Vor 60 Jahren kam das Kleinfahrzeug Moped auf den Markt, das sich aufgrund der damaligen Führerscheinfreiheit insbesondere bei den jungen Leuten großer Beliebtheit erfreute. Am Anfang war es ein motorisiertes Kleinrad mit Pedalen und es erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von gut 40 "Sachen". Manch ein heute ergrauter Zeitgenosse wird sich noch erinnern, dass diese Zweiräder darüber hinaus oft "frisiert" worden sind, um die Geschwindigkeit zu steigern.

Ohne Führerschein

Himmlische Zeiten: Das "Motorfahrrad" war steuer- und zulassungsfrei, und bis 1961 war auch keine Fahrerlaubnis erforderlich. Die Vollendung des 16. Lebensjahrs reichte damals zum Führen eines Mopeds aus.
Nur zwei Jahre nach der Einführung beklagte 1955 der in Haßfurt tagende Landkreisverband das Überhandnehmen der Mopeds und sprach von einer "Mopedseuche". Man schlug vor, einen Führerschein für diese Fahrzeuge einzuführen.

Die wachsende Zahl von Mopeds veranlasste 1956 den Motorsportclub in Knetzgau, Lehrgänge zum Erwerb von so genannten Mopedkarten zu veranstalten, zu denen man Halter auch aus Sand, Zell, Westheim, Oberschleichach und Haßfurt eingeladen hatte.

Mitte 1958 wurden in Zeil nach Abschluss eines ersten Lehrgangs 40 Mopedkarten ausgegeben. Im Mittelpunkt dieser Unterweisung ein Lehrfilm. Den führte der Polizeibeamte Otto Beßler vor. Die Zeitung veröffentlichte damals sogar die Namen der stolzen Mopedkarten-Inhaber.

Schweinfurter Motoren

Von der "Mopedisierung" profitierten vor allem die Sachs-Werke in Schweinfurt, denn die meisten Modelle waren in der Regel mit einem Sachs-Motor ausgestattet. Ende der 50er Jahre ging gar der Absatz schwerer Motorräder zugunsten von Mopeds zurück.

Wenn wieder einmal Mopedfahrer durch die Nacht knatterten, war das den Zeitungen eine Notiz wert. Schließlich störten sie die bürgerliche Ruhe. Durch ständiges Gasgeben im Leerlauf, fühlten sich die Anwohner provoziert und die Ordnungsbehörden herausgefordert.

Diese nahmen dann prompt die Fahndung nach den "Halbstarken" auf. Verschlimmernd war es, wenn die jungen Leute während der Fahrt voller Übermut auch noch mit den Füßen auf dem Sattel standen und so durch die Gegend fuhren.

"Mopedunwesen"

Die Menschen begannen, die negativen Auswirkungen der Motorisierung zu spüren. Das Krachmachen der jungen Mopedfahrer beschäftigte zunehmend die kommunalen Parlamente. Der Eltmanner Stadtrat fürchtete 1959 ob der Lärmbelästigung um seine Kurgäste und sprach vom "Mopedunwesen". 1960 beklagte das Ratsgremium, dass vor allem Mopedfahrer zur Nachtzeit die schlafenden Leute aufweckten.

Einmal titelte die Heimatzeitung: "Glück bedeutet nicht Moped mit Rennsattel!". Diese Weisheit hatte 1959 anlässlich der Schulentlassfeier der Zeiler Bürgermeister Rudolf Winkler den Schülern mit auf den Weg gegeben. Er appellierte an sie, nicht Halbstarke zu spielen. Doch gerade dies war - damals war der Rock'n‘Roll modern - eine Mode mit Kultcharakter.

Vier Wochen später war in der Zeitung ein Bericht zu lesen mit der Überschrift: "Was ist los mit den Mopedfahrern?" Bildeten doch mittlerweile die Mopedfahrer, die auf dem Weg von und zur Arbeit verunglückten, mit 23,2 Prozent die größte Verkehrsteilnehmergruppe. Nahm man allein die tödlichen Unfälle auf dem Arbeitsweg, so entfielen 36 Prozent auf die Mopedfahrer. 60 Prozent davon verunglückten ohne die Beteiligung eines anderen Verkehrsteilnehmers. Schuld waren wohl jugendlicher Leichtsinn, das Fahren ohne Schutzhelm und die Neigung, dass sich der schwächste Verkehrsteilnehmer gerne am stärksten zeigen wollte. Die Helmtragepflicht für Mopedfahrer wurde erst 1978 verbindlich.

