Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht, lautet ein bekanntes Sprichwort. Genau so war es bei einer Kassiererin, die sich durch falsche Eingaben an der Kasse ihren Lohn immer wieder aufbesserte. Weil sie in einem Zeitraum von rund einem dreiviertel Jahr öfter als 60 Mal Geldbeträge von insgesamt mehr als 11 000 Euro unterschlagen hat, wurde sie vom Amtsgericht Haßfurt nun zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt.

Wie eine Referendarin seitens der Staatsanwaltschaft vortrug, ereigneten sich die Straftaten zwischen Juni 2014 und März 2015. Die 24-jährige Angeklagte war damals als Mitarbeiterin in einem Betrieb im Maintal mit viel Laufkundschaft beschäftigt. Irgendwann, trug ihr Rechtsanwalt Jürgen Borowka vor, habe seine Mandantin bemerkt, dass sie mittels der Storno-Taste fingierte Verkäufe vortäuschen und sich damit zusätzlich Geld erschwindeln konnte. Da die Manipulation lange nicht entdeckt wurde, wiederholte sie ihre Betrugsmasche immer wieder. Aber irgendwann flog der ganze Schwindel doch auf.

Da die Frau ohne Umschweife alles gestand, konnten etliche Zeugen wieder heimgeschickt werden. Nur der 64-jährige Geschäftsinhaber wurde vernommen. Er bezeichnete die Beschuldigte als eigentlich "gute Mitarbeiterin, die mit den Kunden umzugehen verstand und über eine schnelle Auffassungsgabe" verfügte. Dies war wohl ein Grund dafür, dass die Betrügereien so lange unentdeckt bleiben konnten.


Untreue - Unterschlagung

Ein kurzer juristischer Diskurs entspann sich bei der Frage, ob es sich hierbei um Untreue oder um Unterschlagung handelte. Wie die Amtsrichterin Ilona Conver dazu ausführte, liegt eine härter zu bestrafende Untreue in der Regel dann vor, wenn die beschuldigte Person über einen gewissen eigenverantwortlichen Spielraum beim Umgang mit fremdem Vermögen verfügt. Bei einer einfachen Kassierstätigkeit sei das aber nicht der Fall.



Nicht vorbelastet

In seinem Plädoyer wies der Pflichtverteidiger darauf hin, dass sich die Frau bisher nichts zuschulden kommen ließ. Zudem sei sie dabei, sich beruflich fortzubilden, indem sie eine Umschulung zur Informatikerin begonnen habe. Ein weiterer mildernder Umstand bestehe auch darin, dass der Arbeitgeber seine Kontrollpflicht nur mangelhaft ausgeübt und es damit seiner Mandantin ausgesprochen leicht gemacht habe, immer wieder zu schummeln.
In ihrer Urteilsbegründung beschrieb die Vorsitzende das Verhalten der Verurteilten als "Tricksen und Verschleiern". Dass sie dabei über einen langen Zeitraum immer wieder raffiniert zu Werke gegangen war, zeuge von einer nicht unerheblichen kriminellen Energie. Die Freiheitsstrafe setzte das Gericht auf drei Jahre zur Bewährung aus, und die Frau muss sich bei einem Bewährungshelfer melden. Während die Verteidigung signalisierte, dass sie auf Rechtsmittel gegen das Urteil verzichtet, hielt sich die Vertreterin der Anklage (Staatsanwaltschaft) diese Option offen. Das Urteil des Amtsgerichts in Haßfurt ist daher noch nicht rechtskräftig.