand sich die Plantage noch im Aufbau. In der Küche lagen Hanfsamen auf einem feuchten Papier, um sie zum Keimen zu bringen. Etwas weiter gediehen waren die 28 kleinen Stecklinge, die die Polizeibeamten im Keller fanden. Weil der 29-jährige Züchter zu dieser Zeit unter Bewährung stand, muss er nun für drei Monate in den Knast. Dieses Urteil, das bereits rechtskräftig ist, verhängte das Amtsgericht Haßfurt in einem Strafprozess.

Wie der zuständige Kommissar im Zeugenstand aussagte, erfolgte die Hausdurchsuchung in einer Kleinstadt im Maintal am 27. Juni des letzten Jahres. Die aufgefundenen Pflänzchen waren noch so klein, dass man nicht erkennen konnte, ob es sich um ein verbotenes Kraut handelte. Deshalb kassierten die Ordnungshüter die verdächtigen Töpfe ein und gossen sie fleißig im Polizeirevier. Die ominösen Pflanzen gediehen prächtig, und nach wenigen Wochen, so der Kommissar leicht schmunzelnd, war das Ergebnis offensichtlich. Immerhin, führte er weiter aus, hätte eine spätere Ernte der Stauden im Freiland einige Kilogramm Cannabis eingebracht.

Auf Nachfrage behauptete der Beschuldigte, alles für den Eigenbedarf geplant zu haben. Der Mann war ins Visier der Ermittler geraten, weil er Kontakt mit einer jungen Frau hatte, die zuvor wegen diverser Drogendelikte verurteilt worden war. Und auf deren Handy fanden die Fahnder unter anderem die SMS-Nachrichten vom und an den Angeklagten.

Vor Gericht hinterließ der ledige Hobbygärtner nicht den Eindruck eines ausgebufften Drogendealers. Nervös und aufgeregt zappelte er mit den Füßen unterm Tisch und der Strafrichterin Ilona Conver erschien er wie das sprichwörtliche Häufchen Elend. Der Arbeitslose räumte alles ein und schilderte vor dem Amtsgericht seine desolate Lebenssituation.

In den letzten Jahren, erzählte er stockend, sei so ziemlich alles schief gegangen in seiner Familie. Zeitweise sei er obdachlos gewesen, zeitweise habe er in Notunterkünften gehaust.

Durch seine Depression bedingt, habe er sich meist zu nichts aufraffen können. Er beteuerte, sein Leben grundlegend ändern zu wollen. Momentan lebt er von Hartz IV. Mit dem Rauschgift, sagte der Mann, habe er "aufgehört".

Der Staatsanwalt Ralf Hofmann wollte es genauer wissen und fragte: Wie lange denn schon? Zwei Wochen, lautete die Antwort.

Der Vertreter der Anklage kreidete dem Beschuldigten vor allem an, dass er zum Tatzeitpunkt unter Bewährung stand. Erst im November 2012 hatte ihn das Amtsgericht in Wunsiedel zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe mit Bewährungsauflage verdonnert, weil man ihn dabei erwischt hatte, wie er Drogen ins Land schmuggeln wollte.

Vor diesem Hintergrund sah Hofmann keinen Spielraum für eine erneute letzte Chance.
Dieser Auffassung schloss sich die Vorsitzende Richterin an. Der Verurteilte muss nun damit rechnen, längere Zeit einzurücken, weil er zusätzlich auch die Ende 2012 verhängte Strafe verbüßen muss. Gleichwohl nahm der Angeklagte das Urteil des Amtsgerichts an, wodurch es sofort rechtskräftig geworden ist.