Neue Nummern

1956 erhielten die Mopeds andere Nummern als die übrigen Kraftfahrzeuge. Es waren geheimnisvolle Zahlen und Zeichen, deren Studium zunächst eine Wissenschaft für sich zu sein schien, wie die Heimatzeitung meldete. Selbst den mit der Durchführung der Umkennzeichnung beauftragten Dienststellen verursachten sie Kopfzerbrechen.

Eines ist seltsam: Bei der alljährlichen Statistik über die Zunahme der Kraftfahrzeuge im Landkreis, wurden die Mopeds nicht aufgeführt.

Doch die Verkehrsunfälle von Mopedfahrern wurden von Jahr zu Jahr immer häufiger. Als in Wonfurt 1956 ein 19-Jähriger Opfer eines Verkehrsunfalls wurde und seinen Verletzungen erlag, stellte der Redner seiner Firma am offenen Grab die Frage, wer daran schuld sei, wenn heutzutage junge Menschen auf ihren knatternden "Mord- und Selbstmordmaschinen" die Straßen bevölkerten.

Ein Kraftfahrzeug erfasste 1958 auf der Strecke Trossenfurt-Eltmann einen Mopedfahrer. Der hatte dabei den steinernen Kilometerstein an der Abzweigung nach Weisbrunn gerammt und umgerissen. Später hat man diese Wegsteine dann überall weit weg von der Fahrbahn platziert.

Lehrgänge und Führerschein

In Haßfurt, Zeil und Eltmann fanden Anfang 1960 kostenlose Mopedlehrgänge der Polizei statt. Nach der Führerscheinpflicht 1961 wurden im Altlandkreis Haßfurt 750 Führerscheine für Mopeds ausgegeben. 300 Anträge lagen noch vor. Die Landpolizei begann ab 1. April mit Kontrollen. Wer keine Erlaubnis hatte, musste wieder zurück aufs Fahrrad. Mitte des Jahres 1961 schätzte man die Zahl der Mopedfahrer im Altlandkreis Haßfurt auf 2000, von denen 500 noch keine Prüfung abgelegt hatten.

In Knetzgau hielt Otto Maas nach der Einführung des Führerscheins Lehrgänge für die Moped- und Mofafahrer der näheren Umgebung. Rund 750 Führerscheine überreichte er den glücklichen Inhabern im Laufe der Zeit.
Als der Knetzgauer Motorsportclub eine 50 Kilometer lange Fuchsjagd durchführte, lud man hierzu auch die Mopedfahrer ein. Das Moped war keinesfalls allein ein Gefährt der jungen Generation. Auch mancher Älterer konnte sich eben nur ein Moped leisten.

Mit dem Moped zur Eisenbahn

Nach der Stilllegung des Mainfährbetriebs bei Obertheres benutzten ab 1956 die rund 120 Arbeiter aus Wonfurt die Arbeiterbusse nach Schweinfurt. Etwa 25 Beschäftigte legten sich jedoch ein Moped zu. Mit dem fuhren sie auf der neuen Straße nach Haßfurt, um von hier aus Schweinfurt mit der Eisenbahn erreichen zu können.
Die Fahrt mit dem eigenen Auto zum Arbeitsplatz war damals eine Seltenheit. 1958 kamen beispielsweise täglich nur 60 Betriebsangehörige mit dem eigenen Auto zur Arbeit ins Kufi-Werk nach Eltmann. Die Firma ließ hauptsächlich für Fahrräder und Motorräder einen 4000 Quadratmeter großen Parkplatz anlegen.

Ab 1967 konnte in Zeil die Krankenschwester eines Würzburger Ordens die Kranken bereits motorisiert besuchen. Damit diese müheloser und schneller helfen konnte, hatte ihr der Stadtrat ein Moped spendiert Als ein Jahr später eine Reparatur notwendig wurde, erklärten sich Bürgermeister Winkler und sein Stellvertreter Pottler bereit, diese aus ihrer Privattasche zu bestreiten. 1969 beschaffte die Stadt ein weiteres Moped für den Amtsboten. Schließlich musste der nach der Eingemeindung den neuen Stadtteil Bischofsheim ansteuern.

