Ein kleines Auto, 2,73 Meter lang, 1,56 Meter breit, beziehungsweise dessen uneinsichtiger Besitzer, sorgen in Bischwind a. R. seit geraumer Zeit für Unmut. Seit Jahren parkt der Halter eines Smart in der Weinbergstraße, der Ortsdurchfahrt auf der Kreisstraße HAS 49, im Bereich von relativ unübersichtlichen Stellen oder im Bereich von Grundstückseinfahrten, so dass es beim Ein- oder Ausfahren der betreffenden Grundstücke Probleme gibt.
Nun haben sich Leser an unsere Zeitung gewandt und ihren Groll über den "unbelehrbaren und sturen Zeitgenossen" aus dem Eberner Stadtteil zum Ausdruck gebracht. Dieses Dilemma ist allen bekannt, der Polizei in Ebern, der Stadt, dem Landkreis Haßberge, als Baulastträger zuständig für mögliche Beschilderungsmaßnahmen an der Kreisstraße HAS 49, und vor allem auch den Bürgern aus dem kleinen Bischwind.


Kaum eine Chance

Denjenigen, die es besonders betrifft, geht das Verhalten ihres Nachbarn gewaltig "die Nase hoch." Franz Appel ist Landwirt und muss mit größeren und längeren Fahrzeugen seine Hofeinfahrt verlassen. "Wenn ich mit meinem Traktor und einem Anhänger oder einem Anbaugerät meine Hofeinfahrt nach links verlassen möchte, habe ich keine Chance, wenn der Smart auf der Straße in der Nähe der Einfahrt geparkt ist. Deshalb muss ich rechts raus fahren, im Dorf wenden, um dann in Richtung Leuzendorf oder Brünn fahren zu können", sagt er im Telefongespräch verärgert. Nicht anders ergehe es seinen einigen Metern oberhalb wohnenden Nachbarn, deren Zu- oder Abfahrt vom Grundstück durch den Smart erheblich eingeengt ist. "Mit etwas gutem Willen wäre das zu lösen", findet der Landwirt.

"Das Fahrzeug parkt meistens korrekt beziehungsweise so, dass ein Verstoß gegen die Straßenverkehrsordung nicht immer gegeben ist", sagt ein Beamter der Polizeiinspektion Ebern, der mit Verkehrsaufgaben betraut ist. Die betreffende Stelle sei wohl relativ unübersichtlich, das Fahrzeug tauche, wenn man aus Richtung Ortsmitte kommt, überraschend auf. Jedoch stelle das wegen des großen Kurvenradius keinen Verstoß dar, auch wenn optisch gesehen diese Stelle als Parkplatz nicht ideal sei.


Mehrmals verwarnt

Mitunter wurden gegen den Fahrzeugbesitzer gebührenpflichtige Verwarnungen ausgesprochen, wenn das Kleinauto nicht äußerst rechts geparkt war, sagt der Polizist.

Teile der Bevölkerung sind der Meinung, dass die Polizei möglichst häufig die Situation in Augenschein nehmen sollte und bei jedem Verstoß konsequent mit entsprechenden Sanktionen einschreiten sollte. "Nur wenn es dem an den Geldbeutel geht, wird er vielleicht irgendwann einmal vernünftig", sagt ein Bürger, der nicht genannt werden möchte.

Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) erklärt auf Anfrage, dass immer wieder Beschwerden aus der Bevölkerung bei der Stadt eingingen. Er sieht wegen des Standortes des Pkw vor allem ein Problem für landwirtschaftliche Fahrzeuge. Die Stadt habe sich deshalb schon an die zuständige Kreisbehörde gewandt. "Ich könnte mir ein Parkverbot im betreffenden Bereich vorstellen, um dieses Ärgernis zu beseitigen", sagt der Bürgermeister. Darüber müsse die Verkehrsbehörde am Landratsamt Haßberge entscheiden. "Wir können nur an die Bürger appellieren, gegenseitig Rücksicht walten zu lassen", sagt er.


kaum rechtliche Handhabe

Mathias Ullrich, Leiter der Verkehrsbehörde beim Landratsamt Haßberge, kann sich dem Appell des Bürgermeisters auf gegenseitige Rücksichtnahme nur anschließen, wie er auf Anfrage mitteilt. Aus seiner Sicht gibt es keine "rechtlich fundierte" Handhabe, im betreffenden Bereich eine beschränkende verkehrsrechtliche Anordnung, wie beispielsweise ein Halteverbot, zu erlassen. "Klare Voraussetzungen für eine solche Maßnahme liegen dort einfach nicht vor", sagt der Verkehrsexperte des Landratsamtes, wobei er auf die gesetzlichen Bestimmungen verweist.
Klaus Schineller (EAL, Bündnis 90 Grüne) vertritt den Stadtteil Bischwind im Stadtrat. Er beklagt ebenfalls die Uneinsichtigkeit des betreffenden Mitbürgers. "Es macht keinen Sinn, mit ihm zu sprechen, man stößt auf taube Ohren", sagt er. Er selbst habe versucht zu vermitteln. Allerdings fand sein Appell, eine Lösung zu finden, kein Gehör. "Er tat es mit ,lächerlich' ab, sagt der Stadtrat aus Bischwind. "Er ist keiner Bitte, keinem Vorschlag zugänglich." Er (Schineller) habe sich von ihm Worte anhören müssen, die er nicht wiedergeben möchte.
Der betreffende Smart-Besitzer ist telefonisch nicht zu erreichen und konnte trotz mehrmaliger Versuche nicht angetroffen werden, sodass auch seine Stellungnahme zu dem Thema, wäre er überhaupt dazu bereit, nicht eingeholt werden konnte.


Nächtliche "Rache"?

In einem Pressebericht der Polizei Ebern vor einigen Tagen war zu lesen, dass in der Nacht vom 19./20. November von einem Smart in Bischwind, der in der Weinbergstraße geparkt war, die Antenne abgeknickt und der linke Außenspiegel nach vorne geklappt war. Das allerdings ist auch kein geeignetes Mittel, um seinen Unmut über den Standort des Fahrzeuges auszudrücken.