Ob es um die soziale Absicherung geht, die Verhandlungen mit dem Gesetzgeber, um die Schulung von Nachwuchs oder Verbrauchern: Der Bauernverband bündelt die Interessen der Landwirte in Bayern und unterstützt sie. Weil die Landwirte wissen, was sie an dem vor 70 Jahren gegründeten Bauernverband haben, kamen sie auch zahlreich zur "Geburtstagsfeier".

Die Kreisverbände Haßberge und Schweinfurt haben inzwischen seit einigen Jahren eine gemeinsame Geschäftsstelle, und so feierten sie an der Schnittstelle zwischen den beiden Kreisen im Steigerwaldzentrum in Handthal. Und noch einen Grund hatte das: "... weil dieses Haus für unsere Handlungsmaxime steht: Schützen durch Nützen", erklärte der Haßberge-Kreisobmann Klaus Merkel (Mariaburghausen/Haßfurt).


Wertvolle Leistung in lebenswichtigen Aufgaben

Die beiden Kreisobmänner Klaus Merkel und Konrad Klein (Schweinfurt) und die Kreisbäuerinnen Cäcilie Werner (Haßberge/Wonfurt) und Sieglinde Fackelmann (Schweinfurt) freuten sich über die vielen Kollegen, aber auch über viele Vertreter aus Politik und Gesellschaft, die die Feier nutzten, um den Stellenwert der Landwirtschaft für die Erzeugung gesunder, regionaler Lebensmittel, aber auch für die Landschaftspflege und nicht zuletzt die Gesundheitsbildung an den Schulen zu betonen. So gratulierten die Landräte Wilhelm Schneider (Haßberge) und Florian Töpper (Schweinfurt, Staatssekretär Gerhard Eck (Donnersdorf), viele Bürgermeister, Kreis- und Bezirksräte aus der Region.

Gemeinsam blickten Cäcilie Werner und Konrad Klein auf die Gründung des Bayerischen Bauernverbands (BBV) am 7. September 1945. Bayern lag in Trümmern, 1,8 Millionen Flüchtlinge suchten Schutz und eine neue Heimat, und die Erzeugung von Lebensmitteln war das große Gebot der Stunde. Allerdings mussten auch die Landwirte verwüstete Felder erst wieder urbar machen, es fehlte an Gerätschaften ebenso wie an Saatgut und Dünger. Mit Stolz wiesen die Festredner auf den Text der Gründungsurkunde hin, die die vertrauensvolle Zusammenarbeit, die Völkerverständigung und die Religionsfreiheit ausdrücklich betont.


Einst größter Wirtschaftszweig

Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich das Aufgabengebiet des BBV und umfasst bis heute die drei wesentlichen Funktionen als Interessenvertretung, Fortbildungseinrichtung und Vermittler bei der Erledigung vom Staat übertragener Aufgaben. Mit 500 000 Bauernhöfen war die Landwirtschaft der größte Wirtschaftsfaktor in Bayern. Der Verband arbeitete sehr effektiv, rief das Zentrallandwirtschaftsfest wieder ins Leben und gründete in den 1950ern die erste Bauern- und Bäuerinnenschule.

Eine starke Vertretung brauchten die Bauern, als das Flurbereinigungsgesetz und 1955 dann das Landwirtschaftsgesetz verabschiedet wurden, ebenso bei der Gründung der EWG, der Vorgängerin der EU. Die Landwirtschaftliche Alterskasse wurde gegründet. In den 1960ern setzten erste Rationalisierungstendenzen ein. Die Gemeindegebietsreform 1972 brachte auch eine Konzentration im Bauernverband. Der grundlegendere Wandel in den 1970ern jedoch war der Umschwung vom bisherigen Mangel an landwirtschaftlichen Erzeugnissen hin zum Überschuss.


Heute ist Protest an der Tagesordnung

Mit einer ganz anderen Landwirtschaftsstruktur sahen sich die bayerischen Landwirte nach der Wiedervereinigung konfrontiert. Ab den 1990er Jahren waren Landwirte oft auf der Straße zu finden, sie protestierten gegen Entwicklungen in der Agrarpolitik, die bäuerlich geprägten Betrieben das Leben immer schwerer machten. 2004 dann der Absturz der Getreidepreise, aktuelle Themen sind das Preisdumping der Discounterketten vor allem bei Fleisch und Milchprodukten "und die ständigen Vorwürfe, die Landwirte seien alle Tierquäler und Umweltverschmutzer", so Klein.

Auch der Strukturwandel in den beiden Landkreisen wurde aufgezeigt. So ging die landwirtschaftliche Nutzfläche im Landkreis Haßberge seit 1951 von fast 60 000 Hektar auf heute 43 186 Hektar zurück, aus einstmals 8211 wurden 2242 landwirtschaftliche Betriebe, von denen lediglich 278 im Haupterwerb betrieben werden. Der Bauernverband Haßberge hat 2800 Mitgliedsbetriebe in 167 Ortsvereinen.

Staatssekretär Gerhard Eck stellte heraus, wie wichtig es ist, dass sich die Landwirte gegenseitig unterstützen, gerade auch nach einem so schwierigen Sommer wie dem zu Ende gehenden. Dass die Feier mit einem Gottesdienst begann, sei auch Zeichen dafür, dass sich der BBV als Wertegemeinschaft versteht. Wichtig ist für Eck die Beratungstätigkeit des BBV und seiner Mitglieder, vor allem auch nach außen, "denn es gibt zu viele, die haben keine Ahnung vom Land, geben aber gute Ratschläge", so seine Erfahrung. Als Stichworte nannte er dazu die Tierhaltung und die verantwortungsbewusste Nutzung des Waldes.


Bis heute wichtiger Zweig der Wirtschaft

Die Landwirtschaft habe sich in früheren Jahrzehnten jeder Herausforderung der Zeit gestellt und verdienten Respekt. Auch heute noch seien in der Landwirtschaft selbst, in den vor- und nachgelagerten Bereichen insgesamt 830 000 Menschen beschäftigt, das seien zwölf Prozent aller Beschäftigten in Bayern.

Die wertvolle Arbeit der Landfrauen betonten die beiden Landräte, ob als Ernährungsfachfrauen an den Schulen und in der Erwachsenenbildung, als Kulturträger in den Orten, oder jüngst als patente Helferinnen bei der Versorgung von Flüchtlingen seien sie wertvolle Säulen. Überhaupt sei der Bauernverband ein Musterbeispiel an Ehrenamt, betonte Oskar Ebert: Der Verband hat 154 000 Mitglieder, aber nur 400 hauptamtliche Mitarbeiter, die von 14 000 Ehrenamtlichen unterstützt werden.