"Ohne Therapie", begründete Jugendrichter Martin Kober das Urteil des Jugendschöffengerichts am Amtsgericht Haßfurt, "leben Sie in fünf Jahren nicht mehr". Auf frischer Tat hatte man den jungen Mann (21 Jahre) erwischt, wie er Rauschgift aus Tschechien nach Deutschland schmuggeln wollte. Der drogenabhängige Vorbestrafte kassierte dafür nun eine zweijährige Jugendstrafe, verbunden mit der Auflage, unverzüglich in einer Entziehungsanstalt eine Langzeittherapie zu absolvieren.

Schon über ein Jahr ist es her, als am 19. Mai 2013 - es war der Pfingstsonntag - im Zug von Cheb nach Marktredwitz der Angeklagte saß. In seiner Unterhose hatte er 1,4 Gramm Amphetamin, 2,3 Gramm Haschisch und 9,15 Gramm weißes Pulver versteckt. Das Pulver hatte man ihm als Methamphetamin, bei Insidern auch unter dem Namen Crystal bekannt, verkauft. Insgesamt lag der Kaufpreis bei gut 200 Euro.

Als während der Fahrt der 21-Jährige - verursacht durch seinen Drogenkonsum - kollabierte, alarmierte der Schaffner die Bahnpolizei. Schnell war klar, dass etwas ungewöhnlich an dem Fall war und die Beamten fanden die verbotenen Substanzen. Da es dem Kurier wirklich nicht gut ging, wurde er in das nächste Krankenhaus eingeliefert.

Wie sich bei der Untersuchung herausstellte, handelte es sich bei dem weißen Pulver um Staubzucker. Wie bei solchen Geschäften nicht unüblich, war der Drogenkäufer gelinkt worden. Vor Gericht in Haßfurt zeigte sich der Angeklagte geständig und reumütig.

Ein zweiter Anklagepunkt betraf eine Sachbeschädigung. Laut Staatsanwalt Oliver Kröner soll der Angeklagte am 3. August letzten Jahres nachts um halb zwei in Bamberg zwei Autos beschädigt haben, indem er mit dem Fuß dagegen trat. Obwohl das ein Augenzeuge bestätigte, kann sich der Beschuldigte daran überhaupt nicht mehr erinnern. Unterm Strich spielte dieser Punkt praktisch keine Rolle, weil es sich - im Vergleich zu der Drogengeschichte - um Peanuts handelte.

Viel schwerer wog dagegen das Vorstrafenregister des Beschuldigten aus dem Landkreis Haßberge. Trotz seines jungen Alters stehen bereits sechs Einträge im Bundeszentralregister. Darunter auch einschlägige Verurteilungen, weil er gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen hat.

Der als Sachverständiger geladene Psychiater Dr. Bernd Münzenmeyer schlug vor, den Suchtkranken in einer psychiatrischen Entziehungsanstalt unterzubringen. Eine solche Maßnahme soll einerseits verhindern, dass eine Person weitere Straftaten - meist in Form von Beschaffungskriminalität - aufgrund ihrer Sucht begeht. Andererseits soll damit dem Verurteilten die Chance gegeben werden, durch eine spezielle Therapie aus dem Teufelskreis der Drogen auszusteigen und den Weg in ein geregeltes Leben zu finden.

Dieser Anregung des Gutachters schlossen sich neben dem Staatsanwalt auch der Verteidiger Dr. Christian Merkel sowie das Schöffengericht an. Nach kurzer Beratung verkündete das Gericht das Strafmaß. Wenn die Therapie erfolgreich abgeschlossen wird, erläuterte der Vorsitzende Richter, werde die restliche Freiheitsstrafe in der Regel zur Bewährung ausgesetzt. Da alle Prozessbeteiligten einverstanden waren, wurde der Spruch des Schöffengerichts in Haßfurt sofort rechtskräftig.