Nach drei Stunden Teilbürgerversammlung war es entschieden: Die Bagger im Eberner Ortsteil Weißenbrunn werden nicht abgezogen, sondern ihren Einsatz auch bei einem "bestandsnahen Ausbau" der Dorfstraßen leisten. Die Bürger werden zahlen.Bürgermeister Robert Herrmann (CSU), der die Zusammenkunft am Donnerstagabend leitete, war sichtlich zufrieden.

Der Gedanke zu Beginn war eigentlich recht einfach: Weißenbrunn soll neue Kanalrohre bekommen. Straße auf, Kanalrohr rein, Straße wieder zu - fertig. Mit diesen Arbeiten wurde letztes Jahr begonnen. "Mittlerweile ist die Maßnahme zu 95 Prozent abgeschlossen", berichtete Manfred Lang vom Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft Ebern, "und es hat eigentlich alles reibungslos funktioniert".

Marode Straßen

Doch von Spezialisten wurde nun festgestellt, dass die geöffneten Straßen in Weißenbrunn, nämlich die Obere Mühle, der Stachelbergweg und die Schlossstraße eine sehr schlechte Substanz aufweisen und einfaches Verschließen des Rohrgrabens keine sinnvolle Lösung bietet, wenn man auf längere Dauer befahrbare Straßen haben will. Die Straßen müssen von Grunde auf saniert werden.

"Dem Gesetz nach sind die aufgerissenen Straßen in Weißenbrunn reine Anliegerstraßen und somit wird eine Beteiligung der Bürger an der Maßnahme von 70 Prozent fällig", erklärte Josef Müller vom Bauamt. Die Anwohner der Straßen müssen also 70 Prozent der Kosten des Straßenaufbaus übernehmen, wobei die Stadt Ebern neben ihren 30 Prozent auch die Kosten für den Kanalgrabenanteil übernehmen wird.

"Wir haben doch keinen Geldscheißer, das sind schon Existenzfragen", brachte Lisa Barthelmann empört ein. "Erst müssen wir den Kanal bezahlen und dann on top noch die Straße dazu."

Bürger sollen entscheiden

"Im Stadtrat wurde die Entscheidung, welcher Wiederaufbau der Straßen in Weißenbrunn vollzogen werden soll, bewusst nach hinten verschoben, weil man sich zuerst mit den betroffenen Bürgern zusammen setzen wollte", zeigte sich Bürgermeister Herrmann zu einer Diskussion bereit. Immer wieder betonte er aber, dass sich die Stadt nicht um die Kosten drücken werde und er im Sinne der Bürger aber eine schnelle und kostengünstige Lösung favorisiere.

Die günstige Lösung für Weißenbrunn heißt: bestandsnaher Straßenausbau mit einer Tragdeckschicht. Dabei wird in den Bereichen seitlich des Rohrgrabens die Decke weggenommen, der Unterbau verdichtet und die Straße mit einer neuen, etwas raueren Asphaltschicht ganzflächig bedeckt. Kostenpunkt: etwa 57 000 Euro. Michael Dötzer vom Planungsbüro Strunz erklärte den Bürgern diesen Straßenaufbau. "Die Tragdeckschicht erfüllt alle Funktionen: beim Straßenkehren tut man sich minimal schwerer, das Fahrgeräusch ist minimal lauter, sie ist wasserundurchlässig und auf alle Fälle besser als das, was vorher war."

Mehr alsd doppelt so teuer

Die mehr als doppelt so teure Lösung für Weißenbrunn wäre ein Vollausbau der Straßen gewesen. "Die Kosten sind hier immens, und der Kostenanteil, den wir auf die Bürger umschlagen müssten, wäre um einiges höher", so der Bürgermeister . Eine Gratislösung gibt es nicht. Und Bürger, die sich innerhalb von Minuten für eine Lösung für ihr Dorf entscheiden, auch nicht. "Jetzt hat alles so lange gedauert, und wir sollen uns innerhalb von Sekunden entscheiden", sprach Lisa Barthelmann ihren Nachbarn aus dem Herzen. Die Stadt bekam ihre Entscheidung nicht so schnell wie gedacht.

Erst nach einer halbstündigen Unterbrechung der Versammlung und der Bekanntgabe der geschätzten anteiligen Kosten für jeden betroffenen Bürger konnte abgestimmt werden: Dem Bürgerwillen nach wird in Weißenbrunn weiter gebaut und die Straßen nach dem Verfahren des bestandsnahen Ausbaus, also die kostengünstigere Variante, wieder saniert. "Wir können ihnen keine 100-prozentigen Zahlen nennen. Aber die Straßen jetzt zu sanieren, ist eine gute Entscheidung, denn in ein paar Jahren wird wieder alles teurer", befand der Bürgermeister.