Und in den drei Tagen leistete die kirchliche Jugend unheimlich viel. So etwas sorgt für Ansehen sowie Respekt in der Öffentlichkeit. Kein Wunder, schließlich war das ehrenamtliche Engagement enorm. Es wurde in vielen Gemeinden geplant, gehämmert, gesägt, gebohrt, gemauert, abgeschliffen, gezupft, geschaufelt, eingerissen, gestrichen, gemalt, gepflanzt oder gesäubert, was das Zeug hielt. "Einfach nur unglaublich", lobte der Regionaljugendseelsorger am Sonntagnachmittag das ehrenamtliche Engagement und fügte hinzu: "Danke, danke und nochmals danke. Ich bin wirklich total überwältigt."

Viele Köpfe sorgen für eine perfekte Koordination

Der 37 Jahre alte Religionspädagoge war wie die anderen Mitglieder des Koordinationskreises für die große Sozialaktion des Bundes der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ), Praktikantin Hanna Lutz (Regionalstelle Haßfurt), Pastoralassistentin Katrin Fuchs, Dominic Meinhoff (beide Baunach), Sara Grein (Hofheim), Jonas Kollmann (Ibind), Julius Kraus (Zeil), Wolfgang Winter (Pfadfinder Haßfurt), Sabrina Piermaier und Johannes Lang (beide BDKJ Haßberge) viele Kilometer und noch mehr Stunden unterwegs, um sich die einzelnen Projekte der teilnehmenden 19 Gruppen vor Ort anzusehen.

Sein Fazit: "Alle Projekte sind super gelaufen", freute sich der Regionaljugendseelsorger und fügte hinzu: "Es war sehr schön zu sehen, mit wie viel Spaß und Freude die jungen Leute an die Arbeit gegangen sind." Es ging "nicht nur darum, es zu schaffen, sondern gleichzeitig etwas Gutes zu tun." Vetter bezeichnete "72 Stunden" als "absolut gelungen."

Es hat sich in den letzten drei Tagen viel verändert. In Sand etwa können sich die Mädchen und Buben im Kindergarten zukünftig unter anderem auf der neuen "Wikinger"-Wippe vergnügen, die Nicole Gebhardt und knapp 30 weitere Mitglieder der Jugendfeuerwehr gestalteten.

"Das müssen wir beheben"

"Wir kommen ganz gut voran und sollten heute fertig werden", zeigte sich die Projektleiterin der Gruppe bereits am Samstagvormittag überzeugt. Die jungen Rothelme kümmerten sich deshalb um den Außenbereich der erst kürzlich renovierten Einrichtung, weil die Spielgeräte trotzdem "sehr marode" waren. "Teilweise sind die beim Rütteln schon halb auseinandergebrochen. Da haben wir gesagt: Das müssen wir beheben. Es geht ja doch um Kinder. Und da ist es natürlich wichtig, dass sie sicher spielen können", erklärte die 18-Jährige den Einsatz.

Von der Arbeitseinteilung gab es "keine Probleme. Es hat alles gut geklappt", lobte sie das eingespielte Team. Auch seitens der benötigten Materialien war alles im grünen Bereich, denn die einheimischen Firmen spendeten fleißig. Und was ist, wenn es schon nächstes Wochenende eine Fortsetzung geben würde? "Ich denke, wir wären dabei", lachte Nicole Gebhardt. "Es lohnt sich ja."

Rentiert hat sich die Arbeit ein paar Kilometer mainaufwärts ebenso, denn in Knetzgau wurden die ersten Schritte für neue Jugendräume gemacht. Im alten Wohnhaus in der Ringstraße, bereits seit einigen Jahren im Besitz der Gemeinde, ist nach diesem Wochenende aufgrund einer großen Entrümpelungsaktion jedenfalls kein unbrauchbares Inventar mehr zu finden.

Wichtige Vorarbeiten haben die Knetzgauer Jugendlichen erledigt

Unter Beaufsichtigung von "Bauleiter" Thomas Zettelmeier, zuständig unter anderem für die Jugendarbeit in der Gemeinde zuständig, brachten die 72-Stunden-Teilnehmer zudem den Garten auf Vordermann und rissen auch schon im künftigen Jugendheim Tapeten von den Wänden und alte Böden heraus. Einen Boden schliffen die Jugendlichen ab. Der ist noch so gut, dass er erhalten werden soll.

