Jeden Tag um 16.30 Uhr geht in der Ortsmitte die Post ab: Da kommt der große, gelbe Laster zur Tankstelle und "dann braucht's Ihr nimmer rein", wie Roswitha Hümmer den Andrang beschreibt, der werkstags in der hinteren Ecke des Kassenraumes herrscht. Vor 20 Jahren erklärten sich Friedrich, Roswitha und Senioren-Chefin Eugenie Hümmer zunächst voller Skepsis bereit, eine Postagentur einzurichten. Damals die erste weit und breit. Die Vorreiter von einst haben jetzt wieder ein Alleinstellungsmerkmal: Die einzige Postfiliale weit und breit, wie Bürgermeister Karl-Heinz Kandler (SPD) dankbar anmerkte. "Sonst müssten wir ja nach Ebern, Ebelsbach oder Königsberg fahren."

Noch ganz genau erinnern sich die Hümmers an die Anfänge: "Die Postzweigstelle sollte geschlossen werden und ein Herr Horcher von der Post hat uns regelrecht breitgeschlagen mit dem Argument: Wenn Ihr es nicht macht, dann gibt es in Kirchlauter keine Post mehr."

Friedrich Hümmer: "Den Shop hatten wir damals schon und deswegen dem Drängen nachgegeben, obwohl wir uns unsicher waren, denn das ist ja eine ganz andere Arbeit als sonst mit der Tankstelle."

Die anfängliche Unsicherheit hat sich längst gelegt. Postgebietsleiter Olaf Gunzelmann aus Nürnberg. "Ich hab' mich bei uns im Haus umgehört, wer etwas über unsere Filiale in Kirchlauter weiß, weil ich nie etwas mitgekriegt habe, was das beste Zeichen ist. Als Auskunft habe ich bekommen, dass die Kirchlauterer brave Leut' sind und immer alles passt." Stempel drauf.

Auch der regionale Politikbeauftragte der Post, Helmut Muhr aus Nürnberg, attestierte dem damaligen Pilotprojekt als Partnerbetrieb einen großen Erfolg. "Es kommt bei unseren Kunden an, besonders in ländlichen Bereichen." Dazu bedarf es guter Partner, wie man sie in der Tankstelle in Kirchlauter gefunden habe. "Wir profitieren von den besseren Öffnungszeiten, Sie von zusätzliche Laufkundschaft."

Und die kommt. Von 7 bis 20 Uhr ist die Tankstelle durchgehend geöffnet. Auch am Wochenende, wobei die Datenleitung dann nicht funktioniert. "Dafür haben wir eigene Lösungen gefunden", erzählen die Hümmers und auch der Bürgermeister bringt seine Post "auch am Sonntag vorbei, weil ich dann weiß, dass sie am Montag weggeht".

Die Tankstelle ist Kommunikationszentrale in Kirchlauter und der gesamten Gemeinde, da auch die Neubrünner seit Jahren für ihren Sprit und ihr Paket nach Kirchlauter düsen, neuerdings auch wegen der Bankgeschäfte und vielleicht bald auch wegen der Schulkinder. "Man kennt die Leut', und es gibt auch privat mal einen Plausch. Es geht halt familiär zu", so Hümmer. Im Verlauf der 20 Jahren verspüren die Hümmers einen deutlichen Zuwachs bei den Paketen. Die Zahl der Briefsendungen sei ziemlich identisch geblieben.

Die zum Jubiläum überreichten Briefmarken wollen die Hümmers in Ehren halten. "Früher gab es Sondermarken nur für Verstorbene", scherzte Olaf Gunzelmann - und die Hümmers versprachen, die Agentur weiter zu führen und "die Post zufrieden zu stellen".