Rennplatz Campus

Noch in den späten 1970er Jahren war der Mopedlärm ein ständiges Ärgernis. "Mopedfahrern im Schulhof drohen Anzeigen" titelte 1977 die Heimatpresse. Stadtrat Nikolaus Brech hatte im Zeiler Stadtrat darauf hingewiesen, dass der Campus nachmittags von Mopedfahrern als Rennplatz benutzt werde. Sie störten den Nachmittagsschulunterricht. Darauf sollten die Kennzeichen zwecks Anzeige aufgeschrieben werden.
Rückblickend erzählte 2011 der jüngst verstorbene Schullehrer und Kreisheimatpfleger Eberhard Lorenz, dass früher in Hofheim junge Leute mit Mofas auf dem Schulhof ihre Runden drehten und dann oft auch Ehrenrunden in der Schule drehen mussten, weil die flotten Fahrer das Lernen vernachlässigten. Dieser Aspekt spielt auch in dem bekannten Spielfilm "Der Pauker" (1958) eine Rolle.

In den 1980er Jahren war der Moped-Trend abgeflaut. Heute sind im gesamten Kreis Haßberge nur rund 950 "Leichtkrafträder" zugelassen. Außerdem laufen in diesem Bereich noch 164 Roller. Mofas und Mopeds bis 45 Stundenkilometer bedürfen bei der Zulassungsbehörde keiner Registrierung. Sie werden mit einem Versicherungskennzeichen geführt, das von den Versicherungen ausgegeben wird. Allerdings braucht man inzwischen für beide Fahrzeuge einen Führerschein.


Namensfindung Um für das "Fahrrad mit Hilfsmotor" eine verkaufsfördernde Bezeichnung zu finden, hatte man einen Wettbewerb veranstaltet. Der Begriff Moped leitet sich ab von der Zusammenfassung der Abkürzungen für Motorrad und Veloziped (französisch für Fahrrad). Ein Moped war höchstens 33 Kilogramm schwer, auf einen Hubraum von 50 Kubikzentimeter beschränkt und führerscheinfrei. Das Silbenwort Mofa ist abgeleitet von Motor-Fahrrad oder motorisiertes Fahrrad. Um ein Moped fahren zu dürfen, konnte man ab 1961 entweder ab einem Alter von 16 Jahren den Führerschein machen oder man bekam diesen automatisch beim Ablegen der Autoführerscheinprüfung.

Bahnhofsarmada In den 1950er und 1960er Jahren pendelten täglich aus dem Raum Haßfurt unzählige Arbeitnehmer in die Schweinfurter Großindustrie. Für viele Arbeiter in den Dörfern begann der Tag schon um vier Uhr morgens. Mit dem Fahrrad, dem Moped oder Motorrad fuhr man in die Kreisstadt und von hier aus mit der Eisenbahn nach Schweinfurt. Die Bahn verlangte für die Unterstellung der Zweiräder einen kleinen Obolus, den die meisten Leute aber sparen wollten. Während in der Abstellhalle Leere herrschte, war vor dem Bahnhof ein ganzer Wald von Zweirädern aller Art angesammelt - um die ein oder zwei Mark pro Woche zu sparen. Man kann sich gut vorstellen, dass nach Ankunft der Züge eine gewisse Logistik vonnöten war, um dieses Knäuel von Zweirädern zu entwirren.

Taschengeschenk 1958 hielt in Zeil der rührige Polizeibeamte Otto Beßler einen Lehrgang für den Erhalt einer Mopedkarte ab. Aus Dankbarkeit für die kostenlose Unterweisung schenkten ihm die Kursteilnehmer eine Aktentasche. Als korrekter Beamter meldete Beßler pflichtgemäß seinem Vorgesetzten in Haßfurt diese Schenkung. Der wollte auf Nummer Sicher gehen und leitete diese Angelegenheit an die nächste höhere Dienststelle weiter. Schließlich kam eines Tages ein Schreiben von einer Behörde in München, in dem Otto Beßler gestattet wurde, die Aktentasche anzunehmen. Allerdings wurde er darauf aufmerksam gemacht, dass er das gute Stück nur dienstlich benutzen darf.