Die ungeteilte Aufmerksamkeit musste man Mathias Richling unbedingt widmen. Kaum ein anderer seiner Berufskollegen fordert eine solche Konzentration von seinen Zuhörern wie er, der nicht nur schnell redet, sondern auch mit wenigen Worten äußerst komplexe Gedankengänge vollzieht. Der die vergangene wie aktuelle Politik, ihren Missbrauch und die Absurdität mancher Aussagen von Politikern beleuchtet, der die Themen der Zeit aufgreift und teilweise radikale Urteile fällt.
Scheinbar nervös und hektisch bewegt er sich vor seinem opulenten Bühnenbild, dem sinnbildlichen "letzten Abendmahl" der Kanzlerin. Dieses wurde von dem Regisseur Günter Verdin durch eine schwarz-rot-golden geschmückte Tafel mit vielen leeren Plätzen und weißen Namenschildern vor dem Bild des letzten Abendmahls von Leonardo da Vinci und dem auf einem Gestell hängenden roten Blazer von Angela Merkel angedeutet.
Vor dieser Kulisse schlüpft Mathias Richling im Lauf seines zweistündigen Non-Stopp-Redeschwalls in die Rolle der an der Tafel "sitzenden" Politiker, deren Namen nach und nach aufgedeckt werden. Man kennt den Kabarettisten ja aus dem Fernsehen als ausgezeichneten Parodisten, doch live ist das Erlebnis noch prägnanter.

Exakte Parodien


Man hätte die Augen schließen können, um die dargestellten Personen nur an der Sprache zu erkennen: den Bundespräsidenten, der wie die "Costa Concordia" bereits Schlagseite hat und in tiefere Gewässer abzudriften droht, Wolfgang Bosbach, der keine Gefangenen aus Guantanamo aufnehmen wollte, - so dass im Richling'schen Gegenzug Guantanamo nicht verpflichtet ist, Bosbach aufzunehmen, Ronald Pofalla, der eine beeindruckende Fähigkeit zur Farblosigkeit besitzt, Karl Lauterbach, der sich mit Gesundheit auskennt, denn er war auch schon einmal gesund, Klaus Ernst, Walter Steinmeier, Gregor Gysi und viele andere.
Jeder Politiker und (fast) jede Partei wird schonungslos auf leere Worthülsen und sich widersprechende Aussagen hin entlarvt. Besonders beeindruckend ist, wie er Helmut Schmidt über die Demokratie schimpfen lässt, wie er Wolfgang Schäubles Verachtung der sozial Schwachen wiedergibt und wie er immer wieder die Bundeskanzlerin parodiert. Doch Mathias Richling lädt nicht nur zum Lachen ein; er kann vor allem ganz schön böse sein. Zum Beispiel auf Exkanzler Gerhard Schröder, der sein Amt als Bundeskanzler für den Weg zum Millionär benutzt hat, oder auf den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch, der "von Amts wegen nicht weiß, was man uns vorwirft".
Nach dem Beifall gab es als erste Zugabe ein Interview von Rainer Brüderle durch einen chinesischen Journalisten, das ausnehmend lustig ausfiel. Hingegen dürfte die zweite Zugabe nur wenigen gefallen haben. Denn darin spekuliert Mathias Richling, ob die sechs Millionen toten Juden nach dem "Dritten Reich" ein wissenschaftliches Experiment waren nach dem Motto: "Mal sehen, was die Deutschen alles mitmachen". Ansonsten überzeugte der Schwabe, der seinen verbalen Finger zielgenau in jede Wunde legt, in jedem Dialekt und in jeder Rolle.