Freilich ist jetzt immer noch zu tun in den nächsten Wochen und Monaten. Die BDKJ-Sozial-Aktion aber war mehr als nur ein Anfang. "Die haben sich ganz schön anstrengen müssen", hatte Matthias Vetter bei seiner Stippvisite fast schon Mitleid.

Wie viele andere Gruppen, etwa der Jugendchor "Cantarella"mit der frisch renovierten Turnhalle auf der Eltmanner Mainhalbinsel, organisierte auch die Pfarrjugendgruppe aus Reckendorf zum Abschluss der Aktion am gestrigen Sonntagnachmittag ein Fest für die Bevölkerung. Diese konnte dabei die neu angefertigten Bänke am Kirchplatz bestaunen. Ebenso den frisch gestrichenen Pavillon am Waldrand.

Das war eine Herausforderung

"Wir haben aus dem Grund mitgemacht, weil wir uns sozial engagieren und der Gemeinde helfen wollten", betonte Teilnehmerin Lorena Rösch. Außerdem wollte sich die Gruppe mit dieser Aktion, die dafür "eine super Möglichkeit" war, der "Herausforderung stellen, etwas Positives innerhalb von 72 Stunden zu machen sowie die Teamarbeit in der Gruppe stärken." Das Vorhaben ist wahrlich gelungen.

Der Garten im Eberner Seniorenzentrum ist dank der "I Have A DreamGroup" (IHADG) zu einem Schmuckstück geworden. Und weil die Mitglieder auch zusammen mit Kindern und Jugendlichen mit einer geistigen Behinderung aus der Lebenshilfe zusammenarbeiten, handelte es sich sogar um ein so genanntes "72-Stunden-PLUS-Projekt".

"Wir wollten ein Zeichen setzen, dass nicht nur verschiedene Generationen, also Senioren und Jugend, ein gemeinsames Ziel erreichen können. Es sollen und müssen auch Menschen mit körperlicher und oder geistiger Behinderung integriert werden", hob das Kirchlauterer IHADG-Ratsmitglied und Projektleiter Dominik Baum hervor.

Für die Pädagogik-Studentin Katharina Hofmann (20) aus Lußberg, ebenfalls im Rat der "IHADG", war es "wichtig, anderen Leuten zu helfen, auf andere Leute zuzugehen, mit denen man normalerweise nichts zu tun hat, und mit ihnen auch einmal kommuniziert." Sie fand die Aktion deshalb auch sehr gut, weil Senioren beteiligt waren, ebenso wie Menschen mit Behinderung.

Das war schön und anstrengend

Martin Neugebauer aus Rentweinsdorf war einer dieser Menschen. Der 25-Jährige bezeichnete es als "schön", sich mit vielen anderen Helferinnen und Helfern als Hobby-Gärtner betätigen zu können, obwohl die Arbeit "anstrengend" war. Vor allem, als er "das Unkraut aus dem Boden heraustun" musste.

Die Schirmherrin des Projekts, Stadträtin Isabell Kuhn, fand es derweil "super, dass die Jugendlichen sich für Andere sozial einsetzen und engagieren und versuchen, etwas auf die Beine zu stellen. Deswegen kann man das nur unterstützen." Alle Beteiligten freuen sich nun auf die offizielle Einweihung des Gartens beim Sommerfest des Seniorenzentrums am Samstag, 29. Juni. Dabei gibt die Band "Pfeffer, Salz & Sahne" ein Benefizkonzert, um noch einmal Spenden für den Garten zu sammeln. Das selbstgesteckte Ziel von 5000 Euro ist noch nicht ganz erreicht.

Endlich richtig ausschlafen

"Auf alle Fälle wiederholenswert" sei die BDKJ-Sozialaktion, hieß es. Die zahlreichen Helferinnen und Helfer benötigen jetzt aber "mindestens 72 Stunden Schlaf. Ich übrigens auch", lachte Matthias Vetter. "Aber dann bin ich sofort wieder mit dabei."

Zum Schluss appellierte er an die Lehrkräfte, von denen Schüler am Wochenende im Einsatz waren. "Wenn Kids heute im Unterricht besonders müde sind, sollen sie bitte nachsichtig sein. Es ist wahrscheinlich, dass sie noch kaputt sind."