Zwischen der provokanten Frage: "Macht mich Abfall krank?" und der ebenso deutlichen wie ernüchternden Antwort: "Ja, das ist die knallharte, brutale Wirklichkeit", bewegte sich der spannende Vortrag von Kreis-Abfallberater Wolfgang Aull vor rund 50 Gästen beim Motorbootclub Obertheres (MBCO). Sein Ziel, die Zuhörer aufzurütteln und zum Nachdenken anzuregen, hat der Referent voll und ganz erreicht.


Jährliches Umweltseminar

Der Club lädt seit vielen Jahren zu einem Umweltseminar ein, um das Umweltbewusstsein seiner Mitglieder zu schärfen. "Sie sind einer der aktivsten Vereine im Hinblick auf den Umweltschutz und immer wieder interessiert an entsprechenden Vorträgen", lobte Aull denn auch. Als Kunststoffingenieur sind die Kunststoffe sein Steckenpferd, wie er eingangs erklärte.

Deshalb hatte er seinen Vortrag, den er an diesem Tag zum ersten Mal hielt, auch unter das Thema "Nahrungskreislauf - Störfaktor Kunststoff" gestellt. Um aufzuzeigen, welche Folgen der zunehmende Kunststoffverbrauch auf der Welt hat, erinnerte Aull daran, dass der Mensch alles, was er in die Erde bringe, auch wieder ernten werde. Doch während in der Natur alle natürlichen "Abfälle" umfassend und rückstandsfrei verwertet werden, sieht das beim Kunststoff ganz anders aus. "Zwar ist ein Leben ohne Kunststoff heute nicht mehr denkbar", sagte Aull. 2008 wurden weltweit 280 Millionen Tonnen Kunststoff produziert.


Nur drei Prozent werden recycelt

"Doch jährlich werden nur rund drei Prozent (840 000 Tonnen) recycelt, während rund 20 Millionen Tonnen unkontrolliert in die Natur abgegeben werden", teilte er mit. "Während wir heute wissen, dass das, was wir in eine Glasflasche abfüllen, auch in der Flasche drin ist, können Kunststoffflaschen kleine Kunststoffteilchen, Zusatzstoffe und andere Komponenten an das Füllgut abgeben und dort für den Verbraucher unerwünschte Belastungen verursachen."

Aull zitierte die Süddeutsche Zeitung, die berichtete, dass Ökotoxikologen bewiesen, dass viele PET-Wasserflaschen chemische Stoffe in das Wasser absonderten, die eine verweiblichende Wirkung haben können. Aull berichtete, dass auch in Kunststoff-Spielzeugen immer wieder deutliche Mengen an Schadstoffen nachgewiesen werden, die Krebs erzeugen oder im Verdacht der Krebserregung stünden.

Selbst der Outdoor-Kleidung werden zum Teil fortpflanzungsgefährdende polyfluorierte Chemikalien sowie hormonell wirksame Weichmacher und Tenside zugefügt, die ins Blut und in die Umwelt gelangen. Diese Kleider verlieren in ihrer Gebrauchsphase bis zu 20 Prozent ihres Gewichts. Laut Umweltbundesamt gelangen pro Waschgang einer Fleecejacke bis zu 2000 Kunstfasern in die Meeresumwelt. "Unsere Enkel werden einmal unsere Outdoor-Kleidung essen", sagte Aull dazu.

An Fotos, die er selbst aufnahm, zeigte er, wo der Kunststoff landet: am Straßenrand, in der Kanalisation, in Flüssen oder im Meer. "Dort fressen Fische die Kunststoffteilchen, die den Magen füllen, sie aber verhungern lassen, und Seeadler fressen die Fische, die sie wiederum verenden lassen", so Aull. Vor zwei Jahren berichteten Wissenschaftler von Leberschäden bei Fischen durch Plastikmüll; sie erklärten, dass die Schadstoffe aus den Plastikteilchen über den Fisch in die Nahrungskette gelangen und den Menschen treffen.

Das Zitat von Papst Benedikt XXVI: "Die Erde trägt selbst ihre Würde in sich und wir müssen ihren Weisungen folgen", halte er für zutreffend. "Denn so wie die Würde des Menschen unantastbar ist, sollte auch die Würde der Erde unantastbar sein", sagte er. Den Zuhörern riet er, beim Einkauf an die Folgen zu denken, verantwortungsvoll mit Kunststoff und allen anderen Abfällen umzugehen und sie niemals in die Natur zu werfen, weil sie dort katastrophale Auswirkungen hätten.