Jetzt. Genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Das ist der Rat von Dr. Jürgen Reimann, dem Arzt und dem Leiter des Gesundheitsamtes am Landratsamt Haßberge. Denn: Die Grippesaison steht vor der Tür. "Ab Dezember geht es richtig los mit der Influenza", erklärt Reimann. Und da es etwa 14 Tage dauert, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist, sind die Monate Oktober oder November der ideale Zeitpunkt für die Impfung.


Impfung für Risikogruppen

Eine Impfpflicht gibt es nicht. Aber: Vor allem Menschen ab 60 Jahren, Schwangere und chronisch Kranke sollten sich gegen Grippe impfen lassen. "Bei ihnen ist das Risiko höher, dass die Krankheit besonders schwer verläuft", sagt Susanne Glasmacher vom Robert Koch-Institut. Doch die Empfehlung trifft, wie es scheint, selten auf Gehör.

Erneut warnen Fachleute vor gefährlichen Impflücken in Deutschland. Auch der Mediziner Engelbert Schröpfer aus Ebelsbach sagt: "Wir sehen an unseren Zahlen, dass die Impfquote zurückgeht." Zuletzt war nur jeder Zweite der besonders gefährdeten Über-60-Jährigen geimpft, wie das Robert Koch-Institut (RKI) zusammen mit dem Paul-Ehrlich-Institut und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mitteilte. Unter chronisch Kranken zwischen 18 und 59 Jahren - bei denen das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs ebenfalls höher ist - waren demnach lediglich 24 Prozent geimpft.

"Im Grunde empfehle ich jedem eine Grippe-Impfung", sagt Schröpfer. Der Mediziner lässt sich jedes Jahr impfen. Vor allem, seitdem er es einmal vergessen hatte und prompt sieben Tage außer Gefecht gesetzt war. "Das vergesse ich nicht mehr."

Im aktuellen Influenzasaison-Bericht des RKI rechnen die Mediziner für 2015/16 mit 6,2 Millionen Arztbesuchen während der Grippewelle. Diese Zahlen liegen nur wenig unter den Werten der schweren Influenzasaison 2012/2013.

Die recht geringe Impfquote in Deutschland ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass viele dem Impfen skeptisch gegenüber stehen. Das bestätigt auch Frauenarzt Dr. Ulrich Wagner aus Eltmann: "Ich empfehle jeder Schwangeren in meiner Praxis, sich gegen die Grippe impfen zu lassen. Eine einzige ist bisher meinem Rat nachgekommen." Diese Zurückhaltung läge an einer grundsätzlichen Skepsis gegenüber dem Impfen, ist sich der Gynäkologe sicher.


Impfgegner im Internet

Überzeugte Impfgegner tauschen sich in Onlineforen aus, gehen für ihre Meinung sogar auf die Straße. Im Internet existieren zudem zahlreiche Seiten, die sich mit den möglichen Nebenwirkungen auseinandersetzen. Dort werden vertuschte Impfschäden "aufgedeckt", oder die Alternativen für ein gesundes Leben aufgezeigt. "Viele dieser Internetseiten enthalten nur Behauptungen, die nicht wissenschaftlich belegt sind", sagt Susanne Glasmacher vom RKI.

Die Gründe, warum so viele Menschen dem Impfen kritisch gegenüberstehen, sind vielfältig. Psychologin Cornelia Betsch von der Universität Erfurt beschäftigt sich seit Jahren mit dieser Thematik. Sie fand unter anderem heraus, dass man im Internet sehr schnell impfkritische Websites findet. Betschs Studie besagt, dass schon ein sehr kurzes Verweilen von fünf bis zehn Minuten dazu führen kann, dass die Bereitschaft zur Impfung deutlich sinkt. Zudem hätten Menschen meist mehr Angst vor der Immunisierung als vor der Erkrankung an sich.
Dabei sei der Impfstoff in der Regel sehr gut verträglich, sagt Dr. Reimann vom Haßfurter Gesundheitsamt. "Wenn man in eine bestehende Krankheit wie eine Erkältung reinimpft, kann die Erkrankung stärker werden", erklärt er. Wer aber gesund ist, steckt die Impfung meist problemlos weg.
Die Influenza

Infektionskrankheit Die Influenza oder "echte" Grippe ist eine Viren-Infektionskrankheit. Gefährlich sind besonders bakterielle Folgeinfektionen, da der Organismus bereits geschwächt ist. Als Komplikationen können unter anderem Gehirnentzündungen oder Herzmuskelentzündungen auftreten.

Empfehlung Die saisonale Influenza-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission (Stiko) für gesunde Kinder, Jugendliche und Erwachsene unter 60 Jahren nicht explizit empfohlen (außer in der Schwangerschaft und bei beruflicher Indikation). Die Stiko-Empfehlungen der Influenza-Impfung für bestimmte Personengruppen bedeutet jedoch nicht, dass die Stiko von einer Influenza-Impfung anderer Personen ausdrücklich abrät. Jeder, der sich impfen lassen möchte, sollte dies mit seinem Arzt besprechen.

Hygienetipps Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gibt im Internet (infektionsschutz.de) einfache Hygienetipps, die helfen, das Ansteckungsrisiko zu verringern: regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife, Husten und Niesen in die Ellenbeuge oder ein Taschentuch, Abstand halten zu erkrankten Personen, Regelmäßiges Lüften von Räumen, im Krankheitsfall zu Hause bleiben und sich auskurieren. chp