Mit heimlich, still und leise war es schnell vorbei, als die Unterzeichnung eines Vorvertrages bekannt wurde. Die Eberner Bürgerwald-Körperschaft war sich mit der Gesellschaft zur Umsetzung umweltfreundlicher Technologieprojekte (GUT) im Grundsatz einig, dass in ihren Wäldern vier Windräder erstellt werden, wenn sich die entsprechenden Auflagen erfüllen und die Pachtversprechen zahlen lassen.

Die Bürgerwald-Körperschaft besteht aus lauter Alteingesessenen, die ihren Wohnsitz in der Kerngemeinde oder in Sandhof haben (müssen). Von dort schaut man mit anderen Augen auf die Wälder in Richtung Kirchlauter, besonders jenseits der Tonberg-Kuppe.

In Kirchlauter indes schrillten von Anfang an die Alarmglocken angesichts der Nähe zu und ob der Höhe der Windanlagen. Unterschriften wurden gesammelt, eine Bürgerinitiative gegründet, Plakate gepinselt, Leserbriefe geschrieben, Einkaufs-Boykotts zumindest angedroht. Leute, die sich nicht auf den Protestlisten eintrugen, wurden stigmatisiert, ebenso wie Gastwirte, die eine Petition nicht unterzeichneten. "Ich bin ein Getriebener", stöhnte mal Bürgermeister Karl-Heinz Kandler (SPD), der jetzt bei der Jahresschluss-Sitzung Vertretern der Bürgerinitiative für deren Einsatz dankte.

Das Klima war schnell vergiftet. An so manchem Arbeitsplatz sprachen Kollegen, die aus den beteiligten Gemeinden stammen, nicht mehr miteinander.

Plötzlich interessierten sich Kirchlauterer für die Rechtsform des Bürgerwalds und entdeckten ihn als ihr Ausflugsgebiet Nr.1.

Die zögerliche Informationspolitik von GUT-Vertretern, Eberner Stadtverwaltung und Kreisbehörden schürte nicht eben Vertrauen in Genehmigungsprozesse. So kam es zur Demonstration erboster Kirchlauterer vor einer Stadtratssitzung auf dem Eberner Marktplatz und den "Überfall" auf die westlichen Eberner Stadtteile Eichelberg und Reutersbrunn, die näher am Geschehen liegen als die Stadtbürger. So fanden sich auch Verbündete aus dem Eberner Stadtgebiet.


Kronzeuge Storch noch im Urlaub

Die Strategie ging auf. Obgleich sich der Kronzeuge derzeit noch im Winterurlaub in Afrika befindet, gaben der Schwarzstorch und somit das naturschutzrechtliche Genehmigungsverfahren den Ausschlag: Die Regierung von Unterfranken sah keine Chancen für eine Genehmigung von Windrädern - wegen der Zersplitterung des Naturparks, wegen des Schwarzstorchs, wegen der Graureiher und wegen der Wildkatze.

Das Vertrauen in staatliche Stelle dürfte wieder hergestellt sein, das in kommunale Mandatsträger indes hat gelitten. Aber die Horror-Szenarien wurden ebenso wie das Kriegsbeil wieder begraben.
Im Bürgerwald ist wieder Ruhe eingekehrt, auch wenn das Windrad-Projekt mächtig Staub aufgewirbelt hatte.

Und schließlich gibt's eine Menge neuer Experten in Sachen Windkraftnutzung oder deren Sinnlosigkeit. Wohl noch nie sind die Anlagen auf dem Bretzenstein so intensiv beobachtet worden wie während der mehrmonatigen Streitphase. Es wurden - tagsüber - sogar die Zeiten gestoppt, in denen sie sich drehten (oder nicht).