Hydrophobierung, Halbleiter, Sensoren: Als Laie ist man in dem Wahlfach "Jugend forscht" des Regiomontanus Gymnasiums schnell überfordert. Die Jungen und Mädchen sind auf ihrem Gebiet Experten. Einige Gruppen nahmen sogar an dem gleichnamigen Wettbewerb "Jugend forscht" teil.

Die Natur als Vorbild

In der Kategorie Physik räumten Lisa Scheuring aus Zeil und Tony Oehm aus Haßfurt den ersten Platz ab. Sie schauten sich wasserabweisende Oberflächen aus der Natur an und wendeten dies auf Werksmaterialien an. "Wir haben ein Mittel auf verschiedene Materialien aufgetragen und auf Haltbarkeit, Trockenzeit und Hydrophobierung getestet", erklärt Tony Oehm. Hydrophobierung - für alle Nicht-Wissenschaftler - sagt aus, wie stark ein Tropfen abgestoßen wird. Die Beiden wurden auf das Thema durch eine Seminararbeit aufmerksam. "Ein Abiturient hat das schon einmal erforscht. Dadurch war das Mittel an der Schule schon vorhanden", sagt der 14-Jährige.

Trinkwasser aus Luftfeuchtigkeit

Felix Schneidmadel aus Ebelsbach holte mit seiner Erfindung den zweiten Platz. "Ich wusste: Wenn ich forsche, dann will ich etwas Nützliches dabei erfinden", sagt der 18-Jährige. Damit könnte er das Problem der Menschheit lösen, meint er. Die geniale Idee kam Felix nach dem Duschen. "Ich bin aus der Dusche raus und der Spiegel war komplett beschlagen." Heiße Luft speichert mehr Wasser als kalte. Wenn diese dann abkühlt - zum Beispiel am kalten Spiegel - wird aus der Luft Wasser.

Die Idee: Luftfeuchtigkeit gibt's überall. Felix hat eine Apparatur entwickelt, die durch Kondensation Trinkwasser herstellt. Ein Gebläse schickt Luft durch einen Zylinder; die kühlt sich an der kalten Seite des Halbleiters ab. Dabei schlägt sich das in der Luft enthaltene Wasser nieder. Die Erfindung ist netzunabhängig - könnte in der Wüste Afrikas funktionieren.

Talent liegt in der Familie

"Bis jetzt hakt es an manchen Stellen noch, aber mit höherem Forschungsetat könnte ich auch mehr reinstecken", so der Schüler. Nebenbei schreibt der 18-Jährige auch seine Seminararbeit darüber. "Das ist natürlich eine gute Motivation. Aber das Interesse für Technik liegt bei mir schon fast in der Familie", erzählt der 18-Jährige. Im letzten Jahr holte sich sein Bruder den ersten Platz bei "Jugend forscht". Er hatte an einer Biogasanlage herumgetüftelt.

Im Komplex Technik startete das Team um Jan Dürr, Manuel Deublein und Felix Bold. Sie entwickelten ein Auto. Jedes Rad kann einzeln in verschiedene Richtungen und mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten angesteuert werden. "Die spezielle Anordnung der Räder sorgt dafür, dass das Auto aus dem Stand in jede Richtung fahren kann", erklärt Jan. "Zweck ist es, dass Auto überall einsetzen zu können. Gerade dort, wo wenig Platz zum Rangieren ist, wie in Lager- oder Rohrsystemen", ergänzt Manuel.

Am Anfang steuerten die drei Schüler das Auto noch über Controller. Die vielen Kabel nervten sie schnell. "Wir beschlossen, alles kabellos zu machen und das Auto über unsere Handys zu steuern", erklärt Manuel Deublein. Zusätzlich bauten die vier Tüftler Sensoren ein, damit das Auto ohne menschliche Steuerung fahren kann.

Manuel Deublein und Felix Bold, beide 16 Jahre, sind seit letztem Schuljahr in dem Wahlfach "Jugend forscht". "Ich fand es interessant, seine Ideen ausprobieren zu können", sagt Felix Bold. "Man hat hier einfach die Möglichkeiten alles zu machen und hat keine Kosten. Wenn wir so etwas zu Hause bauen würden, könnten wir uns das nicht leisten", ergänzt Manuel Deublein. Als ihr Auto-Projekt Form angenommen hat, haben sie sich Jan Dürr geholt. "Er kennt sich einfach super mit Informatik und Programmierung aus", sagt Manuel.

Rahmenbedingungen schaffen

Marco Hartmann, Chemie- und Geographielehrer, leitet den Kurs und ist stolz darauf, was seine Schüler alles geschafft haben. Er hilft bei Anlaufschwierigkeiten und Problemen während des Projektes. "Doch oft ist es wirklich so, dass sich die Schüler auf ihrem Gebiet viel besser auskennen als ich und sich dann untereinander helfen", meint Hartmann. "Meine wichtigste Aufgabe ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen und Kooperationspartner ans Land zu ziehen", ergänzt er.
Und das ist ihm nun auf langfristige Sicht gelungen: Die Firma Uponor aus Haßfurt fördert die jungen Erfinder finanziell und stellt Räumlichkeiten und Maschinen zur Verfügung. "Das ist wirklich ein großer Gewinn. Oft dauert es ewig bis Gelder fließen und die Schüler mit ihren Experimenten anfangen können. Das frustriert", erzählt der Lehrer. Die Talente können sich nun voll und ganz in die Verbesserung ihrer Erfindungen vertiefen.