Die Nachricht verschafft den Betroffenen zumindest etwas Luft: Nicht vor Ende dieses Jahres soll darüber entschieden werden, wie es mit den Haßberg-Kliniken, insbesondere der Hebammenstation in Haßfurt und dem Krankenhausstandort Hofheim, weitergeht. Das teilte das Landratsamt des Kreises Haßberge mit, nachdem der Verwaltungsrat als entscheidungsbefugtes politisches Gremium des Kommunalunternehmens nun am Montagabend getagt hatte.

Gleichbedeutend mit "einfach abwarten, was bis Ende des Jahres passiert" ist diese Nachricht aber nicht: Der Vorstand der Haßberg-Kliniken (bestehend aus Stephan Kolck und Wilfried Neubauer) sowie in erster Linie Landrat Wilhelm Schneider (CSU) als Vorsitzender des Verwaltungsrates wollen in dieser Zeit verschiedene Konzepte und Umstrukturierungsmöglichkeiten prüfen, die das Kommunalunternehmen wieder auf Kurs bringen sollen.

Es geht dabei um mögliche Maßnahmen, "die wir jetzt in der Öffentlichkeit nicht diskutieren", sagte Wilfried Neubauer. Um Spekulationen in Bezug auf Personalabbau vorzugreifen, fügte er an: "Es wird weder Kündigungen noch irgendwelche Mitarbeiteränderungen geben, die als Einsparmaßnahmen von oben verordnet wurden." Zudem gehe es nicht allein um die Geburtsstation oder das Haus Hofheim - beide sind von der Schließung bedroht -, sondern auch die anderen Bereiche der Kliniken. Das Kommunalunternehmen unterhält derzeit drei Standorte, das Haupthaus in Haßfurt sowie die Häuser Hofheim und Ebern. Das Gesamtdefizit der Kliniken lag im Jahr 2015 laut den Verantwortlichen bei rund drei Millionen Euro.


Gespräche mit Beteiligten

Gemäß der gestrigen Pressemitteilung des Landratsamtes wurde am 6. Juni nun festgelegt, "dass Gespräche mit den Beteiligten geführt, die Entwicklungen beobachtet und bis zum 31. 12. 2016 Grundlagen ermittelt werden, auf deren Basis der Verwaltungsrat dann zeitnah seine Entscheidungen treffen wird".

Denn freilich besteht zum Beispiel die reelle Chance für den Erhalt der Geburtsklinik darin, dass dort mehr Geburten stattfinden: Momentan sprechen die Klinikvorstände von durchschnittlich einer Geburt pro Tag - zu wenig, um die Bereithaltungskosten eines ganzjährigen Rund-um-die-Uhr-Betriebs der Station zu decken. Landrat Schneider nannte in diesem Zusammenhang jüngst ein Defizit von derzeit jährlich 600 000 Euro. Dies ließe sich durch etwa 200 Geburten mehr pro Jahr gut abfedern.


Große öffentliche Resonanz

Nachdem die Hebammen in den vergangenen Wochen mit großer öffentlicher Resonanz für den Erhalt der Geburtsstation gekämpft hatten, sei eine Entwicklung in diese Richtung möglich, glaubt Neubauer: Das Signal in der Bevölkerung sei klar gewesen, die Hebammenstation soll erhalten bleiben. "Es ist toll, dass die Geburtshilfe so einen Rückhalt in der Bevölkerung genießt", sagte Neubauer. Zahlreiche Zeitungs-, Radio- und Fernsehberichte und eine große Unterstützung in den sozialen Medien wie etwa in Facebook bestätigten dies. Jüngst wurden Landrat Wilhelm Schneider Unterschriftenlisten mit knapp 22 000 Unterzeichnern (fast 5000 davon stammen aus einer Online-Petition) überreicht. "Die Unterschriftenlisten sind für uns nicht einfach nur ein Bekenntnis, das in irgendeiner Schublade landet", betonte Neubauer. Im Gegenteil: "Wir sind froh, dass die gute Arbeit bestätigt wird. Wir können aber nicht eine gute Abteilung mit Mitarbeitern im Drei-Schicht-Betrieb vorhalten, wenn die Arbeit nicht in Anspruch genommen wird." Es werde sich zeigen, wie die kommenden Monate bezüglich der Geburtsrate verlaufen, dann werde man weitersehen.

Für das Haus Hofheim sind die Voraussetzungen anders. Dort geht es darum, ein stationäres Belegkrankenhaus zu erhalten, das angesichts der Entwicklungen im medizinischen Sektor in seiner jetzigen Form kaum Zukunftschancen hat, wie Neubauer darstellt: Dass sich hier ohne weiteres die Bettenbelegung (von 25 Betten sind im Schnitt etwa 15 bis 16 belegt) steigern lässt, ist unwahrscheinlich, beziehungsweise gibt es auch mit der Abrechnung über die Krankenkassen nicht mehr die gleichen Möglichkeiten wie vor einigen Jahren: Viele Leistungen, die vorher mit einem längeren stationären Krankenhausaufenthalt verbunden waren, könnten heute ambulant erbracht werden.


Wirtschaftlich vertretbar?

Das habe nichts mit der Arbeit der Angestellten in Hofheim zu tun, die sei zweifellos gut, betont Neubauer. Aber wenn der Schnitt der belegten Betten immer weiter fällt, komme man zu dem Punkt, an dem man sich fragen müsse, ob das noch wirtschaftlich vertretbar sei. Das Defizit in Hofheim wird für 2015 vom Klinikvorstand mit etwa 220 000 Euro angegeben.

Im Rahmen der Debatte um die Schließung des Hauses Hofheim hat sich auch der "Förderkreis zur Unterstützung des Hofheimer Krankenhauses" (FUKS) zu Wort gemeldet. In einem von Dr. Alfred Hahn im Namen des Gesamtvorstandes unterzeichneten Rundbrief heißt es unter anderem: "Das Haus Hofheim soll jetzt (nach einem Fremdgutachten) zur Stabilisierung des Hauses Haßfurt dem Rotstift zum Opfer fallen."


Abschiedsgeschenk an Hofheim?

Dies stünde dem vorgeblichen Willen des Landratsamtes entgegen, die stationäre Versorgung im nördlichen Landkreis zu sichern. Nun setze man auf ein Medizinisches Versorgungszentrum (kurz MVZ) mit Ärztesprechstunden, (beziehungsweise auf eine Filiale des MVZ Haßfurt) als "Abschiedsgeschenk für die zu verlierenden Belegbetten in Hofheim".

Neubauer erklärt dazu, dass es kein Abschiedsgeschenk sei, sondern "ein Angebot an den Raum Hofheim", einhergehend mit dem Versuch, die fachärztliche Versorgung auf dem Land aufrechtzuerhalten. Ob dieses Angebot angenommen wird, müsse sich zeigen.